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Sigfox Digitalisierung und Gesundheit: Wo stehen wir und was bringt die Zukunft?

Autor / Redakteur: Ajay Rane, Vice President of Global Ecosystem Development, Sigfox / Julia Engelke

Ein Defibrillator, der sich selbst wartet, eine Armbanduhr, die im Notfall Hilfe ruft, Sensoren, die Impfstoff-Lieferketten sichern – all das sind Beispiele für Digitalisierung im Gesundheitswesen. Damit hilft die Technik, aktuelle Herausforderungen wie die Coronakrise oder den Demografischen Wandel besser zu meistern.

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Tablet statt Klemmbrett – dies ist nur der Anfang der Digitalisierung im Gesundheitswesen (Symbolbild).
Tablet statt Klemmbrett – dies ist nur der Anfang der Digitalisierung im Gesundheitswesen (Symbolbild).
(Bild: ©ipopba - stock.adobe.com)

Die Gesundheitssysteme auf der ganzen Welt haben sich im Laufe der vergangenen zehn Jahre signifikant verändert. Dabei spielt die Digitalisierung eine entscheidende Rolle. Besonders deutlich wird dieser Wandel im Bereich E-Health, also all jenen digitalen Diensten, die das Wohlergehen der Bürger verbessern sollen – sei es zur Vorbeugung, zur Diagnose oder zur Behandlung von Krankheiten. Überall sind solche Dienste auf dem Vormarsch und sollen bis 2025 um 75% wachsen [1]. Der Gesamtmarkt Digital Health wächst sogar noch schneller. Er wird bis 2025 schätzungsweise rund 510 Milliarden Euro erreichen, was einem Anstieg von rund 145% gegenüber 2020 entspricht [2].

Das sind immense Wachstumsraten, die viele weitere Innovationen mit sich bringen werden. Doch auch heute sind wir schon weit gekommen: Es gibt bereits zahlreiche Anwendungen für die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Viele Objekte – sowohl physische als auch virtuelle – sind zudem bereits an das Internet der Dinge (IoT) angebunden. Dies erfolgt durch Kommunikationssysteme wie WLAN, Bluetooth oder das besonders energiesparende 0G-Netz. Wir sind von all diesen Technologien zur Digitalisierung bereits umgeben. Vielen ist das Potenzial dieser Anwendungen jedoch gar nicht bewusst, noch sind die großen Herausforderungen bekannt, die damit einhergehen.

Die Stadt als gesundheitlicher Brennpunkt

Angesichts der Covid-19-Krise stellt beispielsweise der Schutz eines jeden Einzelnen im öffentlichen Raum eine große Herausforderung dar. Masken und regelmäßige Desinfektion sind hierzu bereits als notwendige Maßnahmen erkannt worden. Lüftung wird derzeit ebenfalls als Schutzmaßnahme diskutiert. Ein vollständiger Schutz ist dies aber noch nicht. Vor allem in Städten ist die Gefahr von Infektionen groß, da die Bevölkerungsdichte teils enorm hoch ist. In absehbarer Zeit wird sich die Pandemie aber durch einen Impfstoff unter Kontrolle bringen lassen. Allerdings stehen die meisten Stadtbewohner langfristig noch vor ganz anderen Problemen.

Eine weitere Herausforderung ist beispielsweise die Tatsache, dass die Weltbevölkerung trotz Pandemie vermutlich weiter wachsen wird – ebenso wie die Zahl der Menschen, die in Städten leben wollen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation soll der Anteil derer bis 2050 von 55% auf 68% der Weltbevölkerung steigen [3]. Das wird die Gesundheitsprobleme in den Städten weiter verschärfen. Menschen in Städten haben beispielsweise oft mit Umweltverschmutzung zu kämpfen und müssen mit den damit verbundenen Risiken schwerer Krankheiten leben, obwohl es bereits technologische Lösungen zur Verringerung der Ursachen gibt. Ein weiterer wichtiger Stellhebel ist hier die Digitalisierung: Indem man beispielsweise die Luftqualität engmaschiger überwacht und Verkehr auf Basis dieser Daten lenkt, können Schadstoffemissionen vermieden und die Luftqualität verbessert werden.

Notfallversorgung, die sich selbst überwacht

Auch bei medizinischen Notfällen kann die Digitalisierung Leben retten, etwa wenn es um die führende Todesursache in der Welt geht: Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese sind für 31% der weltweiten Mortalität verantwortlich und tauchen vermehrt in Städten auf [4]. Um so schnell wie möglich auf einen plötzlichen Herzstillstand reagieren zu können, ist deshalb die Installation von automatischen externen Defibrillatoren (AEDs) in öffentlichen Räumen unerlässlich. Dabei sollte sichergestellt sein, dass sie jederzeit funktionieren. Überwachung und Wartung eines solchen Defibrillators spielen deshalb eine wichtige Rolle. Hier ermöglicht es die Digitalisierung, Informationen in Echtzeit über den Zustand und auch die Nutzung der Geräte zu erhalten. Im Falle einer Nutzung kann automatisch ein Notruf abgesetzt werden, der einen Rettungsdienst alarmiert. Dank der Remote-Überwachung auf Funktionsfähigkeit ist es zudem möglich, einen defekten Defibrillator schnell zu erkennen und auszutauschen.

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Nie wieder verschwundene Corona-Masken auf dem Lieferweg

Seit einigen Jahren werden im Gesundheitswesen auch Logistikfragen wichtig. So hat die Europäische Union 2020 die Europäische Verordnung über Medizinprodukte (Medical Device Regulation / MDR) aktualisiert. Damit müssen bald Lieferketten, über die heutige normale Bestandsverwaltung hinaus, digitalisiert werden, was für viele Einrichtungen des Gesundheitswesens eine echte Herausforderung darstellt.

Laut des Consulting-Unternehmens Deloitte kann die Digitalisierung aber auch viele neue Chancen wie Kostenoptimierung und verbesserte Patientenversorgung und -bindung mit sich bringen [5]. Das zeigt schon allein die Pandemie, bei der die Digitalisierung der Versorgungsketten dabei hilft, Impfstoffe, Masken oder Sendungen von Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) zu verfolgen. So lässt sich leichter sicherstellen, dass alle Produkte rechtzeitig und in optimalem Zustand ankommen und auch nicht gestohlen werden, wie es anfangs mit den dringend benötigten Masken passiert ist. Auch um die Wirksamkeit der Kühlkette sicherzustellen, wie es in den WHO-Richtlinien für die Lagerung von Impfstoffen gefordert ist [6], kann Digitalisierung vieles erleichtern und bei Bedarf in Blockchains sogar fälschungssicher dokumentieren. Können zudem IoT-angebundene Sensoren den Zustand eines Produkts wie beispielsweise die Temperatur überwachen, lässt sich auch sicherstellen, dass die Good Distribution Practice (GDP) eingehalten wurde. In kritischen (Not)Fällen kann zudem aktiv menschliches Eingreifen angefordert werden, um Schlimmeres zu verhindern.

E-Health Lösungen für den Alterswohnsitz

Eine weitere Herausforderung für das Gesundheitswesen ist der demografische Wandel. Im Jahr 2050 wird einer von vier europäischen oder nordamerikanischen Menschen über 65 Jahre alt sein, sodass Lösungen für die so genannte Silver Economy immer wichtiger werden [7]. Für das Gesundheitswesen besonders wichtig sind dabei Lösungen, die es älteren Menschen ermöglichen, komfortabler zu leben und gleichzeitig zu Hause bleiben zu können – zumal solche Lösungen auch von jüngeren Menschen nachgefragt werden, die mit vergleichbaren Pathologien zu kämpfen haben.

In den Vereinigten Staaten ergab eine Studie, dass neun von zehn Senioren planen, die nächsten fünf bis zehn Jahre lieber zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung zu verbringen, anstatt in einem Altersheim [8]. Daher ist es wichtig, sie weiterhin betreuen zu können, auch aus der Ferne. Es gibt bereits IoT-Telecare-Lösungen, die eine gefährliche Situation wie einen schweren Sturz, erkennen und automatisch eine Nachricht mit der GPS-Position des Trägers an das Pflegepersonal senden. Solche Lösungen tragen dazu bei, nicht nur allein lebenden Menschen ein höheres Sicherheitsgefühl zu vermitteln, sondern auch ihrer Familie und den Freunden. Umso wichtiger können Telecare-Lösungen in Situationen sein, in denen ältere Menschen isoliert sind, wie dies während des Lockdowns durch die Covid-19-Krise der Fall war.

Die erwähnten IoT-Lösungen sind nur einige Beispiele und stellen erst den Anfang einer zunehmenden Digitalisierung des Gesundheitswesens dar. Der zukünftige Nutzen erstreckt sich von der Herstellung medizinischer Produkte über das Monitoring der gesamten Lieferkette bis hin zum Dienst am Patienten. Die Chancen durch die Digitalisierung des Gesundheitswesens sind gewaltig.

Literatur

(ID:46975073)