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Portrait Eine Allianz für die globale Gesundheit

Von Kristin Breunig

Die deutsche Medizintechnik-Branche ist stark mittelständisch geprägt und ist Arbeitgeber für über 235.000 Menschen. Im Jahr 2020 lag die Exportquote des Sektors bei rund 65 Prozent. Die German Health Alliance (GHA) versteht sich als starkes Bündnis dieser Branche. Insgesamt repräsentiert die GHA rund 70 Prozent des deutschen Exportvolumens im medizintechnischen Bereich.

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Die German Health Alliance versteht sich als internationale Stimme der deutschen Gesundheit. Mit verlässlichen und nachhaltigen Partnerschaften setzt sich die Organisation für eine Stärkung des weltweiten Gesundheitssystems ein.
Die German Health Alliance versteht sich als internationale Stimme der deutschen Gesundheit. Mit verlässlichen und nachhaltigen Partnerschaften setzt sich die Organisation für eine Stärkung des weltweiten Gesundheitssystems ein.
(Bild: ©ipopba - stock.adobe.com)

Die Medizintechnik ist seit Jahren ein wichtiges Standbein der deutschen Industrie. Doch richtig aufmerksam wurde man auf die Branche erst Anfang 2020. Zu dieser Zeit begann sich das Corona-Virus auf der Welt zu verbreiten. Beatmungsgeräte, Schutzausrüstung und Spritzen wurden plötzlich in so hoher Zahl benötigt, dass die Medtech-Branche einen regelrechten Boom erfuhr – der noch immer andauert. Kurz vor Beginn der Corona-Pandemie wurde die German Health Alliance (GHA) gegründet. Sie entstand als Initiative des Bundesverbands der Deutschen Industrie e.V. (BDI) aus drei Organisationen: der German Healthcare Partnership (GHP), der German Healthcare Export Group (GHE) und der German-Sino Healthcare Group (GSHCG). Die Vorteile und Stärken der ehemaligen drei alleinstehenden Organisationen wurden gebündelt, um eine starke Allianz entstehen zu lassen. Somit vereint die GHA Organisationen mit 30 Jahren Erfahrung, die auf Know-how, ein großes Netzwerk aus Wirtschaft und Politik sowie weltweit engagierte Kooperationsprojekte zurückgreifen können.

Die Mitgliedschaft in der GHA bietet uns Zugang zu hochkarätig besetzten Veranstaltungen sowie zu nützlichen Inhalten von NGOs und der deutschen und globalen Gesundheitspolitik!

Volker Eckert, Business Manager Export/Government Affairs Health Systems, Philips Germany

Trotz Herausforderungen durch die Corona-Pandemie ist und war die GHA nah an ihren Mitgliedern und somit wichtigen Akteuren der Branche. Es gelang der Organisation, ihre Angebote und Kommunikation schnell auf virtuelle Formate umzustellen. Die Kompetenz sprach sich herum und so zählt die GHA heute 119 Mitglieder aus den Sektoren Wirtschaft und Industrie, Zivilgesellschaft und NGOs, Wissenschaft & Forschung. 50 davon sind Medtech-Unternehmen. Vorstandsvorsitzende der GHA sind Erhard Fichtner und Roland Göhde. Die Geschäftsleitung sitzt in Bonn und in Berlin.

Markteintritt erleichtern und Netzwerke schaffen

Erhard Fichtner ist Vorstandsvorsitzender GHA und Inhaber der Protec GmbH & Co. KG.
Erhard Fichtner ist Vorstandsvorsitzender GHA und Inhaber der Protec GmbH & Co. KG.
(Bild: GHA)

Die GHA versteht sich als Partner und unterstützt ihre Mitglieder, deren internationale Aktivitäten auszubauen, um den deutschen Gesundheitssektor nachhaltig zu stärken und international einen signifikanten Beitrag für stärkere Gesundheitssysteme und eine bessere Gesundheitsinfrastruktur zu leisten. So widmet sich die GHA Herausforderungen des Markteintritts für Gesundheitslösungen „Made in Germany“ und weltweiten Exportthemen. Um Mitglied zu werden, müssen Unternehmen keine besonderen Anforderungen erfüllen. „Wichtig ist, dass es ein deutsches Unternehmen ist“, erklärt Erhard Fichtner, Vorstandsvorsitzender der GHA, „und dass es seine Produkte und Dienstleistungen in ausländische Märkte bringen oder sich dort vergrößern will.“

Viele der Unternehmen können bereits auf eine lange Mitgliedschaft in einer der drei Ursprungsorganisationen zurückblicken. So auch die Atmos Medizintechnik GmbH & Co. KG. Das Unternehmen aus dem baden-württembergischen Lenzkirch zählt zu den Gründungsmitgliedern der GHE und weiß auch die Vorteile der GHA zu schätzen. „Die Unterstützung und Kompetenz der Unternehmen, die sich in der GHA vereinen, sozusagen im Sinne von Schwarmintelligenz, ist ein enorm wertvoller Beitrag für KMU“, sagt Maik Greiser, CEO von Atmos Medizintechnik. „Auf Leitmessen bietet die GHA durch ihre prominenten Gemeinschaftsmessestände einen sehr guten Auftritt für die Mitgliedsunternehmen und schafft somit Chancen zum Markteintritt in diese neuen Regionen.“

Alexander Glänzel ist Regional Sales Manager APAC bei der Tracoe Medical GmbH.
Alexander Glänzel ist Regional Sales Manager APAC bei der Tracoe Medical GmbH.
(Bild: Tracoe medical)

Für den großen Messestand der GHA zahlen alle Mitglieder einen kleinen Beitrag, egal ob sie auf der Messe sind oder nicht. Denn am Stand sind alle Mitglieder durch Flyer, Rollups und Mitgliederbroschüre vertreten und präsent. Wer als Aussteller oder Besucher auf der Messe ist, kann seine Termine, Kundengespräche oder Interviews, auf dem Gemeinschaftsstand führen. „Der gemeinsame Auftritt bei den wichtigen, internationalen Messen Medica und Arab Health ist eine große organisatorische Unterstützung“, weiß Alexander Glänzel, Regional Sales Manager APAC bei der Tracoe Medical GmbH. „Die Messen bieten eine weitere Gelegenheit als Gemeinschaft nach Außen aufzutreten.“ Die guten Erfahrungen als Mitglied der GHA haben Glänzel dazu bewogen, ehrenamtlicher GHA-Repräsentant für die Region Südostasien zu werden.

Das Bindeglied zwischen Politik und Branche

Maik Greiser ist CEO bei der Atmos Medizintechnik GmbH & Co. KG.
Maik Greiser ist CEO bei der Atmos Medizintechnik GmbH & Co. KG.
(Bild: Atmos Medizintechnik)

Darüber hinaus bindet die Politik die Organisation in Prozesse ein, um die Erfahrungen und Perspektiven der Mitglieder einzuholen, z. B. bei der Erstellung der neuen Strategie der Bundesregierung zu globaler Gesundheit. „Die GHA ermöglicht den Brückenschlag mit den Ministerien und Auswärtigen Ämtern, um die Interessen der deutschen Medtech-Branche auf der politischen Ebene zu vertreten“, beschreibt Greiser. So identifiziert die GHA Einschränkungen und Probleme in der Gesundheitsbranche und wendet sich mit ihren Forderungen, wie die Sicherstellung offener Märkte oder die Umsetzung einer effizienten Global-Health-Strategie, über den BDI an die Regierung nach Berlin. „Aktuell große Probleme stellen die Bewältigung der Covid-19-Situation, die Digitalisierung und die Medical Device Regulation (MDR) dar“, erklärt Fichtner, der selbst Inhaber eines Medtech-Unternehmens ist.

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Gerade in Bezug auf die MDR sei die Stimmung in der Branche gemischt. Jedoch laufe einiges falsch: Für neue Produkte oder Nischenprodukte sei der Marktzugang so gut wie nicht möglich. Deshalb appelliert die GHA in Vertretung ihrer Mitgliedsunternehmen an die Regierung und fordert mehr benannte Stellen und Ausnahmeregelungen für Nischenprodukte. „Außerdem muss die Regierung eine stärkere Rolle übernehmen, um eine realistische, umsetzbare Regulierungspolitik für medizinische Produkte sicherzustellen, damit die deutsche Medtech-Branche lebensfähig sowie wettbewerbsfähig im internationalen Umfeld bleibt. Die Probleme der Branche müssen endlich gehört und an einer Problembewältigung muss gearbeitet werden“, fordert Fichtner energisch.

Bestrebungen im Jahr 2022

Für das Jahr 2022 hat sich die GHA einige Ziele gesetzt. So ist die Organisation bemüht die Handelswege offen und weitere Regulierungen gering zu halten sowie eine Verzahnung zwischen Politik, Wirtschaft und dem großen Thema Health zu unterstützen. Um den Mitgliedsunternehmen am Markt zu helfen, werden gezielt Pakete und Kampagnen angeboten, wie die Unterstützung in der PR- und Medienarbeit.

In den nächsten Monaten hoffen Mitglieder und Vorstand auf Expertentreffen und Arbeitskreise in Präsenz. Durch die Mitarbeit in den verschiedenen Arbeitsgremien kann der eigene persönliche Schwerpunkt bzgl. Themen und Regionen festgelegt werden. „Die Arbeit in den Arbeitskreisen läuft Corona geschuldet auf virtuellem Weg. Dafür aber engagiert und effizient. Auch die Evaluierung von gemeinsamen Projekten, den Eintritt in neue Märkte und Länder, die Nutzung von Synergien und Schnittstellen untereinander, haben wir im Fokus. Wir freuen uns, wenn ein persönliches Treffen mit allen Mitgliedern und Akteuren möglich ist“, sagt Fichtner und man kann die Begeisterung in seinen Augen sehen.

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Die Gründung der GHA

Die GHA wurde als Initiative des Bundesverbands der Deutschen Industrie e.V. (BDI) Anfang des Jahres 2020 aus den Organisationen German Healthcare Partnership (GHP), German Healthcare Export Group (GHE) und German-Sino Healthcare Group (GSHCG) gebildet: Die 2010 gegründete GHP verstand sich als Vermittler innerhalb des Gesundheitssektors. Sie vermittelte über Partnerschaften Leistungen und Know-how und konnte so eine große Bandbreite an internationaler Gesundheitsexpertise abdecken.

Die GHE wirkte als internationaler Partner, der einen intensiven Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedern förderte und deren Expertise bündelte. Die Organisation fokussierte sich auf den Außenhandel. Dabei repräsentierte die GHE nahezu das gesamte Spektrum in der hochqualitativen Medizintechnik und war seit ihrer Gründung , 1991, auf den beiden wichtigsten Messen in der Medizintechnik vertreten, der Medica in Düsseldorf sowie der Arab Health in Dubai.

Die GSHCG schloss sich 2006 aus deutschen und chinesischen Organisationen zusammen. Gemeinsam stärkten sie in allen Bereichen des Gesundheitswesens die Zusammenarbeit.

Die Mitglieder der GHP und der GSHCG stammten aus unterschiedlichen Branchen. Die Mitglieder der GHE gehörten der Medizintechnik an.

Weitere Meldungen aus der Medizintechnik-Branche und über Medizintechnik-Unternehmen finden Sie in unserem Themenkanal Szene.

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