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Langdrehen Flexible CNC-Steuerung für flexible Metallbearbeiter

Redakteur: Jürgen Schreier

Dass kleinere Unternehmen nicht nur konkurrenzfähige Medizinprodukte anbieten, sondern dabei ihre Flexibilität als Stärke voll ausspielen, zeigt das Beispiel eines Auftragsfertigers in Villingen-Schwenningen. Schnell auf Kundenwünsche eingehen zu können, wird dort maßgeblich durch die richtige Werkstattausrüstung möglich gemacht.

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Volker Schulz, Geschäftsführer des schwäbischen Unternehmens Medizin- und Dentaltechnik, steht in seiner Maschinenhalle und betrachtet den neuesten Prototypen in der Hand

seines Meisters Peter Schütz: ein winziges Zahnimplantat mit einem Durchmesser von 3 mm und einer Länge von 6 mm.

Pro Jahr werden etwa 150.000 Implantate gefertigt

Der Zuwachs seiner Produktfamilie ist bisher noch ein Einzelstück, basiert auf der Idee eines Zahnarztes und ist noch nicht zugelassen. Zu der Implantatfamilie gehören bis zu 66 unterschiedliche Implantate in verschiedenen Größen und Ausprägungen.

Bei dem Unternehmen werden pro Jahr etwa 150.000 Implantate für gut ein Dutzend verschiedene Hersteller produziert. Außerdem stellen die Spezialisten das Zubehör her, beispielsweise die Behandlungs-Sets.Hinzu kommen etwa 500.000 Knochenschrauben und alle möglichen Sonderdrehteile, die teils aus so ungewöhnlichen und teils schwer zu bearbeitenden Materialien wie Titan, Molybdän, Tantal oder Gold gefertigt werden.

Umstieg auf eine andere Steuerung

Für die Produktion dieser Teile stehen in der mit Teppichboden ausgelegten Maschinenhalle insgesamt 25 Langdrehmaschinen des Typs „Hanwha XD20H“ (Bild 1). Mehr als ein Drittel ist mit der CNC „Sinumerik 840D“ von Siemens ausgestattet. Der Umstieg auf die „Sinumerik“ erfolgte bereits 2007, und Volker Schulz hatte diesen Schritt seinerzeit mit großer Skepsis getan: „Die Mitarbeiter waren mit den bisherigen Steuerungen vertraut. Deshalb hatte ich befürchtet, dass es großen Mehraufwand für die Einarbeitung gibt.“

Doch anders als erwartet, lief der Umstieg völlig reibungslos, was der intuitiven Bedienoberfläche der „Sinumerik“ zu verdanken ist.

Rechenleistung der CNC überzeugt die Anwender

Die Langdreh-Spezialisten haben ihren Maschinenpark genau auf ihre Bedürfnisse angepasst. Die Zusammenarbeit mit dem Maschinenhändler EB Turn-Key aus Tuttlingen hat sich dabei bewährt. Auch die „Hanwha XD20H“, an der Volker Schulz und Peter Schütz gerade das neue Imaplantat betrachten, stammt von dort:

Die Hauptspindel kommt auf 10.000 und die Gegenspindel auf 8.000 Umdrehungen pro Minute. Die „Sinumerik“ erlaubt die Simultanbearbeitung von mehreren Werkzeugen an beiden Spindeln. Dabei werden mit zwei Kanälen bis zu sieben Achsen angesteuert.

„Bei der Siemens-CNC ist eine wirklich komfortable Grundausstattung dabei, deshalb gab es für die hier laufenden Anwendungen keine Alternative“, erklärt Markus Efinger. „Wir mussten keine Zyklen einzeln freischalten lassen oder dazukaufen“, ergänzt Peter Schütz. Alle notwendigen Informationen standen mit den Standard-Zyklen direkt zur Verfügung.

Auch die hohe Rechenleistung der CNC hat die Anwender im Unternehmen überzeugt: „Bei der Produktion von vielen Zahnimplantaten sind wir um ein Drittel schneller geworden“, erklärt Meister Peter Schütz. Wenn voraussichtlich im ersten Quartal 2012 eine neue Maschine mit der „Sinumerik 840D sl“ kommt, ist er schon gespannt, um wie viel sich die Geschwindigkeit in der Produktionsserie

noch steigern lässt.

Flexibel auf Kundenwünsche eingehen

Bei der Entwicklung neuer Produkte bringt die auf höchste Genauigkeit und schwer zu bearbeitende Werkstoffe optimierte Ausrüstung der Werkstatt große Vorteile. Das Programmieren und die notwendigen Änderungen im Programm müssen zügig vonstatten gehen. Bei Medizin- und Dentaltechnik wird an den „Sinumerik“-gesteuerten Langdrehmaschinen direkt an der Maschine

programmiert.

Durch die einfache Programmverwaltung und den unkomplizierten Zugriff auf die Standard-Zyklen ist das auch bei komplexen Konturen unproblematisch – ab dem Nachfolgemodell „Sinumerik 840D sl“ erhalten Anwender zudem die neue Bedienoberfläche „Sinumerik Operate“, mit der die Bedienung der Steuerung nochmals einfacher wird.

Insbesondere bei der Fertigung von Kettengewinden, also mehreren unterschiedlichen Gewinden, die am selben Teil aufeinander folgen, hat aber auch bereits die Vorgänger-Steuerung Peter Schütz überzeugt: „Mit anderen Steuerungen nimmt das Programmieren dieser Gewinde viel Zeit in Anspruch. Mit dem Gewindezyklus der „Sinumerik“ ist das in fünf Minuten erledigt, und das Resultat stimmt exakt mit den Vorgaben überein.“

Unternehmen übernimmt sämtliche Dienstleistungen

Geht ein Produkt in Serie, übernimmt das Unternehmen sämtliche Dienstleistungen, die notwendig sind. Zahlreiche Wasch-, Reinigungs- und Kontrollvorgänge sind notwendig, bis ein Implantat im hauseigenen Reinraum sterilisiert, verpackt und beschriftet werden kann. Das Teil, über das sich Volker Schulz und Peter Schütz in der Maschinenhalle beugen, ist momentan noch nicht so weit: Hier steht noch der komplette Zertifizierungsprozess an, um die CE-Kennzeichnung zu erhalten, die für das Inverkehr-Bringen eines Medizinprodukts in der EU vorgeschrieben ist.

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