Politische Forderung

E-Health: Verbände fordern nationales Zielbild

| Autor / Redakteur: Susanne Ehneß / Peter Reinhardt

Ziel: Deutschland als Standort für medizinischen Fortschritt sichern
Ziel: Deutschland als Standort für medizinischen Fortschritt sichern (© kentoh - stock.adobe.com)

Die Verbände der industriellen Gesundheitswirtschaft haben ein gemeinsames E-Health-Positionspapier veröffentlicht und darin klare Forderungen an die Politik formuliert.

  • Dialogplattform zur Erarbeitung eines E-Health-Zielbildes
  • Digitalisierung impliziert den Austausch und das Zusammenwachsen verschiedener Branchen
  • Patienten profitieren von E-Health

Das von den Verbänden BIO Deutschland, Bitkom, bvitg, BVMed, SPECTARIS, VDGH, vfa und ZVEI entwickelte Diskussionspapier ist die Weiterentwicklung einer politischen Forderung der Verbände im Januar 2018, als die Verbände zur Entwicklung eines nationalen E-Health-Zielbilds aufgerufen hatten. „Ein nationales E-Health-Zielbild gibt allen Beteiligten im Gesundheitssystem eine notwendige Orientierung und ermöglicht ihnen, konkrete Ziele zu definieren und zu erreichen“, heißt es.

Dies sei ein wesentlicher Beitrag, um die qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung nicht nur langfristig sicherzustellen, sondern auch kontinuierlich den Patientennutzen zu verbessern, gleichzeitig Deutschland als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort zu stärken und im zunehmenden internationalen E-Health-Wettbewerb zu bestehen.

Patienten profitierten, indem zum Beispiel Krankheiten früher erkannt, Diagnosen verlässlicher gestellt, Doppeluntersuchungen vermieden und Klinikaufenthalte verkürzt würden. „Zur Umsetzung der politischen Ziele der Bundesregierung für die Gesundheitsversorgung und den Gesundheitswirtschaftsstandort Deutschland ist eine konsequente Digitalisierung anhand einer nationalen E-Health-Strategie erforderlich“, stellen die Verbände klar.

Im Positionspapier wird eine „Dialogplattform zur Erarbeitung eines E-Health-Zielbildes“ für Deutschland gefordert.

Das fordern die Verbände

  • Stärkung des Standorts Deutschland und Nutzung der Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft als Motor für wirtschaftliches Wachstum: „Dafür bedarf es klarer gesetzlicher Rahmenbedingungen, die insbesondere einen zügigen und strukturierten Marktzugang ermöglichen.“
  • Harmonisierung der diversen Regelungen für eine sichere Vernetzung und vertrauenswürdige Datennutzung. Dies würde die klinische Forschung und die translationale Medizin in Deutschland stärken: „Das derzeitige Datenschutzmodell in Deutschland, das auf Datensparsamkeit beruht und die Nutzung der Daten ausschließlich auf den Grund der Datenerhebung beschränkt, passt weder zu einer datenbasierten Wirtschaft noch zu einer digitalisierten Gesundheitsversorgung.“
  • Zeitnahe patienten- und versichertenorientierte Regelversorgung. Nur so könne es gelingen, Deutschland als Standort für medizinischen Fortschritt zu sichern, um für die Patienten die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten. Andernfalls drohe eine Ungleichbehandlung von Versicherten und Patienten, wenn digitale Lösungen nur noch allein über den Selbstzahlermarkt Anwendung finden: „Dies könnte die Qualität der Versorgung sowie den Gesundheitsstandort Deutschland gefährden.“

Fazit

Digitalisierung impliziert den Austausch und das Zusammenwachsen verschiedener Branchen. Dies gilt in gleichem Maße für das Gesundheitswesen. Die Verbände sind daher überzeugt, dass eine stärkere Quervernetzung von unterschiedlichen Politikfeldern und Branchen unter einer zentralen politischen Moderation und eine verbindlichere gemeinsame Orientierung für alle beteiligten Akteure notwendig sind. Sie schlagen deshalb einen „ressort- und branchenübergreifenden Verbändedialog zur Digitalisierung im Gesundheitssystem mit einer zentralen politischen Moderation vor“.

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Ein wesentlicher Punkt sei eine „klare und verbindliche politische Federführung“ sowie die „Gewährleistung einer Verknüpfung der unterschiedlichen thematischen Diskussionsthemen, die sich aus den Zuständigkeiten seitens der Bundesministerien für Gesundheit (BMG), Wirtschaft und Energie (BMWi) sowie Bildung und Forschung (BMBF) ergeben“.

Ziel sei die gemeinsame Erarbeitung und Abstimmung eines nationalen „E-Health-Zielbildes“, dem bestehende politische Strategien oder notwendige neue Strategien zugeordnet werden können. „Mit diesem neuen Dialogformat wird die aktuell nur partiell und branchenspezifisch geführte politische Diskussion möglichst ressourceneffizient und ergebnisorientiert gebündelt“, heißt es dazu im Positionspapier.

Realisierung

Die Verbände formulieren auch eine mögliche Realisierung dieses Dialogformats: Demnach könnte der Dialog beispielsweise mit drei Stakeholder-Workshops umgesetzt werden, die alternierend durch das BMG, BMWi und BMBF moderiert werden. „Für die bessere Anschlussfähigkeit der Diskussion sollten dabei jeweils Beobachter aus den anderen Ministerien beteiligt werden“, meinen die Initiatioren. Die Koordination und Zusammenführung der Ergebnisse könne beispielsweise durch das Bundeskanzleramt erfolgen, das eigene Strukturen für die Schnittstellenkoordination vorsehe und bereits erarbeitet habe. Zur Integration der notwendigen Expertise sollen die Verbände seitens der Krankenkassen, der Selbstverwaltung, der Patientenorganisationen, die Fachverbände der Industrie sowie relevante Bundesbehörden beteiligt werden.

Die Verbände haben zudem einen ersten gemeinsamen Diskussionsimpuls erarbeitet: „Gesundheitsdaten sollen versorgungs- und forschungsorientiert genutzt und integriert werden, um den Patientennutzen weiter zu erhöhen. Dafür brauchen wir bundesweit einheitliche Bedingungen, die einen offenen und gesicherten Datenraum ermöglichen, in dem Daten sektorübergreifend zur Verfügung stehen. Innovative digitale Lösungen der Gesundheitswirtschaft sollen Zugang zur und Anwendung in der Versorgung finden und damit den Gesundheitsstandort Deutschland sowie seine Akteure stärken.“

Die Initiierung der Dialogplattform könne noch in diesem Jahr erfolgen, damit bereits 2019 gemeinsam Ergebnisse erarbeitet und vorgelegt werden könnten. „Damit ließe sich z. B. auch die im Koalitionsvertrag festgehaltene Entwicklung eines E-Health-Aktionsplans bis 2020 konkret unterstützen“, heißt es abschließend.

Das Papier „Deutschland braucht ein nationales E-Health-Zielbild – für eine starke industrielle Gesundheitswirtschaft und eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung“ finden Sie online als PDF.

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Dieser Artikel ist zuerst erschienen im Themenkanal Healthcare auf unserem Schwesterportal www.egovernment-computing.de.

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