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Kunstgelenk Kooperationsnetzwerk Gelenk-Endoprothetik startet in Dresden

Redakteur: Peter Reinhardt

Um Lösungsvorschläge für Probleme mit Gelenk-Endoprothesen zu erarbeiten, haben sich im Kooperationsverbund „Kunstgelenk – Netzwerk Endoprothetik“ deutschlandweit erstmalig neun Industriepartner und fünf Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen. Sie decken die gesamte Wertschöpfungskette von der klinischen Anforderung über Entwicklung, Fertigung, Zulassung bis zum Vertrieb ab und haben am 10. April zu einer Auftaktveranstaltung an das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU Dresden eingeladen.

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„Materialbrüche, Knochenauflösungen, Verschleiß und störende Geräusche bei der Bewegung sind nur einige aktuelle Herausforderungen, mit denen sich die medizinische Forschung und medizintechnische Entwicklung auseinandersetzen muss“, Dr. med Torsten Prietzel, Leiter der Bereiche Endoprothetik und Tumororthopädie, Orthopädische Klinik und Poliklinik der Universität Leipzig.
„Materialbrüche, Knochenauflösungen, Verschleiß und störende Geräusche bei der Bewegung sind nur einige aktuelle Herausforderungen, mit denen sich die medizinische Forschung und medizintechnische Entwicklung auseinandersetzen muss“, Dr. med Torsten Prietzel, Leiter der Bereiche Endoprothetik und Tumororthopädie, Orthopädische Klinik und Poliklinik der Universität Leipzig.
(Bild: Fraunhofer IWU)

Mehr als 80 Gäste aus Wissenschaft, Forschung und Industrie sind der Einladung gefolgt. Deutschlandweit führende Fachexperten gaben einen Überblick zu aktuellen Trends, Herausforderungen und den Aufgaben, denen sich das Netzwerk stellen wird – allen voran die Entwicklung neuer Behandlungskonzepte. So standen vor allem aktuelle Probleme sowie mögliche Lösungsvorschläge am Beispiel von Hüftimplantaten im Fokus der Veranstaltung.

Viele Patienten klagen trotz modernster Technik über Symptome

Dr. Ronny Grunert und Christian Rotsch, Wissenschaftler am Fraunhofer IWU Dresden, zeigten zudem die wichtigsten Handlungs- und Aktionsfelder des neuen Kooperationsnetzwerkes auf. Dazu gehören in erster Linie die Entwicklung neuer modularer Implantate, Materialien und Herstellungsmethoden sowie nachhaltige Behandlungskonzepte für bioverträgliche Endoprothesen.

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„Wir begegnen in der Gelenk-Endoprothetik tagtäglich zahlreichen Patienten, die trotz modernster Technik über verschiedene Symptome klagen“, erklärte Dr. Ronny Grunert, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU und einer der Koordinatoren des Netzwerkes. „Das vorhandene Verbesserungspotential können wir nur dann offenlegen und ausschöpfen, wenn wir die gesamte Wertschöpfungskette der Gelenk-Endoprothetik betrachten.“

Vor- und Nachteile verschiedener Materialkombinationen

„Die verschiedenen Materialkombinationen bieten Vor- und Nachteile“, erklärte Dr. Torsten Prietzel, Leiter der Bereiche Endoprothetik und Tumororthopädie der Orthopädischen Klinik und Poliklinik der Universität Leipzig, in seinem Beitrag zu aktuellen Problemen in der Hüft-Endoprothetik. Bei Metall-Metall-Paarungen kann es zu einer erhöhten Metall-Ionen-Konzentration kommen. Abrieb und galvanische Korrosion sind vor allem bei Großkopfprothesen ein vergleichsweise häufig auftretendes Phänomen. Materialbrüche, Knochenauflösungen, Verschleiß und störende Geräusche bei der Bewegung der Endoprothesen sind nur einige aktuelle Herausforderungen, mit denen sich die medizinische Forschung und medizintechnische Entwicklung auseinandersetzen muss.

Die computergestützte Simulation und Analyse von Hüftendoprothesenimplantationen, die Etablierung minderinvasiver Operationsverfahren, modifizierte Implantate und neue Technologien böten jedoch ausreichend Entwicklungspotenzial, um den Hüftgelenkersatz zukünftig noch erfolgreicher zu gestalten. Wichtig sei dabei die enge Kooperation zwischen Ärzten und Ingenieuren.

Versagensursachen in der Gelenk-Endoprothetik sind multifaktoriell

Wilhelm Blömer, Leiter Forschung und Entwicklung Orthopädie/Wirbelsäulenchirugie der Aesculap AG, stellte aktuelle Herausforderungen aus medizintechnischer Sicht vor. „Die Versagensursachen in der Gelenk-Endoprothetik sind multifaktoriell und sowohl vom Implantat als auch vom Operateur sowie Patienten abhängig“, erklärt Blömer. Die Weiterentwicklung biomechanischer Prüfmodelle sowie der Aufbau eines nationalen Endoprothesenregisters könnten Erfahrungswerte und Qualitätsparameter zu Technologien, operativen Techniken und Patienteneinflüsse bündeln. Ähnliche Register bestehen bereits in über 25 Ländern weltweit.

Kontakt:

Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU

D-09126 Chemnitz

www.iwu.fraunhofer.de

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