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BG Kliniken/Fachverband Biomedizinische Technik Die Zukunft der Medizintechnik ganz digital

Autor / Redakteur: Christine Krumm* / Julia Engelke

Erstmals haben die BG Kliniken und der Fachverband Biomedizinische Technik (fbmt) e.V. eine zweitägige Fachtagung zum Thema „Zukunft Medizintechnik“ coronabedingt komplett online durchgeführt. Obwohl der persönliche Austausch nicht wie vorgesehen stattfinden konnte, konnten sich die 116 Teilnehmer in 15 Vorträgen über aktuelle und zukünftige Themen aus der Medizintechnik informieren.

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Hinter den Kulissen: Christine Krumm (fbmt) und Dubravka Maljevic (BG Kliniken) begrüßten die Teilnehmer aus einem eigens hergerichteten kleinen Studio in einem Berliner Hotel.
Hinter den Kulissen: Christine Krumm (fbmt) und Dubravka Maljevic (BG Kliniken) begrüßten die Teilnehmer aus einem eigens hergerichteten kleinen Studio in einem Berliner Hotel.
(Bild: Jürgen Sendel)

Mit der ersten Berlin-Brandenburg Medizintechnik Fachtagung 2019 im BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin (ukb) haben die BG Kliniken gemeinsam mit dem Fachverband Biomedizinische Technik e.V. (fbmt) erfolgreich eine neue Fachkonferenz ins Leben gerufen. Nun folgte im Oktober die 2. Medizintechnik Fachtagung. Ursprünglich war die Fachtagung im BG Klinikum Bergmannstrost Halle als Präsenzveranstaltung geplant, was sich coronabedingt aber nicht umsetzen ließ.

Die Veranstalter wollten ihr Vorhaben aber nicht aufgeben und haben kurzfristig umdisponiert. Die Fachtagung fand für die Teilnehmer digital statt. Das abwechslungsreiche Programm stieß auf reges Interesse und führte – auch digital – zu einem lebendigen Austausch. Um der digitalen Veranstaltung eine persönliche Note zu geben, begrüßten Christine Krumm (fbmt) und Dubravka Maljevic (BG Kliniken) die Teilnehmer aus einem eigens hergerichteten kleinen Studio in einem Berliner Hotel.

Unter dem Motto „Zukunft Medizintechnik“ haben die Veranstalter die Teilnehmerwünsche und Anregungen des vergangenen Jahres aufgegriffen und um neue Themen ergänzt. Besonders wichtig war in diesem Jahr der Blick über den Tellerrand: Was tut sich in den anderen Branchen? Wo bestehen Gemeinsamkeiten? Wo liegen die Stolpersteine? Und es hat sich gezeigt, dass viele Parallelen bestehen. So wie die Lufthansa zur Stärkung der Patientensicherheit Pilotentrainings für Mediziner anbietet, soll der durch die Fachtagung initiierte berufsgruppenübergreifende Austausch dazu beitragen, die Kompetenzen in der Medizintechnik auszubauen und zu vertiefen.

Brücken bauen und über den Tellerrand schauen

War früher das Wissen kleinerer, geschlossener Kreise gefragt, gewinnt heute der interdisziplinäre Informationsaustausch immer mehr an Bedeutung. Die Fachtagung hat dazu ermuntert, Brücken zu bauen und optimistisch in die Zukunft zu schauen.

Referent Manfred Kindler lieferte in seinem Vortrag einen persönlichen Blick auf die Corona-Pandemie und auf das Risiko- und Krisenmanagement. Kindler verfügt über große Erfahrung auf dem Gebiet der Medizintechnik, vor allem im Bereich der Konformitätsbewertung und des entsprechenden Risikomanagements dazu. Er ist Präsident des Krankenhaus Kommunikationszentrums (KKC) und Sachverständiger für Medizintechnik. Er nannte viele Beispiele, bei denen „Bastler“ aber auch Ingenieure fachfremder Bereiche mit Lösungsvorschlägen und teilweise neuen Ansätzen zur Schaffung von Beatmungssystemen oder Verteilungsanlagen für Aufmerksamkeit sorgten. Dabei zeigten 3D-Druckverfahren ihre Stärken, wenn es um die Verwirklichung neuer Ansätze ging. Die große Hilfsbereitschaft der Industrie in der Corona-Zeit sei sehr beeindruckend gewesen, so Kindler.

Dass die Zukunft der Medizintechnik auf Daten und Prozessen basiert, ist kein Geheimnis. Prof. Dr. Frederik Wenz rief zuletzt in seinem Keynote-Vortrag beim Innovation Forum Medizintechnik auf: „Use all information!“ Hier knüpfte Florian Defèr, stellvertretender Leiter des Competence Center Instandhaltung, FIR an der RWTH Aachen, an. Defèr ist von Komplexität in internen Geschäftsprozessen, Dienstleistungsprozessen und Fertigungsprozessen fasziniert. In der intelligenten Nutzung von Daten sieht er ein großes Potential, Komplexität beherrschbar zu machen und den Weg für eine nachhaltige Transformation im Zeitalter der Digitalisierung und Industrie 4.0 zu ebnen. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Erzielung von Effizienzsteigerungen im technischen Service und in der Instandhaltung, insbesondere durch Umsetzung der Lean-Prinzipien, der Digitalisierung von Prozessen und der Informationslogistik. „Instandhalter sind nicht dazu da, Fehler zu verwalten, sondern Störungen nicht mehr passieren zu lassen“, sagte Defèr am Ende seines Vortrags. So können Prognosen über die Laufzeit erstellt werden und dabei helfen, Geräte teilweise vor dem Defekt oder der Leistungsminderung zu tauschen.

Instandhaltung und Aufbereitung

Über den aktuellen Stand der nationalen Umsetzung der MDR informierte Dr. Jana Knauer vom Bundesministerium für Gesundheit. In den Fokus ihrer Ausführungen stellte Knauer, die 2015 mit dem Wissenschaftspreis Medizinprodukterecht ausgezeichnet wurde, das Medizinprodukte-EU-Anpassungsgesetz (MPEUAnpG), das Medizinprodukterecht-Durchführungsgesetz (MPDG) und die damit verbundenen Verordnungen.

Janine Bierwirth (BG Kliniken) legte in ihrem Vortrag als Leiterin Hygiene der BG Kliniken den Schwerpunkt auf einen sachgemäßen Umgang mit Medizinprodukten und ihre Aufbereitung. Sie beschrieb den Konflikt zwischen Infektionsprävention und Patientensicherheit, der sich in der Zeit der Corona-Pandemie zeigt, und hob die Bedeutung des Arbeitsschutzes als weitere Säule für die Patientensicherheit hervor.

Eine tragende Rolle im menschlichen Körper hat die Wirbelsäule. Nach einem schweren Unfall mit multiplen Verletzungen muss dieses äußerst komplexe Gebilde wiederhergestellt werden. Beim Einbringen stabilisierender Schrauben in die Knochen können durch die exakte Bildgebung vor und während der Operation Fehllagen und Komplikationen reduziert werden. In ihrem Vortrag zum Thema „Besondere Anforderungen an die Bildgebenden System bei einer Wirbelsäulen-OP“ berichteten Dr. Andreas Gather, Koordinator des Zentrums für Alterstraumatologie der BG Klinik Ludwigshafen, und Dr. Sven Vetter, Leiter der Sektion Wirbelsäulenchirurgie der BG Klinik Ludwigshafen, über die Bedeutung interoperativer CT für das Operationsergebnis. Sie zeigten die unterschiedlichen Faktoren auf, die bei der Auswahl der Geräte betrachtet werden sollten, und stellten die Bedeutung einer richtigen Instandhaltungsstrategie dar.

„Die Mathematisierung der Instandhaltung wird weiter voranschreiten und Instandhaltungsmodelle beeinflussen“, konstatierte Prof. Dr. Ingo Walther von der Berufsakademie Sachsen in seinem Vortrag „Strategien und Methoden der Instandhaltung“ und informierte zu praktischen Ansätzen der Anwendung datenbasierter Instandhaltungsstrategien.

Altbewährtes zu hinterfragen und neue Ansätze zu finden waren Leitlinien der Vorträge von Ludwig Kunkel und Jörn Fetchenheuer. Unter dem Titel „Bedarfsgerechte Leistungsverzeichnisse für die Ausschreibung“ beschäftigten sie sich mit Lösungen der Digitalisierung von Beschaffungs- und Instandhaltungsprozessen. Durch standardisierte Leistungsverzeichnisse nach dem Baukastenprinzip können sie schnell und entscheidungssicher passende Ausschreibungen entwickeln.

Michael Wazlav referierte anschließend über den Einsatz von AR-Brillen in der Instandhaltung. Wazlav ist Geschäftsführer der Schwan Cosmetics Produktionstechnik, einer eigenständigen Tochter von Schwan Cosmetics in Heroldsberg bei Nürnberg. Er und seine 54 Mitarbeiter entwickeln und bauen hochkomplexe Sondermaschinen für die Herstellung, Montage und Abfüllung von Kosmetikstiften. Durch den Einsatz von AR-Brillen brauchen die Techniker für Service und Wartung und Instandhaltung nicht mehr das Büro in Mittelfranken zu verlassen und können dennoch einen weltweiten technischen Support leisten.

Prüfung von Medizinprodukten

Christian Sulzberger setzte sich tiefgehend mit der regelmäßig wiederkehrenden Prüfung von Medizinprodukten nach DGUV V3 auseinander und verfolgt damit zur Steigerung der Effektivität, aber auch zu den Prüffristen und Prüfinhalten eigene Ansätze. In seinem Vortrag stellte er diese vor und berichtete, dass die Behörden diese akzeptieren und anerkennen würden.

Frank Rothe berichtete in seinem Vortrag über Qualifikationsanforderungen an Instandhalter und technische Regeln für die Erstellung von Prüfprotokollen VDI Richtlinie VDI 5707. Der Gründruck wird noch in diesem Jahr erscheinen und ein Weißdruck wird wahrscheinlich 2021 erfolgen. Mitarbeit an der Richtlinie ist gewünscht und sehr willkommen.

Auch das Thema Patientensicherheit bei der Anwendung von Medizinprodukten wurde mit einem kurzen Exkurs zur Überarbeitung der Handlungsempfehlung „Einweisungsmanagement“ des Aktionsbündnisses Patientensicherheit e.V. berücksichtigt. Tino Jacob gab dazu einen praktischen Einblick aus den Umsetzungen der BG Kliniken, zum Beispiel zum möglichen Umgang mit der Einweisungsdokumentation nicht selbsterklärender Medizinprodukte.

Eine neue Software zur Bewertung von Risiken in medizinischen Netzwerken wurde durch Kim Kowik vorgestellt, der mit seiner neu gegründeten Firma den deutschen Markt für dieses Produkt erschließen möchte. Die Software fragt hierbei Netzwerkknoten ab und verhält sich gegenüber den Geräten und System passiv, um die Rückwirkungsfreiheit nicht zu korrumpieren. Durch die gewonnenen Daten, wie z.B. der Softwarestand der Medizingeräte, kann das Risiko im Netzwerkverbund eingeschätzt werden, da inkompatible oder unsichere Softwarestände leicht identifiziert werden können.

Immer öfter ist in den verschiedensten Lebensbereichen vom Einsatz künstlicher Intelligenz die Rede, zunehmend auch in der Medizin. In der Radiologie bietet sich die Anwendung automatisierter Verfahren besonders an. Welche Techniken stecken dahinter? Welche Methoden ermöglichen das Deep Learning? Wohin wird uns die Entwicklung möglicherweise führen? Und welche Herausforderungen sind zu bewältigen? Auf eine Reise der Algorithmen führte Prof. Dr. Martin Fiebich die Tagungsteilnehmer und zeigte dabei die Stärken, aber auch zukünftige Entwicklungen auf.

Ein Termin für die nächste Tagung steht schon fest: Vom 1. bis 2. Juni 2021 wird es wieder eine Auswahl spannender Themen und Fachleute geben.

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* Christine Krumm, Geschäftsstelle fbmt e.V.

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