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Erstattungssystem in Deutschland: Patientennutzen bleibt Leitprinzip

| Autor/ Redakteur: Hans-Peter Bursig* / Julia Engelke

Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer des Fachverbands „Elektromedizinische Technik“, ist sich in seiner Kolumne sicher: Der Patientennutzen bleibt das Leitprinzip für höhere Vergütungen im deutschen Gesundheitssystem.

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Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer Fachverband „Elektromedizinische Technik“ im ZVEI: „Die Erzeugung von Evidenz ist eine Grundvoraussetzung für höhere Vergütungen im deutschen Gesundheitssystem.“
Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer Fachverband „Elektromedizinische Technik“ im ZVEI: „Die Erzeugung von Evidenz ist eine Grundvoraussetzung für höhere Vergütungen im deutschen Gesundheitssystem.“
( Bild: Devicemed )
  • Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) verantwortlich für die Methodenbewertung
  • Deutsche Erstattungssystematik als eigener Regelungsbereich
  • Leitfaden des ZVEI für Hersteller

Die Erzeugung von Evidenz, also das Belegen des medizinischen Nutzens einer Untersuchungs- oder Behandlungsmethode für den Patienten durch Studien (im Vergleich zu bisherigen Methoden), bleibt eine Grundvoraussetzung für höhere Vergütungen in der Systematik des ambulanten wie stationären Sektors im deutschen Gesundheitssystem. Patientenbezogene Messgrößen solcher Studien sind primär Mortalität, Morbidität und Lebensqualität.

Methodenbewertung durch den G-BA

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) sichtet Studien für solche Methodenbewertungen oder führt sie selbst durch. Dazu gehört unabhängig vom Versorgungssektor eine umfassende Literaturrecherche, d.h. eine systematische Dokumentation zur vorliegenden, wissenschaftlich belegten Evidenz. Aber Achtung: Diese Bewertung darf nicht mit derjenigen von Medizinprodukten verwechselt werden, wie sie aus der CE-Konformität bekannt ist. Die deutsche Erstattungssystematik bleibt als eigener Regelungsbereich auch nach Gültigkeitsbeginn der Medizinprodukteverordnung im Mai 2020 vom europäischen Marktzutritt unangetastet!

Leitfaden des ZVEI

Bewertungsverfahren des G-BA müssen künftig bereits nach zwei Jahren abgeschlossen sein. Im besten Fall sind Studien der höchsten Evidenzstufe verfügbar, sogenannte Randomized Controlled Trials (RCT) sowie Metaanalysen von RCTs. Es gibt allerdings Versorgungsformen, bei denen der Nutzennachweis nur schwer nach höchsten Standards möglich ist. Ein angemessenes Evidenzniveau wird von Fachgesellschaften und Patientenorganisationen dringend empfohlen. In diesen Fällen könnten mit einer geänderten Verfahrensordnung des G-BA alternative Standards erarbeitet werden. Diese würden dann auch für sogenannte Erprobungsverfahren und für die „frühe Nutzenbewertung“ neuartiger Methoden im Krankenhausbereich in Betracht kommen.

Der ZVEI diskutiert die Evidenz-Herausforderungen für Hersteller im konstruktiven Austausch mit Entscheidern des G-BA. Ein wichtiges Projekt des Verbands bleibt die kontinuierliche Pflege des Leitfadens „Zugang ins deutsche Erstattungssystem“, in dem die grundsätzlichen Wege in die Leistungsvergütung sowie Entscheidungspunkte aus Herstellersicht dargestellt sind. Die nächste Version ist für November 2019 geplant.

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* Hans-Peter Bursig ist Geschäftsführer des Fachverbands „Elektromedizinische Technik“ im ZVEI – Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V.

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