France

3D-Druck

Implantate machen einen guten Eindruck

Seite: 2/2

Besonders viel Aufmerksamkeit gilt derzeit 3D-Druckern, die resorbierbares Material oder sogar lebendes Gewebe verarbeiten können. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung beispielsweise hat Keramikwerkstoffe entwickelt, die knochen-
ähnliche Strukturen für resorbierbaren Knochenersatz liefern. Die einzelnen Pulverschichten werden dabei mit einem Bindematerial zusammengeklebt. Beim anschließenden Sintern wird der Klebstoff wieder ausgebrannt. Die Körngröße des auf Calciumphosphat basierten Pulvers ist so eingestellt, dass eine Schichtdicke von nur 100 µm möglich wird.

Die Gladbecker Hersteller Envision-TEC hat einen 3D-Bioplotter im Programm, der lebendes Gewerbe aus unterschiedlichen Biomaterialien aufbauen kann. Der Drucker verfügt in der neuesten Generation über eine CAD/CAM-Software mit intuitiver grafischer Benutzeroberfläche und hochauflösender Kamera. Die Gladbecker produzieren damit aus Keramik oder Thermoplasten resorbierbaren Ersatz für Knochen oder Knorpel. Verarbeitet werden können auch weiche Hydrogele aus Collagen oder Fibrin, in denen körpereigene Zellen suspendiert sind – „ein Ansatz zum Druck von Ersatzorganen für den menschlichen Körper“, betont Carlos Carvalho, verantwortlich für Prozess- und Materialentwicklung bei Envision-TEC. Diese Entwicklungen sind allerdings erst im Laborstadium oder im frühen Tierversuch.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern

Massive Umwälzungen in der Technik stehen nicht bevor

Der 3D-Druck kann Implantate hinsichtlich Materialqualität, Kosten und Funktionsumfang verbessern. Doch die Prognose, dass die Technik viele Bereiche der industriellen Fertigung innerhalb kurzer Zeit massiv umwälzen werde, hat sich nicht bewahrheitet. Manche Hersteller kämpfen mit starken Kursverlusten, melden Börsenbeobachter, und durch die wachsende Zahl an Anbietern und Geräten steige zudem der Margendruck. Noch schärfer urteilen Analysten der Gartner Inc, eines auf IT spezialisierten Marktforschungsunternehmens. „Bei der Prototypen-Entwicklung konnten sich 3D-Drucker bereits durchsetzen, weil sie eindeutig und innerhalb kurzer Zeit Kosten gegenüber herkömmlichen Verfahren einsparen.“ Ein darüber hinausgehender professioneller und serienmäßiger Einsatz in Medizin und Industrie aber ist laut Gartner noch ein ganzes Stück entfernt.

„Derzeit ist der Hype um den 3D-Druck in der Medizintechnik etwas abgeebbt, vieles steckt noch im Forschungsstadium und wächst erst an den Hochschulen heran“, melden auch die Veranstalter der Messe Compamed. Doch die Richtung ist vorgegeben – aufgrund der allgemeinen Digitalisierung von Herstellverfahren und der wachsenden Ansprüche an Flexibilität und Individualisierung medizinischer Produkte. Stephan Weiß sieht noch einen anderen Treiber. „Es ist auch eine Frage des Nachwuchses.“ Welche jungen Leute beherrschen heute noch klassisches Handwerk oder interessieren sich für alte Fertigungsverfahren? Der Umgang mit virtuellen Modellen und der feste Glaube an digitale Daten dagegen ist ihnen in die Wiege gelegt und wird zur Beschleunigung der Entwicklung beitragen. MM

Dieser Artikel ist erschienen auf www.maschinenmarkt.vogel.de.

* Christa Friedl, freie Journalistin, Krefeld

(ID:43699895)