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Fördergelder Förder-Versteher fördern Entwicklungspotenzial

Von Jens Gieseler

Neue, ideenreiche Produkte bringen die Welt voran und gerade in der Medizintechnik ist die Menschheit davon abhängig. Doch Innovationen kosten schon vor Markteintritt viel Geld in Forschung und Entwicklung. Der richtige Partner beim Fördergeldantrag kann helfen, das wirtschaftliche Risiko klein zu halten.

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Fördergelder unterstützen neue Produkte beim Markteintritt. Oft hilft es, mit einem Dienstleister zu arbeiten, der weiß, wie Unternehmen am besten an Fördergelder von Land, Bund oder EU kommen. (Symbolbild)
Fördergelder unterstützen neue Produkte beim Markteintritt. Oft hilft es, mit einem Dienstleister zu arbeiten, der weiß, wie Unternehmen am besten an Fördergelder von Land, Bund oder EU kommen. (Symbolbild)
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Bei Brustkrebsoperationen kommt es leider vor, dass eine Operation nicht ausreicht. Um möglichst viel der Brust zu erhalten, kann es sein, dass zu nah am Tumor geschnitten wird. Stellt der Pathologe im Nachgang der Operation fest, dass der Tumor nicht ganz entfernt ist, muss noch einmal operiert werden. Dass vernarbte Gewebe macht es nun schwieriger, gesundes und Krebsmaterial zu unterscheiden.

Eine neuartige Lösung entwickelt aktuell Erbe Elektromedizin mit „Assist-BET“. In das Instrument der Hochfrequenz-Chirurgie ist ein Therapieassistenzsystem integriert, das während der Operation eine spektroskopische Gewebedifferenzierung ermöglicht. Durch das bildgebende Verfahren kann der Operateur eindeutiger zwischen krankem und gesundem Gewebe unterscheiden und präziser arbeiten. Eine notwendige zweite Operation ist dann unwahrscheinlich, weil die Analyse durch das Spektroskop ähnlich genau ist wie die des Pathologen.

Fördergelder stützen und stärken neue Produkte

Allerdings dauert die Entwicklung bis hin zu einem zulassungstauglichen Produkt lange und ist damit risikoreich. In diesem konkreten Fall muss sogar eine Machbarkeitsstudie am Menschen durchgeführt werden. Damit ist die Neuerung besonders teuer. Doch dank der jahrelangen, engen Zusammenarbeit mit den Förder-Verstehern von Partner für Innovation und Förderung (Pfif) erhielt Erbe knapp 1,2 Millionen Euro über das Investitionsprogramm des Landes Baden-Württemberg, kurz InvestBW.

Sascha Dammeier ist Projektmanager in der Forschung und Grundlagentechnologie von Erbe.
Sascha Dammeier ist Projektmanager in der Forschung und Grundlagentechnologie von Erbe.
(Bild: Erbe Elektromedizin GmbH)

Seit knapp zehn Jahren treffen sich Mitarbeiter von Erbe und Pfif regelmäßig. Beinahe sieben Jahren ist Paul Freyberg bei Pfif an Bord, seit vier Jahren Sascha Dammeier, Projektmanager in der Forschung und Grundlagentechnologie, auf Seiten von Erbe. Monatlich telefonieren beide miteinander oder treffen sich direkt, weil so viele Projekte parallel laufen. In der Regel erzählt der Tübinger Projektmanager, welche neuen Ideen aktuell in der Forschungszentrale entwickelt werden.

Rund ein Fünftel der weltweit 1.200 Erbe-Mitarbeiter arbeitet in der Forschung und Entwicklung. Pro Jahr starten zehn bis zwölf neue Projekte, teilweise kleine, die das Unternehmen selbst stemmen kann. Darunter allerdings auch so genannte Z-Projekte, die die Zukunft des Unternehmens sichern sollen. Dann ist der technische Berater gefragt, der die unterschiedlichen Fördertöpfe von Land, Bund und EU im Hinterkopf hat. Freyberg schaut, welche Projekte zu welchem Topf passen könnten und wie ein Projekt eventuell optimiert werden kann, damit es besser zu den Förderkriterien passt.

Paul Freyberg ist technischer Berater bei Partner für Innovation und Förderung (PFIF).
Paul Freyberg ist technischer Berater bei Partner für Innovation und Förderung (PFIF).
(Bild: PFIF)

Elektrochirurgie, Plasmaskalpelle, Thermofusion oder Hydro- und Kryochirurgie – Freyberg hat sich als promovierter Physiker in den vergangenen Jahren in die Spezialthemen reingefuchst und ist für die Tübinger Forscher und Entwickler ein Ansprechpartner auf Augenhöhe geworden: „Letztlich übersetze ich innovative Ideen für die Gutachter der Förderprogramme.“ Es geht um völlige neue Verfahren und Produkte oder erhebliche Verbesserungen. Es geht um deren Nutzen sowie deren Marktchancen und selbstverständlich um Arbeitsplätze. „Die Vorstellung, dass Erbe-Instrumente in 80 Prozent aller deutschen Operationssäle eingesetzt werden, ist für mich sehr motivierend und sinnstiftend“, sagt Freyberg.

Der Partner mit dem passenden Netzwerk

Doch Pfif ist für Erbe noch aus einem weiteren Grund wichtig geworden: Die Lahrer haben in den 25 Jahren ihres Bestehens ein großes Netzwerk von Mittelständlern aufgebaut, den berühmten Hidden Champions, die über einzigartige Technologien verfügen. Manchmal gibt es in Europa nur zwei, drei Firmen, die beispielsweise besondere optische Komponenten produzieren, die die Medizintechniker nochmals spezifiziert benötigen. So reifen Ideen oft im Verbund mit anderen, etwa einem KMU, das eine besondere Technik liefert, einem Uni-Institut, das Spitzenforschung betreibt und einer Klinik, die Praxiserfahrungen beisteuern kann. „Dann haben wir die notwendige, kritische Kompetenz“, sagt Dammeier.

Mehr Konkurrenz bei Förderanträgen

Dammeier weiß, dass die Förderanträge perfekt sein müssen, obwohl sie auch dann nicht immer erfolgreich sind. So hat das Bundesgesundheitsministerium kürzlich einen Antrag nicht bewilligt. Inhaltlich stimmte alles wie der Projektmanager telefonisch erfuhr. Erbe war in der Spitzengruppe. Allerdings beteiligen sich immer mehr Verbünde an diesen Ausschreibungen und damit sinken rein statistisch die Erfolgschancen. „Mit mehr als 50 Prozent erfolgreichen Anträgen sind wir sehr gut bedient“, lautet seine Einschätzung.

Allerdings ist auch jede Ablehnung ärgerlich, nicht nur wegen des Zeitinvests. Ohne die Fördergelder könnte Erbe die ein oder andere Innovation finanziell nicht stemmen. Denn auch wenn das Unternehmen knapp 1,2 Millionen Euro für Assist-BET erhält, die Förderung deckt je nach Programm lediglich zwischen 30 bis 50 Prozent des Gesamtvolumens ab. „Vor allem bei Entwicklungsideen, die nicht unmittelbar unsere Kerntechnologie betreffen, wären wir zurückhaltender“, sagt Dammeier. Doch genau dort liegt für das Unternehmen auch das größte Entwicklungspotenzial.

Weitere Artikel zur Führung von Medizintechnik-Unternehmen finden Sie in unserem Themenkanal Management.

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