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Compamed/Medica 2015: Schlussbericht

Keime bekämpfen, Daten übertragen und Geräte mit Energie versorgen

| Autor/ Redakteur: Klaus Jopp / Kathrin Schäfer

Die Compamed 2015 hat wieder einmal gezeigt: Die Entwicklungen der Zulieferer können für eine bessere ambulante und klinische Versorgung von enormer Tragweite sein. Welche technischen Neuerungen dazu ihren Beitrag leisten, verrät dieser Rückblick auf die Messe.

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Die Compamed 2015 – Präsentationsfläche für zahlreiche Neuerungen und Treffpunkt für die Medtech-Community.
Die Compamed 2015 – Präsentationsfläche für zahlreiche Neuerungen und Treffpunkt für die Medtech-Community.
( Bild: Messe Düsseldorf/Constanze Tillmann )

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) infizieren sich in Kliniken hierzulande rund eine Million Menschen pro Jahr mit Keimen. Vor diesem Hintergrund präsentierte die Bio Clean Care bei der Compamed 2015 neue Lösungen zur Keimbekämpfung. Das Unternehmen schafft es durch den Einsatz von mikroverkapseltem Wasserstoffperoxid in Konzentrationen unter drei Prozent, Raumluft und Oberflächen dauerhaft zu desinfizieren. „Die Entwicklung hat 20 Jahre in Anspruch genommen, nun konnten wir auf der Compamed eine Weltneuheit präsentieren“, freut sich Klaus Klein, bei Bio Clean Care für Technik und Entwicklung zuständig.

Mobile Einheiten in der Größe von Luftentfeuchtern genügen für Räume von bis zu 80 Quadratmetern. Funktionstests, die durch die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen durchgeführt wurden, belegen die hohe Wirksamkeit: Nach drei Tagen ist eine Entkeimung von über 95 Prozent, nach 28 Tagen von über 99,9 Prozent erreicht. Die notwendige Menge des Wasserstoffperoxids liegt dabei um den Faktor 10 bis 100 unter den zulässigen Grenzwerten. Die Kosten für das Verfahren, das alle internationalen Standards erfüllt, betragen bei bis zu 500 Quadratmetern Flächen 800 Euro pro Jahr, die notwendigen Investitionen 4.000 Euro.

Zuverlässige Übertragung von Daten, Signalen und Bildern

Mit dem Thema Vernetzung beschäftigt sich die österreichische System Industrie Electronic (S.I.E.), Anbieter von Embedded Computing Systems und modularen Human Machine Interfaces (HMI). „Da wir Medizintechnikgeräte im Kundenauftrag entwickeln, verfolgen wir die Vernetzungsthematik sehr intensiv“, erklärt Christian Keil, Key Account Manager Embedded Computing Technologies bei S.I.E.

Im Bereich HMI hat das Unternehmen ein Baukastensystem entwickelt, das ständig um branchenrelevante Hardwaretechnologien erweitert wird. Dazu zählen verschiedene Technologien und Größen von Displays und Touches, skalierbare Rechnerleistungen oder eine Vielzahl von variierbaren Schnittstellen. Bei Kunden im Trend: Ein HMI-Konzept für mehrere Systeme anderer Baureihen – unter Umständen sogar mit ganz anderen Funktionalitäten.

Ebenfalls mit dem Thema Vernetzung beschäftigt sich Molex, ein international tätiger Hersteller kompletter Verbindungslösungen: „Lebensrettende medizinische Geräte sind heutzutage mit immer komplexeren Funktionen ausgestattet, die zur zuverlässigen und effektiven Übertragung von Daten, Signalen, Bildern und Leistung eine gleichermaßen komplexe Elektronik benötigen“, meint Anthony Kalaijakis, strategischer Marketing-Manager für Medizintechnik bei Molex. Das Unternehmen setzt beispielsweise seine Antennentechnik, die heute in nahezu jedem Handy steckt, auch in der medizinischen Telemetrie ein.

Maßgeschneiderte Energieversorgung für unterschiedliche Zwecke

Ebenfalls gefragt sind kabellose Geräte und Systeme aller Art. Ihre Energieversorgung übernehmen Batterien und Akkumulatoren, die für ihre Anwendungszwecke in der Medizin maßgeschneidert werden. Jauch Quartz bietet Komplett-Lösungen für Batteriesysteme entsprechend den Kundenanforderungen von Standardzellen bis zu maßgeschneiderten Packs, von der einfachen Zelle bis zum intelligenten Akkupack für anspruchsvollste Anwendungsbereiche. „Dabei berücksichtigen wir besondere Wünsche zum Design ebenso wie alle relevanten Sicherheitsaspekte“, betont Sönke Zacher, Verkaufsmanager Batterien bei Jauch. Dabei setzen die Spezialisten auf unterschiedliche Chemie in Form von Lithium-Polymer-, Lithium-Eisenphosphat-, Lithium-Thionylchlorid-, Lithium-Ionen- oder Lithium-Batterien. Im Trend liegen immer kleinere Energiespender als flexible Folien. „Zudem kommen immer mehr mobile Geräte mit Batterieversorgung zum Einsatz, das Spektrum reicht von der Stirnlampe im OP über Geräte zur Prüfung der Zahnstabilität und zur Blutanalyse bis hin zu Pumpen zum Entfernen von Wundsekret, bei denen die Batterien am Gürtel getragen werden können“, so Zacher.

Um noch kleinere Systeme geht es bei der Litronik Batterietechnik, einem Unternehmen der Gruppe Micro Systems Technologies (MST). Das sächsische Unternehmen hat sich auf die Energieversorgung von Implantaten spezialisiert. „Wir arbeiten mit Lithium-Jod-Batterien für langlebige, geringe Pulse sowie mit Lithium-Mangandioxid-Batterien für mittlere und höhere Pulse, wie sie unter anderem für Telemetrie-Aufgaben benötigt werden“, erklärt Ilse Widmann, Marketingleiterin der MST-Gruppe. Darüber hinaus hat Litronik-High-Performance-Batterien für implantierbare Defibrillatoren mit hoher Pulskapazität entwickelt. „Jede einzelne Batterie wird vor ihrem Einsatz auf Herz und Nieren geprüft, dafür setzen wir sogar Röntgenstrahlung ein“, so Widmann. Die Entwicklung bei der Energieversorgung in diesem Bereich geht einerseits zu höherer Energiedichte, andererseits zu immer kleineren Baugrößen.

MR-sicheres Mikroendoskop mit Ultraschallfunktion

Um eine Kombination besonderer Art geht es auch bei der Neuentwicklung des Fraunhofer-Instituts für Elektronische Nanosysteme (ENAS). Gemeinsam mit der Poly-Diagnost und MR Comp haben die Chemnitzer ein MR-sicheres Mikroendoskop mit Ultraschallfunktion für die parallele Anwendung als Diagnostik- und Therapiewerkzeug entwickelt. Der nur 5 mm große Endoskopkopf ist mit zwei Lichtleitern und einem Ultraschallwandler ausgestattet, deren akustische Wellen Tumorzellen zerstören sollen. Um Störungen im MRT zu vermeiden, besteht das Endoskop aus Keramik und dem Kunststoff PEEK. „Die Kombination von Licht und Ultraschall ist neu und macht das Endoskop zu einem aktiven Element“, erklärt Dr. Mario Baum vom ENAS. Das neue Instrument soll für Untersuchungen im Gehirn bei Alzheimer, Parkinson oder Tumoren eingesetzt werden.

Der Autor: Klaus Jopp ist freier Wissenschaftsjournalist in Hamburg.

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