Pilotstudie

Günstige Smartphonelösungen zur Früherkennung der diabetischen Retinopathie

| Redakteur: Peter Reinhardt

Dr. Maximilian Wintergerst untersucht das Auge einer Patientin mit einer indirekten Smartphone-Lösung
Dr. Maximilian Wintergerst untersucht das Auge einer Patientin mit einer indirekten Smartphone-Lösung (Bild: privat/beipress)

Rund zehn Prozent der südindischen Bevölkerung sind an Diabetes erkrankt. Vor allem die Früherkennung der so genannten diabetischen Retinopathie kann vor Blindheit schützen. Eine Pilotstudie für ein leicht zugängliches und sehr kostengünstiges Screening-Verfahren soll dabei helfen.

Die so genannte diabetische Retinopathie ist eine Erkrankung der Netzhaut. Darunter leidet rund ein Drittel der an Diabetes erkrankten Südinder. Unbehandelt ist sie eine häufige Ursache für Sehbehinderung und Blindheit. Umso wichtiger ist also die Früherkennung. „Der erhöhte Zuckergehalt im Blut bei Diabetes schädigt kleine Blutgefäße im Auge – unbehandelt eine Gefahr für die Sehkraft“, sagt Dr. Maximilian Wintergerst, Arzt an der Augenklinik des Universitätsklinikums Bonn.

Diabetiker in Indien sind medizinisch unterversorgt

Doch Diabetiker, die in Indien auf dem Land oder in den Slums der Städte leben, sind medizinisch unterversorgt. Daher hat die Augenklinik am Universitätsklinikum Bonn in Kooperation mit dem Sankara Eye Center in Bangalore eine Pilotstudie für ein leicht zugängliches und sehr kostengünstiges Screening-Verfahren gestartet. Der Schlüssel dazu ist ein Smartphone mit modifizierter Kamera. Dies dient vor Ort als Augenspiegel, ein so genanntes Ophthalmoskop.

„Bei dem Screening nutzen wir die Kamera des Smartphones, um ins Auge zu sehen“, sagt Dr. Wintergerst. Bei zwei der mitgebrachten Mobiltelefone fokussieren zwei unterschiedliche Adapter den Strahl vom Kamera-Blitzlicht so, dass beide Geräte als direktes Ophthalmoskop eingesetzt werden können. Bei einer anderen Variante verwandelt eine zusätzliche Linse das Smartphone in einen indirekten Augenspiegel, bei dem der Betrachter ein vergrößertes, aber umgekehrtes Bild der Netzhaut sieht. Die Kosten liegen bei allen drei Lösungen jeweils bei wenigen hundert Euro.

Mediziner haben leicht zugängliches und kostengünstiges Screening-Verfahren gefunden

Einen noch viel günstigeren Ansatz, um direkt mit einem Lichtstrahl ins Auge sehen zu können, entwickelten die Augenärzte am Sankara Eye Center in Bangalore selbst. Dazu bringen sie anstelle eines Adapters ein kleines LED-Licht ganz dicht an die Kamera des Mobiltelefons an. „Zusätzlich zu dem Smartphone brauchen sie nur eine LED, eine Batterie und ein Klebeband für etwa 50 Rupien, also weniger als 1 Euro“, sagt Dr. Wintergerst. Zudem sind alle vier Lösungen schnell und einfach zusammengebaut, so dass geschultes, nicht-ärztliches Personal fernab eines medizinischen Zentrums Aufnahmen von einer Netzhaut machen kann. Ein Augenarzt kann die Bilder dann später auswerten.

Die insgesamt 2.000 Aufnahmen wertet Dr. Wintergerst zusammen mit den Kooperationspartnern in Indien jetzt nach und nach aus. „Es ist bereits offensichtlich, dass wir ein leicht zugängliches sowie sehr kostengünstiges Screening-Verfahren gefunden haben“, freut sich Dr. Wintergerst. Jetzt muss er nur noch durch den Datenvergleich klären, welche der Smartphone-Lösungen die Beste ist: „Die hat das Potenzial, die Situation von Menschen mit Diabetes in Gegenden mit unzureichender medizinischer Versorgung wie in Indien oder Afrika erheblich zu verbessern.“

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