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Fraunhofer IZM Funkmikrosystem für Hörgeräte und Implantate

Redakteur: Kathrin Schäfer

Mikrosysteme sind das Herzstück von tragbaren Hörgeräten und Implantaten. Forscher entwickeln gerade ein miniaturisiertes und energiesparendes Funkmikrosystem, das solche Medizinprodukte noch kleiner, komfortabler und effizienter macht.

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Insgesamt 19 Bauteile (linke Seite) packen die Forscher von Fraunhofer in ihr Mikrosystem (rechte Seite). Miniatur-Antennen, integrierte Schaltkreise und Hochfrequenzfilter finden auf 4 mal 4 mal 1 Kubikmillimetern Platz.
Insgesamt 19 Bauteile (linke Seite) packen die Forscher von Fraunhofer in ihr Mikrosystem (rechte Seite). Miniatur-Antennen, integrierte Schaltkreise und Hochfrequenzfilter finden auf 4 mal 4 mal 1 Kubikmillimetern Platz.
(Bild: Fraunhofer IZM)

Fraunhofer-Forscher entwickeln im EU-Projekt Wiser-BAN ein neues Mikrosystem. Es soll Hörgeräte künftig so klein machen, dass sie unsichtbar im Ohr verschwinden. Auch für Implantate, Herzschrittmacher oder Insulinpumpen ist die Technologie geeignet. Das System kommt dabei mit einem Bruchteil der Energie aus, die herkömmliche Geräte verbrauchen. Lästige Batteriewechsel werden reduziert. „Im Idealfall sollte der Patient über einen längeren Zeitraum gar nicht mehr daran denken, dass er ein Hörgerät trägt“, so Dr. Dionysios Manessis vom Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM in Berlin.

19 Bauteile verpackt in einem Mikropaket

Mit nur 4 x 4 x 1 mm3 ist das neue Mikrosystem fünfzigmal kleiner als aktuelle Modelle für BAN-Anwendungen (Body Area Network) – Elektronik, die direkt am Körper getragen wird. Um das zu erreichen, haben die Projektpartner zunächst besonders kleine Bauteile entwickelt, etwa neuartige Miniatur-Antennen, integrierte Schaltkreise oder Hochfrequenzfilter. Die Forscher des IZM sind dafür zuständig, alle verwendeten Bauteile – insgesamt 19 Stück – platzsparend auf einem Modul unterzubringen. „Das ist eine echte Herausforderung, da die Komponenten alle unterschiedlich groß und dick sind. Mit Hilfe unterschiedlichster Einbetttechnologien ist es uns jedoch gelungen, alle Bauteile auf kleinstem Raum zu verstauen – wie in einem Paket“, erklärt Manessis. Von außen betrachtet ist von den Einzelbauteilen nichts mehr zu sehen. Doch das ist noch nicht alles: Die Berliner haben ein modulares 3D-Stapelkonzept entworfen, mit dem sich weiterer Platz einsparen lässt. Das bedeutet, sie integrieren die Bauteile in mehreren kleineren Modulen und stapeln diese dann übereinander.

Puls, Blutdruck und mehr an das Smartphone des Arztes übermitteln

Darüber hinaus entwickeln die Projektpartner spezielle Antennen und Funkprotokolle. Diese übermitteln wichtige Parameter – etwa Puls, Blutdruck oder Glukosewerte – direkt an das Tablet oder Smartphone des behandelnden Arztes. Dabei kommt das Wiser-BAN-Funksystem ohne eine Relay-Station aus – ein zusätzliches Gerät, das der Patient bisher am Körper tragen muss, um die Kommunikationsreichweite zu erhöhen. Ein weiterer Vorteil: Die im Projekt entwickelten Funkprotokolle basieren auf den wenig störanfälligen Standards IEEE 802.15.4 und 802.15.6. Bei herkömmlichen Geräten erfolgt die Kommunikation meist über Bluetooth, wo es oft zu Interferenzen mit anderen Geräten kommt.

Auch das Energiemanagement wollen die Projektpartner optimieren: Im Fall von Hörgeräten, die hinter dem Ohr getragen werden, kommt der Strom von einer 180-mAh-Batterie. Sie muss nach rund zwei Wochen gewechselt oder wiederaufgeladen werden. Ziel ist es, den Energieverbrauch des Systems auf zirka 1 mW zu senken und so eine Betriebsdauer von bis zu 20 Wochen zu erreichen.

Auf Basis der neuen Technologie sollen künftig komfortablere und zuverlässigere Produkte für die Gesundheitsfürsorge entstehen – vom Langzeit-EKG bis hin zur Insulinpumpe. Aber auch bei Implantaten und Herzschrittmachern könnte das Mikrosystem zum Einsatz kommen.

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