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Porträt Ideengeber aus Österreich

| Autor: Kathrin Schäfer

Das Telefon klingelt. Am anderen Ende der Leitung: die Managerin des OÖ Medizintechnik-Clusters. Sie hat eine Idee für ein neues Medizinprodukt. Forschungseinrichtungen und Wissenschaftler, die daran mitwirken könnten, hat sie schon angesprochen. Mögliche Fördertöpfe hat sie bereits ausgemacht. Und auch eine Kick-off-Veranstaltung ist organisiert. Dort wird die Idee vorgestellt. Erst dann muss man sich entscheiden, ob man sich an der Entwicklung und Fertigung beteiligen möchte.

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Nomen est omen: Clustermanagerin Nora Mack und Beiratssprecher Michael Farthofer präsentieren am 1. Dezember 2015 das neue Logo.
Nomen est omen: Clustermanagerin Nora Mack und Beiratssprecher Michael Farthofer präsentieren am 1. Dezember 2015 das neue Logo.
(Bild: Medizintechnik-Cluster)

Ein Traum für jedes Medizintechnikunternehmen? Absolut. Denn die Branche lebt von Innovationen. Ein Drittel ihres Umsatzes machen Medizintechnikfirmen mit Produkten, die nicht älter als drei Jahre sind. Zulieferfirmen mit Medtech-Fokus haben daran entsprechenden Anteil. Beide – Hersteller und Zulieferer – können von einem solchen Szenario enorm profitieren.

Trendthemen aufspüren und Ideen in Medizinprodukte transferieren

Nora Mack, so heißt besagte Managerin des Medizintechnik-Clusters in Oberösterreich. Sie hat Medizintechnik an der FH Oberösterreich studiert und bei Firmen wie dem Pharma- und Medizintechnik-riesen Baxter Wirtschaftserfahrung gesammelt. Ihr Job und der ihrer vier Mitarbeiter: Trendthemen aufspüren, Medizintechnikprojekte initiieren und Ideen in Medizinprodukte transferieren. All dies schreiben sich viele auf die Fahnen – der Medizintechnik Cluster – OÖ Wirtschaftsagentur GmbH ist es ein zentrales Anliegen.

Dass deren Mitarbeiter dazu mögliche Kooperationspartner schlicht miteinander vernetzen, wäre zu kurz gegriffen. Zu ihren Hauptaufgaben gehört es, Firmen und Forschungseinrichtungen regelmäßig zu besuchen. Dort erfahren sie, an welchen Projekten und Problemstellungen diese arbeiten – und können im Bedarfsfall Kontakt zu anderen herstellen.

Auch zu Ärzten hält der Cluster Verbindung, einer Zielgruppe, die für Firmen sonst schwer zu erreichen ist. Doch muss man bereits in der Medizintechnik tätig sein, um Mitglied im Cluster zu werden? Nein, auch Unternehmen, die erst in die Medizintechnik einsteigen wollen, sei es als Zulieferer oder Endhersteller, kann der Cluster Beratungsfirmen, Partnerfirmen oder Forschungseinrichtungen vermitteln, mit denen er bereits Erfahrungen gesammelt hat.

Mit Ärzten und Forschern Medizinprodukte entwickeln

Weil der Cluster es als seine Aufgabe sieht, Know-how von der Forschung in die Wirtschaft zu transferieren, können Firmen über ihn die Wissenschaftler erreichen, die sie für die Umsetzung ihrer Ideen brauchen. Fördermittel beantragen, einen Projektantrag stellen, Projektpartner finden – auch diese Dienstleistungen hat der Cluster im Portfolio.

Kommen wir zurück auf das eingangs erwähnte Szenario. Wie realistisch ist es? Nicht selten, verrät Mack, entstehen Produkt- oder Projektideen nicht in den Mitgliedsunternehmen, sondern im Cluster. Im Idealfall ist der Medizintechnik-Cluster bei Projekten sogar von Anfang bis Ende beteiligt. Er sucht Partner, trägt die Idee in die Firmen, bringt die Parteien zusammen. Projektleitung und Projektmanagement bleiben im Cluster.

Ob das Ganze der Geheimhaltung unterliegt, wer welche Patente für sich beanspruchen darf – das machen die kooperierenden Partner unter sich aus. Den Management-Teil, die Hilfe bei finanzieller Unterstützung – und ganz am Schluss die Vermarktung des Produkts, diese Leistungen übernimmt der Medizintechnik-Cluster.

Seine Kontakte zur Politik kommen hierbei gerade kleinen Firmen zugute. „Es ist eben etwas anderes, ob eine eher unbekannte Firma zu einer Pressekonferenz über ein neues Produkt einlädt oder ob wir das tun“, erklärt Mack. Beruft der Cluster eine solche Pressekonferenz ein, kann es sogar sein, dass der oberösterreichische Wirtschaftslandesrat mit dabei ist. Die Chance, dass das Ereignis medial berücksichtigt wird, steigt.

Die Innovationskraft von Unternehmen forcieren

Welche Erfolge der Cluster bereits vorweisen kann, zeigen die Zahlen: 235 Partner aus Wirtschaft, Forschung und Gesundheitseinrichtungen sind im Cluster organisiert, darunter die FH Oberösterreich, die Johannes Kepler Universität Linz, die Beratungsfirma Ernst & Young, die Raiffeisenbank Oberösterreich, viele Firmen sowie nicht zuletzt das österreichische Ministerium für Gesundheit. Seit der Gründung 2002 konnten 50 Projektideen mit einem Gesamtprojektvolumen von 8,5 Mio. Euro umgesetzt werden.

Ein aktuelles Kooperationsprojekt beschäftigt sich beispielsweise mit dem Einsatz von 3D-Druck in der Mund-, Kiefer- und Plastischen Gesichtschirurgie. Die Forschungskooperation ist entstanden aus einem Workshop zu generativer Fertigung in der Medizintechnik.

Was die Zukunft verspricht? Seit Juli 2015 kooperiert der Medizintechnik-Cluster mit dem Medical Valley Europäische Metropolregion Nürnberg. Beide wollen zukünftig enger zusammenarbeiten, um die Innovationskraft deutscher und österreichischer Unternehmen im Medizintechnikbereich zu forcieren und deren Wettbewerbsfähigkeit national und international weiter zu stärken. Die Namensänderung des Clusters zum 1. Dezember 2015 zeugt von einer immer klareren und stärkeren Ausrichtung auf die Medizintechnik.

Eine Mitgliedschaft – sie lohnt sich deshalb nicht nur für große oder innovationsgetriebene Firmen. Sie hilft auch jenen, die gerade keine zündende Produktidee in petto oder gar keine eigene F&E-Abteilung haben.

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Über den Autor

 Kathrin Schäfer

Kathrin Schäfer

Redakteurin