Medical Mountains

Interkulturelles Training USA: Guten Freunden schenkt man – Zeit

| Redakteur: Peter Reinhardt

Für die Medizintechnik-Branche sind die USA von großer Bedeutung. Doch so recht begreifen können sich die Mentalitäten östlich und westlich des Atlantiks nicht. Daher hat Medical Mountains zu einem interkulturellen Training eingeladen.
Für die Medizintechnik-Branche sind die USA von großer Bedeutung. Doch so recht begreifen können sich die Mentalitäten östlich und westlich des Atlantiks nicht. Daher hat Medical Mountains zu einem interkulturellen Training eingeladen. (Bild: Medical Mountains)

Sich zu verstehen heißt noch nicht automatisch, Verständnis zu haben: Im Rahmen von Internationalisierungsstrategien warten viele Fettnäpfchen auf deutsche Medizintechnik-Hersteller.

  • Teilnehmer blicken über den transatlantischen Tellerrand
  • Was Phrasen wirklich bedeuten
  • Niemals Alkohol als Gastgeschenk

Nicht erst seit Donald Trump wundert man sich in Deutschland über die US-amerikanische Mentalität. Umgekehrt reiben sich Amerikaner ob typisch deutscher Manieren die Augen. Um Medizintechnik-Unternehmen den Weg zu reibungslosen transatlantischen Partnerschaften zu ebnen, veranstaltete die Medical Mountains AG Anfang des Monats ein interkulturelles Training mit Dr. Michelle Cummings-Koether – und etlichen Aha-Momenten.

Stereotypen von Amerikanern und Deutschen

Die USA sind das wichtigste Abnehmerland deutscher Medizintechnik: 2016 wurden Produkte im Wert von rund 4 Mrd. Euro über den Atlantik verkauft. Zugleich hat das Land eine florierende Hightech-Branche. Daher werden in und um Tuttlingen enge Kontakte zu den USA gepflegt, wenn es um Handel oder gemeinsame Entwicklungsprojekte geht.

Doch das Miteinander ist nicht immer einfach; beide Kulturkreise schreiben sich Stereotypen zu. Demnach sind

  • Amerikaner: oberflächlich, unverbindlich, ungebildet, egozentrisch
  • Deutsche: penibel, pedantisch, überpünktlich, konservativ und tendenziell spaßfrei

Zwar trifft weder die eine noch die andere Charakterisierung pauschal zu, Trainerin Cummings-Koether arbeitete die Grundzüge jedoch geschickt heraus. Die Deutsch-Amerikanerin ist in beiden Nationen verwurzelt und konnte den Teilnehmern entsprechend beide Perspektiven vermitteln. Anschaulich, voller Anekdoten und mit interaktiven Übungen versehen.

Amerikaner legen Wert auf die Beziehungsebene

Die Quintessenz: Amerikanern ist die Beziehungsebene sehr wichtig. Wenn das zwischenmenschliche Verhältnis nicht stimmt, ist auch das geschäftliche zum Scheitern verurteilt. Problem nur: Wie zwischen all dem Smalltalk erkennen, wann die „Zuneigung“ echt ist? Jedenfalls nicht, wenn das amerikanische Gegenüber Sätze wie „Du solltest uns mal besuchen!“ zum Besten gibt. Im deutschen, vor allem süddeutschen Sprachraum wäre man geneigt, die Geste als konkrete Einladung zu verstehen. Sie bedeutet jedoch nur so viel wie: „Ich könnte mir unter Umständen vorstellen, dich vielleicht irgendwann einmal einzuladen.“

Deutsche wollen alles zu sehr

Deutsche sind in amerikanischen Augen ohnehin zu sehr dem „too“ verbunden: Sie nehmen alles zu ernst, zu wörtlich, zu genau. Die Währung für Verbundenheit ist vielmehr Zeit. Zu ihr bestehe ein nahezu emotionales Verhältnis, so Cummings-Koether: „Amerikaner vergeben Zeit an Menschen, die sie mögen.“ Vertrauen aufzubauen braucht also Zeit, kann aber schnell wieder verspielt werden. Dazu eine Geburtstagsfeier als Beispiel. Die Faustregel lautet: Niemals Alkohol als Gastgeschenk mitbringen, und bloß keine Blumen – womöglich rote Rosen! Hingegen gehört es zum guten Ton, als Raucher seinen eigenen Aschenbecher mitzuführen. Zumeist in Form von halbgefüllten Wasserflaschen, in denen sich den Abend über die Zigarettenstummel sammeln.

Die Trainings-Teilnehmer berichteten von ihren Erfahrungen, von erfolgreichen, aber auch missglückten Vorhaben mit US-Unternehmen. Auch hier zeigten sich Unterschiede im transatlantischen Verständnis. In Deutschland gilt ein Scheitern oft als absolut, in den USA als Chance zum Neuanfang. Aufrappeln, weitermachen. Diese Erkenntnis nahm sich die Gruppe zu Herzen. Auch wenn‘s mit der US-deutschen Partnerschaft auf Anhieb nicht geklappt haben sollte – viele Hemmschwellen und Missverständnisse sind nach diesem Tag ausgeräumt.

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