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Spectaris-Jahrbuch

Knackt die Medtech-Branche die Umsatzmarke von 30 Mrd. Euro?

| Autor/ Redakteur: Peter Reinhardt / Peter Reinhardt

Die deutschen Medizintechnikhersteller blicken zuversichtlich auf das laufende Jahr. Nach Angaben des Industrieverbandes Spectaris wird für 2017 mit einem Umsatzplus von 4 bis 5 Prozent gerechnet, so dass der Branchenumsatz erstmalig die Marke von 30 Mrd. Euro überschreiten könnte.

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„Die Branche knüpft nahtlos an den Erfolg des Vorjahres an“, Marcus Kuhlmann, Leiter Fachverband Medizintechnikim Industrieverband Spectaris.
„Die Branche knüpft nahtlos an den Erfolg des Vorjahres an“, Marcus Kuhlmann, Leiter Fachverband Medizintechnikim Industrieverband Spectaris.
( Bild: Spectaris )
  • Unterschiedliche Zahlen von Spectaris und BV-Med
  • Jeder Arbeitsplatz in der Medtech-Branche sichert 0,75 Arbeitsplätze in anderen Bereichen
  • Deutsche Medizintechnik ist hoch innovativ, gut positioniert und international wettbewerbsfähig
  • Statt Innovationshürden zu beseitigen kommen weitere hinzu

Positive Impulse erwartet Spectaris aus dem In- und Ausland. Damit unterscheidet sich die Prognose im aktuellen Spectaris-Jahrbuch „Die deutsche Medizintechnik-Industrie“ durchaus von den Ergebnissen der jüngsten BV-Med-Herbstumfrage, die „mit Sorge auf den Standort Deutschland“ blickt, weil das Umsatzplus im Binnenmarkt unter 3 Prozent fallen könnte.

Branche knüpft nahtlos an den Erfolg des Vorjahres an

Auch für die Beschäftigtenzahl weisen die Spectaris-Prognosen ein Plus aus. Es wird erwartet, dass die Anzahl der Mitarbeiter in Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten um knapp 2 Prozent auf 135.000 ansteigen wird. Damit knüpft die Branche nahtlos an den Erfolg des Vorjahres an. Jene rund 1.260 deutschen Medizintechnikhersteller konnten im Jahr 2016 ein Umsatzplus von knapp 6 Prozent und damit einen Gesamtumsatz von 29,2 Mrd. Euro erwirtschaften. Das Inlandsgeschäft lag mit 10,6 Mrd. Euro um 6,1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Zahl der Beschäftigten stieg um 1,7 Prozent auf rund 132.700 Mitarbeiter. Auch das Auslandsgeschäft konnte um 5,6 Prozent gesteigert werden und erreichte einen Wert von 18,6 Mrd. Euro. Die Exportquote betrug knapp 64 Prozent. Zählt man die mehr als 11.300 Kleinstunternehmen (<20 Mitarbeiter) mit ihren knapp 81.000 Beschäftigten hinzu, so beschäftigt die Medtech-Branche in Deutschland über 210.000 Menschen. Jeder Arbeitsplatz in der Medtech-Branche sichert zudem 0,75 Arbeitsplätze in anderen Bereichen.

Die EU ist wichtigste Zielregion für deutsche Medizintechnikexporte

Aktuell ist die wichtigste Zielregion der deutschen Medizintechnikexporte die Europäische Union, auf die mehr als 40 Prozent der branchenrelevanten Ausfuhren entfallen. Zusammen mit den Exporten in das restliche Europa werden mehr als die Hälfte aller Ausfuhren medizintechnischer Güter ins europäische Ausland ausgeführt. Auf die Regionen Nordamerika und Asien entfielen jeweils knapp 20 Prozent der Exporte. Die Nachfrage aus den USA wächst dabei stabil. In China sind weiterhin hohe Zuwächse zu beobachten. Und auch in Russland scheint der Krisenboden erreicht zu sein und die deutschen Exporte legen wieder zu. Bei den Einfuhren nach Deutschland dominieren die Länder der Europäischen Union mit einem Anteil von über 30 Prozent am deutschen Gesamtimport, gefolgt von Nordamerika und Asien.

Unternehmen profitieren weiterhin von der demografischen Entwicklung

Auf der Nachfrageseite profitieren die Unternehmen weiterhin von der demografischen Entwicklung insbesondere in den reifen Volkswirtschaften, von der Etablierung und Modernisierung der Gesundheitssysteme in vielen Schwellenländern sowie von der kontinuierlich steigenden Bedeutung des Gutes Gesundheit. Daneben treiben technologische Neu- oder Weiterentwicklungen den Markt. Die hohe Innovationskraft der Branche spiegelt sich auch bei den Patenten wider. Im Jahr 2016 lag die Medizintechnik in Bezug auf die beim europäischen Patentamt eingereichten Anmeldungen vorne: 12.263 der insgesamt 159.353 Anmeldungen waren diesem Bereich zuzuordnen. Deutschland liegt mit 1.323 Anmeldungen hinter den USA (4.606) und vor Japan (1.102) auf Platz 2. Auf der Angebotsseite wächst die Bedeutung Chinas, dessen Unternehmen inzwischen der zweitgrößte Produzent von Medizintechnik sind – Tendenz steigend. Auch sind international Anzeichen für eine Marktkonsolidierung erkennbar.

Einfluss der Digitalisierung aufs Geschäftsmodell

Der aktuell größte Einflussfaktor für die Branche ist derweil die Digitalisierung. Das Geschäftsmodell vieler Hersteller befindet sich hier im Wandel: vom klassischen Anbieter von Gerätetechnik in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends über den Lösungsanbieter im aktuellen Jahrzehnt hin zum Anbieter digitaler und ganzheitlicher Gesundheitslösungen in der kommenden Dekade.

Experten prognostizieren für die kommenden Jahre ein jährliches Wachstum des Weltmarktes für Medizintechnik in Höhe von rund 5 Prozent, die Marktgröße soll 2022 einen Wert von 531 Mrd. US-Dollar erreichen. Die deutsche Medizintechnik, die hoch innovativ, gut positioniert und international wettbewerbsfähig ist, wird von dieser Entwicklung profitieren.

Kostensteigerungen, geringere Margen und regulatorische Hürden trüben die Stimmung

Dem Umsatzwachstum stehen jedoch deutliche Kostensteigerungen und geringere Margen gegenüber. Aufgrund hoher Entwicklungsaufwendungen und der nicht nur in Deutschland stattfindenden Einsparmaßnahmen der Ausgabenträger befindet sich die Ertragslage etlicher Unternehmen unter Druck. Im Hilfsmittelsektor geht beispielsweise insbesondere im Inland die Schere zwischen Mengenwachstum und Ertrag aufgrund von massiven Kostendämpfungsmaßnahmen der Krankenkassen immer weiter auseinander.

Daneben haben regulatorische Hürden und bürokratische Anforderungen inzwischen einen maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg der Unternehmen und stellen immer häufiger ein Innovations- und Wachstumshemmnis dar. „Anstatt aber identifizierte Innovationshürden zu beseitigen, sind weitere hinzugekommen“, beklagt der Verband – und ist hier wieder auf einer Linie mit dem BV-Med. Mit der europäischen Medizinprodukteverordnung sei zu erwarten, dass die Innovationsdynamik weiter gehemmt werde. Im Rahmen des Erstattungsprozesses durch die gesetzlichen Krankenkassen wird derzeit vieles unternommen, um das System der Nutzenbewertung aus dem Pharmabereich 1:1 auf die Medtech-Branche zu übertragen.

Weitere Daten und Fakten zur aktuellen Situation der deutschen Medizintechnikindustrie sind im aktuellen Spectaris-Jahrbuch „Die deutsche Medizintechnik-Industrie“ zu finden, das online bestellt werden kann.

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