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Mergers & Acquisitions in der Medizintechnik (Teil 5): M&A im 1. Halbjahr 2016

| Autor/ Redakteur: Dr. Christian Bridts / Peter Reinhardt

M&As sind derzeit vom Bestreben vieler mittelständischer Akteure geprägt, ihre weitere strategische Entwicklung abzusichern und an technologischen Innovationen zu partizipieren. Dabei werden ungebremst alle Register gezogen: China, Private Equity, Fokussierung. Devicemed beleuchtet die Hintergründe und fasst alle Aktivitäten in einer Übersicht zusammen.

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Große Transaktion: Abbott Laboratories, hier das Global Headquarter in Abbott Park, Illinois, ...
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( Bild: Abbott Laboratories )

Die bereits ausgeprägten M&A-Aktivitäten des 2. Halbjahrs 2015 im Umfeld der Medizintechnik haben im laufenden Jahr noch weiter zugenommen. Auffällig ist dabei, dass diese Entwicklung in der D/A/CH-Region überwiegend von mittelständischen Transaktionen getragen war. Auch große Transaktionen wurden erneut angekündigt und vollzogen, sie beschränkten sich aber zumeist auf US-amerikanische Akteure und betreffen die D/A/CH-Region eher mittelbar. Eine Ausnahme bildet hier die Übernahme des Medizintechnikgeschäfts der Toshiba Corp. durch Canon Inc.

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Große Transaktionen beschränkten sich meist auf US-amerikanische Akteure

Hervorzuheben sind hier die von Abbott Laboratories kurz aufeinander folgend angekündigten Übernahmen von Alere Inc. (unter anderem. Diagnosetests) und St. Jude Medical Inc. (unter anderem Kardiologie- und Neurologieprodukte). Sollten sie vollzogen werden, fährt der Konsolidierungszug ungebremst weiter.

Mit Fresenius Kabi und Beckton, Dickinson and Company (BD) haben sich zu Beginn des Jahres zwei weltweit führende Unternehmen für Medizinprodukte auf die Übernahme einer BD-Produktionsstätte und eines Portfolios von sieben intravenösen Arzneimitteln in vorgefüllten Fertigspritzen durch Fresenius Kabi verständigt.

Viele Übernahmen im Bereich Pharmaverpackung und damit verbundener Medizinprodukte

Gleich mehrere Übernahmen verzeichnet der Bereich der Pharmaverpackung und damit verbundener Medizinprodukte. Hier hat nun auch die viele Monate währende Veräußerung des Medizinproduktegeschäfts der Balda AG mit der finalen Übernahme durch die italienische Stevanato-Gruppe ihren Abschluss gefunden. Parallel dazu treibt die Gerresheimer AG ihre strategische Fokussierung fort und hat die Geschäftseinheit Röhrenglas an Corning Incorporated verkauft, einen der weltweit führenden Spezialglashersteller. Derweil hat sich Aptar mit Mega Airless einen deutschen Spezialisten für Dosiersysteme gesichert.

Schnittstellen der Medizintechnik zu neuen Technologien erschließen

Eine ganze Reihe von kleineren Transaktionen richtete sich auf Schnittstellen der Medizintechnik zu neuen Technologien, zum Beispiel IT und Cloud, Robotik, Molekulargenetik, Nanotechnologie, Biomaterial- und Implantatwerkstoffe, was die Auswirkungen dieser neuen Basistechnologien auf die Medtech-Industrie verdeutlicht.

China auf Einkaufstour in Deutschland

Mit immerhin drei Übernahmen machen chinesische Adressen auf sich aufmerksam. Zu Jahresanfang vollzog die Xiamen Comfort Science & Technology Group Co. den mehrheitlichen Einstieg bei der Medisana AG. Mit der Donghai Securities steigt ein chinesischer Investor im Rahmen einer neuen Finanzierungsrunde beim Hersteller navigierter Instrumente Fiagon AG ein. Die Naton Medical Group, Beijing, schließlich sichert sich den Geschäftsbetrieb der insolventen Zrinski AG, einem Zulieferer der Medizintechnikbranche.

Finanzinvestoren sind weiter sehr aktiv

Ungebrochen hoch ist die Aktivität der Finanzinvestoren, die im abgelaufenen Halbjahr in mehreren Fällen Wachstumskapital für kleinere innovative Unternehmen bereitstellten, in einzelnen Fällen aber auch mehrheitliche Erwerbe realisieren konnten. Daneben nutzten Private-Equity-Investoren den sehr aufnahmefähigen Markt, um Portfoliogesellschaften aus dem Medtech-Umfeld an strategische Investoren weiterzureichen, exemplarisch hierfür stehen die Unternehmen Diatron und Fritz Ruck.

So hat die Beteiligungsgesellschaft S-UBG AG aus Aachen ihre Gesellschaftsanteile an der Fritz Ruck Ophthalmologische Systeme GmbH als Spezialisten für Augen-OP-Systeme an MID Labs Inc in Kalifornien veräußert. Der Laborgerätehersteller Stratec Biomedical AG wiederum verstärkte sich mit der Übernahme des Hämatologie-Spezialisten Diatron in Budapest, der bisher dem Private-Equity-Investor Riverside gehörte.

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Devicemed-Kommentar: Das strategische Umfeld analysieren

Mergers & Acquisitions zählen nicht unbedingt zum unternehmerischen Alltag – vor allem in der mittelständischen Medtech-Industrie. Auf den ersten Blick stellen sie nur für die involvierten Unternehmen entscheidende Weichenstellungen dar, die mit Vorbereitung und Nachwehen mehrere Geschäftsjahre beeinflussen. Häufig beeinflussen sie durch ihre Auswirkungen aber auch die Struktur ganzer Branchensegmente und bringen damit auch für ursprünglich nicht beteiligte Unternehmen wesentliche Veränderungen. So ist der Blick auf das Transaktionsgeschehen stets auch eine Aufgabe der strategischen Umfeldanalyse.

Peter Reinhardt, Chefredakteur

Fazit: Mittelständische Akteure prägen die Transaktionsaktivitäten

Fazit: Der Blick auf die Transaktionslandschaft zeigt bei aller Unterschiedlichkeit der dahinter liegenden Einzelaspekte, dass die M&A-Aktivitäten derzeit entscheidend vom Bestreben vieler mittelständischer Akteure geprägt sind, ihre weitere strategische Entwicklung abzusichern und an technologischen Innovationen zu partizipieren. Die häufig thematisierte Entwicklung der Kaufpreise ist dabei ein Hygienefaktor der aber bislang die Umsetzung wichtiger strategischer Ziele nicht aufhält. Mit Blick auf die erheblichen Konzentrationsprozesse am oberen Ende des Marktes und den dadurch hochgehaltenen Druck auf die nachgeordneten Marktschichten dürfte das auch weiterhin der Fall sein.

Der Autor: Dr. Christian Bridts ist Gründer und Geschäftsführer von Bridts Corporate Finance, München. Für Devicemed betrachtet er regelmäßig deutschland-relevante M&As auf dem Medtech-Markt.

Medizintechnik-M&A des ersten Halbjahres 2016 zum Download

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