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FH Münster FFP2-Masken an der Wäscheleine? – Mehrfachnutzung im Test

Autor / Redakteur: Katharina Kipp* / Christian Lüttmann

Wie oft kann man eine FFP2-Maske wirklich benutzen? Was muss man beachten, damit die Schutzmaßnahme nicht zu einer Brutstätte für die selbst ausgeatmeten Erreger wird? Und wie kann man die Mehrfachnutzung leicht zu Hause umsetzen? Antworten liefert ein Projektteam von Wissenschaftlern der Fachhochschule Münster in einer übersichtlichen Info-Broschüre.

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FFP2-Masken können unter bestimmten Voraussetzungen mehrfach verwendet werden. Warum eine Wäscheleine dabei hilfreich ist, erklären Forscher der FH Münster (Symbolbild).
FFP2-Masken können unter bestimmten Voraussetzungen mehrfach verwendet werden. Warum eine Wäscheleine dabei hilfreich ist, erklären Forscher der FH Münster (Symbolbild).
(Bild: FH Münster)

In Bayern gilt ab dem 18. Januar eine verschärfte Maskenpflicht. Im Handel und öffentlichen Nahverkehr muss man dann eine FFP2-Maske tragen; Die einfache „Alltagsmaske“ genügt nicht mehr. Und auch deutschlandweit sind die hochwertigeren Masken stark nachgefragt.

Mit ihrer besseren Filterwirkung schützen sie deutlich effizienter vor einer Ansteckung als die einfachen Mund-Nase-Bedeckungen aus Stoff. Der Nachteil: FFP2-Masken sind als Einwegprodukte ausgelegt und müssen theoretisch nach ihrer Benutzung entsorgt werden. Oder doch nicht?

Infektionspotenzial getragener Coronamasken getestet

An der Fachhochschule Münster hat man sich im Laufe der Pandemie der Frage gewidmet, ob es wirklich nötig ist, die Einweg-Masken nach einmaliger Nutzung zu entsorgen. „Unser Ansatz besteht darin, eine Methode zu entwickeln, die es erlaubt, die als Einwegprodukte konstruierten FFP2-Masken für den Privatgebrauch so aufzubereiten, dass eine wiederholte Nutzung möglich wird“, erläutert Krankenhausexperte Prof. Dr. Christopher Niehues von der FH Münster.

Dazu hat das Team unterschiedliche im Haushalt durchführbare Herangehensweisen im Labor wissenschaftlich untersucht. Diese reichten vom einfachen Trocknen über das Waschen der Masken bis hin zur thermischen Behandlung durch moderates Erhitzen. Dabei kam heraus, dass insbesondere die Temperatur ein entscheidender Faktor ist, um eine einfache und effiziente Wiederaufbereitung der FFP2-Masken zu erzielen.

„Wir haben im Hochsicherheitslabor umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, um herauszufinden, wie lange SARS-CoV-2 auf FFP2-Masken bei unterschiedlichen Temperaturen infektiös bleibt. Dabei konnten wir zeigen, dass SARS-CoV-2 nicht nur bei Raumtemperatur über einen relativ langen Zeitraum eine infektiöse Wirkung behält, sondern auch bei 70 °C nach einer Stunde noch infektiös bleibt“, sagt Prof. Dr. Stephan Ludwig von der WWU Münster, Direktor des Instituts für Molekulare Virologie.

Die Sieben-Tage-Regel

Nach sieben Tagen an einem nicht zu feuchten Ort ist die Viruslast auf einer FFP2-Maske wieder auf ein vertretbares Maß gesunken (Reduktion um mind. 95%). So kann man sie bis zu fünf mal verwenden. Dies ist das Ergebnis von Untersuchungen eines Projektteams der FH Münster.
Nach sieben Tagen an einem nicht zu feuchten Ort ist die Viruslast auf einer FFP2-Maske wieder auf ein vertretbares Maß gesunken (Reduktion um mind. 95%). So kann man sie bis zu fünf mal verwenden. Dies ist das Ergebnis von Untersuchungen eines Projektteams der FH Münster.
(Bild: FH Münster)

Doch wie viele Tage braucht es, bis die Viruslast soweit gesunken ist, dass ein erneutes Tragen ohne große Bedenken möglich ist? „Hier gilt die Sieben-Tage-Regel“, sagt Ludwig. Idealerweise sollten Privatpersonen eine FFP2-Maske jeweils nur einen Tag lang nutzen. Anschließend sollte die Maske eine Woche lang ruhen. In dieser Zeit verlieren potenziell auf den Masken befindliche Viren weitestgehend ihre Infektiosität, sodass anschließend eine Wiederverwendung möglich ist.

„Man benötigt also insgesamt sieben FFP2-Masken, um einen täglichen Maskenwechsel vornehmen zu können und einen geschlossenen Maskenkreislauf möglich zu machen. Diese Methode lässt sich sehr einfach für den Privatgebrauch umsetzen“, erklärt Krankenhausexperte Niehues. „Nach einer Woche sind nur noch Erreger der eigenen Nasen-, Rachen- und Hautflora auf der Maske nachweisbar“, ergänzt Prof. Dr. Alexander Mellmann, Direktor des Instituts für Hygiene am Universitätsklinikum Münster.

Der Wäscheleine-Tipp

Eine FFP2-Maske ist nach sieben Tagen Lufttrocknung wieder weitgehend virenfrei und kann erneut benutzt werden. Zur Übersicht empfiehlt sich eine Wäscheleine pro Person mit Haken für jeden Wochentag, an der die Masken aufbewahrt werden.
Eine FFP2-Maske ist nach sieben Tagen Lufttrocknung wieder weitgehend virenfrei und kann erneut benutzt werden. Zur Übersicht empfiehlt sich eine Wäscheleine pro Person mit Haken für jeden Wochentag, an der die Masken aufbewahrt werden.
(Bild: FH Münster)

Damit die Mehrfachnutzung übersichtlich bleibt, schlagen die Experten der FH Münster vor, die Masken pro Person jeweils an einer Leine mit sieben Wäscheklammern aufzuhängen – für jeden Wochentag eine. Wichtig sei, dass der Aufbewahrungsort trocken ist und unzugänglich für Kinder, da die aufgehängten Masken noch infektiös sein können.

Wenn man jede Maske einmal aufhatte, sind die sieben Tage um, die es nach den Versuchen der Forscher dauert, bis die Viruslast der Maske wieder auf ein vertretbares Minimum reduziert ist (die Forscher geben hier eine Reduktion um 95 Prozent an). Nach maximal fünf Zyklen sind die Masken endgültig zu entsorgen und durch neue Masken zu ersetzen, betonen die Wissenschaftler aus Münster.

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Woran erkennt man FFP2-Masken

Eine FFP2-Maske ist an dem Aufdruck „FFP2“ zu erkennen, gefolgt von dem Zusatz „NR“ (nicht wiederverwendbar) oder „R“ (wiederverwendbar) oder „D“ (Dolomitstaubtest bestanden).

Um sicher zu gehen, dass man eine zertifizierte FFP2-Maske kauft, muss man zudem auf zwei Merkmale achten

  • Das CE-Kennzeichen
  • Eine vierstellige Prüfnummer nach dem CE-Zeichen (z.B. 0158 oder 0121)

Die Prüfnummer gibt dabei an, welche Prüfstelle für das Produkt verantwortlich war. In Deutschland gibt es laut Medienberichten derzeit nur zwei Prüfstellen: Dekra Testing and Certification mit der Nummer 0158 und das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) mit der Nummer 0121. Durch Importe können aber auch zertifizierte Masken mit anderen Prüfnummern im Umlauf sein. Ob es sich um eine zugelassene Prüfstelle handelt, können Verbraucher in der Nando-Datenbank auf der Website der EU-Kommission herausfinden.

Die Backofen-Methode

Wer die Regenerationszeit von einer Woche deutlich verkürzen und trotzdem eine vollständige Inaktivierung von SARS-CoV-2 erreichen möchte, für den ist im Privatbereich die Backofen-Methode bei 80 °C eine Alternative. „SARS-CoV-2 zählt zu den behüllten Viren, und diese reagieren empfindlich auf hohe Temperaturen“, erklärt Prof. Dr. Martin Kreyenschmidt, Leiter des Instituts für Konstruktions- und Funktionsmaterialien (IKFM) der FH Münster. Gemeinsam mit seinem Team hat er untersucht, wie hoch die Temperatur maximal sein darf, um die Viren, aber nicht die FFP2-Maske zu zerstören. „Von diesem Ansatz grundsätzlich ausgenommen sind allerdings vorgeformte Masken sowie Masken mit Atemventil“, schränkt der Wissenschaftler ein.

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Hinweis: Masken nicht auf der Heizung trocknen
Von einem Trocknen benutzter Masken auf der Heizung raten die Experten dringend ab. Die milde Wärme dort sorge in den feuchten Masken eher für optimale Wachstumsbedingungen für viele Bakterien und Pilze.

Das optimale Ergebnis erzielt man laut Kreyenschmidt, wenn die FFP2-Maske für eine Stunde bei 80 °C thermisch behandelt wird. Diese Methode lässt sich prinzipiell im heimischen Backofen im Modus Ober-Unterhitze umsetzen. Dabei sei es sehr wichtig, die Temperatur von 80 °C einzuhalten, betont Kreyenschmidts Kollege Prof. Dr. Hans-Christoph Mertins. „Viele Backöfen haben leider das Problem, dass die Bandbreite der Temperatur mitunter groß ist. So kann die tatsächliche Temperatur nach oben oder unten von den eingestellten 80 °C abweichen.“

Wer also die Backofen-Methode nutzen will, muss die Temperatur genau im Blick haben – das sei mit einem handelsüblichen Backofenthermometer zuverlässig machbar. Noch im Januar wolle das Team aber eine Alternative untersuchen, die ohne Temperaturkontrolle auskommt. Mehr Informationen zu vorhandenen und zukünftigen Ergebnissen finden Sie in der Online-Übersicht „Möglichkeiten und Grenzen der eigenverantwortlichen Wiederverwendung von FFP2-Masken für den Privatgebrauch“

Wie sich das Maskenmaterial angesichts der thermischen Behandlung im Ofen verhält, haben schließlich Kreyenschmidts Doktoranden Saskia Kerkeling und Christian Sandten analysiert. „Wir haben die Aufbereitung von FFP2-Masken aus unterschiedlichen Materialien mithilfe der Backofen-Methode im Labor analysiert und dabei insbesondere untersucht, ob es zu einer Beeinträchtigung des Maskenmaterials und damit der Schutzwirkung kommt“, sagt Sandten. Kreyenschmidt gibt Entwarnung: „Die Viruslast auf den Masken wird durch die Behandlung im Backofen vollständig eliminiert, wobei die Schutzwirkung unangetastet bleibt.“ Die Münsteraner Unternehmen Hengst und Hybeta haben die Wissenschaftler unterstützt, indem sie die Filterleistung der Masken nach diversen Aufbereitungsmethoden getestet haben.

Die Info-Broschüre „Möglichkeiten und Grenzen der eigenverantwortlichen Wiederverwendung von FFP2-Masken für den Privatgebrauch im Rahmen einer epidemischen Lage“ der Münsteraner Forscher finden Sie als e-Paper und als pdf online.

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Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf unserem Schwesterportal www.laborpraxis.vogel.de.

* K. Kipp, Fachhochschule Münster, 48149 Münster

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