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Pharma-Deals Die Top 10 Deals der Pharmabranche im Überblick

Die Pharmabranche ist unter Zugzwang. Seit Jahren entwickeln sich die Umsätze und Gewinne der Pharmariesen rückläufig. Als Ausweg aus der Misere scheinen Übernahmen und Fusionen ein probates Mittel zu sein. Der Pharmaindustrie stehen nach einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young in 2014 Zusammenschlüsse und Zukäufe in Höhe von 265 Milliarden US-Dollar ins Haus. Pharmatec fasst die bisher größten Deals der Branche für Sie zusammen.

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(Bild: apops/Fotolia)

Würzburg – Sinkende Produktpreise, Kostendruck und eine stagnierende Nachfrage in den angestammten Märkten sowie die zunehmende Konkurrenz durch billige Nachahmerprodukte sind die Hauptgründe für die anhaltende Umsatz- und Gewinnschwäche der großen Pharmakonzerne. Allein im vergangenen Jahr sank der Umsatz der weltweit größten zehn Pharma-Konzerne um 2,1 % auf knapp 240 Milliarden Euro. Die Folge ist ein immer weiter zunehmender Konzentrationsprozess innerhalb der Branche. Die Liste der zehn größten Pharma-Deals enthält erfolgreiche, noch schwebende sowie bereits gescheiterte Übernahmen.

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Platz 10 – Valeant/Allergan – 49 Milliarden US-Dollar (2014/Ausgang offen)

Der kanadische Pharmakonzern Valeant will den US-amerikanischen Botox-Hersteller Allergan für 46 Milliarden US-Dollar übernehmen. In einem ersten Übernahmeversuch scheiterten die Kanadier jedoch am Veto der Allergan-Führung. Daraufhin wendete sich Valeant mit einem öffentlichen Übernahmeangebot direkt an die Aktionäre von Allergan. Die erste Frist verstrich am 15. August ergebnislos. Lediglich Aktienbesitzer von vier Prozent, der an der Börse gehandelten Aktien, waren zu diesem Zeitpunkt zu einem Verkauf bereit. Daraufhin hat Valeant die Frist bis zum Jahresende zu gleichen Konditionen verlängert.

Platz 9 – Abbvie/Shire – 54,7 Milliarden US-Dollar (2014/abgeschlossen)

Nach langen hin und her übernimmt das US-amerikanische Pharmaunternehmen Abbvie den britischen Konkurrenten Shire. Erst beim insgesamt fünften Angebot stimmte das Management des irischen Orphan-Drug-Spezialisten einem Verkauf an den US-Konzern zu. Die Übernahme kostet Abbvie 54,7 Milliarden US-Dollar.

Platz 8 – Pfizer/Pharmacia – 60,7 Milliarden US-Dollar (2002/abgeschlossen)

Der US-amerikanische Pharmariese Pfizer ist, mit drei erfolgreichen und einer gescheiterten Übernahme, das mit Abstand aktivste Unternehmen in diesem Ranking. 2002 übernahm Pfizer den schwedischen Konkurrenten Pharmacia. Der Kaufpreis betrug 60,7 Milliarden US-Dollar in Aktien. Nach dem Kauf besaß Pfizer zum damaligen Zeitpunkt zwölf Medikamente mit einem Jahresumsatz von jeweils mehr als einer Milliarde US-Dollar.

Platz 7: Sanofi/Aventis – 65,6 Millliarden US-Dollar (2004/abgeschlossen)

Der fanzösische Pharmakonzern Sanofi enstand 2004 aus einer Fusion von Sanofi-Synthélabo und Aventis. Beide Konzerne entstanden ihrerseits bereits aus einer Fusion. Jeweils 1999 wurde aus Sanofi und Synthélabo Sanofi-Synthélabo und aus Hoechst und Rhône-Poulenc wurde Aventis. Bei der Fusion handelt es sich um einen Zusammenschluss unter Gleichen, da der Börsenwert beider Unternehmen vor der Übernahme in etwa gleichauf lag. Kurious ist allerdings, dass das feindliche Übernahmenangebot von Sanofi-Synthélabo aus ging, obwohl Aventis zu diesem Zeitpunkt nach Umsatz mehr als doppelt so groß war. Bis 2011 firmierte Sanofi noch unter Sanofi-Aventis.

Platz 6 – Abbott Laboratories/Abbott/Abbvie – 66,6 Milliarden US-Dollar (2013/abgeschlossen)

Bei der Aufspaltung von Abbott Laboratories handelt es sich um keine herkömmliche Übernahmen oder Fussion. Abbott wurde zum 1. Januar 2013 in die zwei voneinander unabhängigen Unternehmen Abbott und Abbvie aufgeteilt. Abbott ist eine Tochtergesellschaft von Abbott Laboratories und erhält die Sparten Medizintechnik und Generikaproduktion. Abbott Laboratories spaltete zu diesem Zweck ca. 66,6 Milliarden US-Dollar seines Kapitals in Aktien ab. Die Sparten Spezialmedikamente und Biotechnologie gingen inklusive des Arthritis-Medikaments Humira an Abbvie.

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Platz 5 – Pfizer/Wyeth – 68 Milliarden US-Dollar (2009/abgeschlossen)

Für 68 Milliarden US-Dollar hat der US-amerikanische Pharmakonzern Pfizer den US-Rivalen Wyeth gekauft. Zum Zeitpunkt des Kaufs zählten beiden Unternehmen zu den zehn größten Pharmaunternehmen der Welt. Die Übernahme sorgt jedoch auch für Negativ-Schlagzeilen, da Medienberichten zufolge zwischen 13.000-20.000 Arbeitsplätze wegfallen sollten. Seine Spitzenposition als weltgrößtes Pharmaunternehmen verlor Pfizer 2012 an den Schweizer Pharmakonzern Novartis.

Platz 4 – American Home Products/Warner-Lambert – 76 Milliarden US-Dollar (1999/gescheitert)

An vierter Stelle der gröten Pharmadeals steht die erste und einzige gescheiterte Übernahme in der Top 10. 1999 scheiterten die US-Amerikaner von American Home Products mit einem freundlichen Übernahmeangebot an Warner Lambert. Der lange Zeit als sicher geltende Deal scheiterte auf der Schlussgeraden an einem besseren feindlichen Übernahmeangebot von Pfizer (siehe Platz 2 auf der nächsten Seite). American Home Products wurde die Niederlage mit einer Strafzahlung von 1,8 Milliarden US-Dollar zumindest etwas versüsst. Später firmierte American Home Products unter dem neuen Namen Wyeth und wurde 2009 ebenfalls von Pfizer übernommen (siehe Platz. 5).

Platz 3 – Glaxo Wellcome/Smith Kline Beecham – 79 Milliarden US-Dollar (2000/abgeschlossen)

Für insgesamt 79 Milliarden US-Dollar fusionierten die beiden britischen Pharmakonzerne Glaxo Wellcome und Smith Kline Beecham zur Jahrtausendwende miteinander. Der Fusion ging eine ausführliche und elf Monate andauernde Überprüfung der Wettbewerbshüter voraus.

Platz 2 – Pfizer/Warner-Lambert – 89 Milliarden US-Dollar (1999/abgeschlossen)

Nach einer mehrmonatigen Übernahmeschlacht gelang es Pfizer schließlich im Jahre 1999 den US-Rivalen Warner-Lambert zu übernehmen. Der Deal ging für 89 Millionen US-Dollar über den Tisch (zuzüglich 1,8 Milliarden US-Dollar Strafzahlung an American Home Products) und war zu diesem Zeitpunkt die viertgrößte Übernahme der Geschichte. Lediglich Vodafone/Mannesmann, AOL/Time-Warner und MCI Worldcom/Sprint kosteten mehr Geld. Bereits seit 1996 kooperierten Pfizer und Warner Lambert in einem Joint Venture zusammen. Durch das freundliche Übernahmeangebot von American Home Products an Warner Lambert sah Pfizer diese Kooperation jedoch gefährdet und reagierte seinerseits mit einem feindlichen Übernahmeangebot.

Platz 1 – Pfizer/Astra Zeneca – 118 Milliarden US-Dollar (2014/Ausgang offen)

Anfang 2014 sorgt Pfizer mit einem Rekordangebot für den britischen Konkurrenten Astra Zeneca erneut für Aufsehen. Für 99 Milliarden US-Dollar wollten die US-Amerikaner die Briten kaufen. Astra Zeneca lehnte sowohl diese, als auch noch zwei weitere Offerten über 106 und 118 Milliarden US-Dollar ab. Eine feindliche Übernahme kommt seinerseits für Pfizer nicht in Frage. Nach britischen Recht muss Pfizer nun bis Ende 2014 warten. Erst dann kann der Viagra-Hersteller Astra Zeneca ein neues Angebot unterbreiten. Astra Zeneca begründet die Ablehnung einerseits mit dem ihrer Meinung nach zu geringen Kaufpreis sowie der Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen im Vereinigten Königreich.

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Die Top 10 der größten Pharma-Deals im Überblick:

  • 1. Pfizer bietet für Astra Zeneca 106 Milliarden US-Dollar (2014/Ausgang offen)
  • 2. Pfizer übernimmt Warner-Lambert für 89 Milliarden US-Dollar (1999/abgeschlossen)
  • 3. Glaxo Wellcome fusioniert mit Smith Kline Beecham für 79 Milliarden US-Dollar (2000/abgeschlossen)
  • 4. American Home Products bietet für Warner-Lambert 76 Milliarden US-Dollar (1999/gescheitert)
  • 5. Pfizer übernimmt Wyeth für 68 Milliarden US-Dollar (2009/abgeschlossen)
  • 6. Abbott Laboratories spaltet sich für 66,6 Milliarden US-Dollar auf (2013/abgeschlossen)
  • 7. Sanofi fusioniert mit Aventis für 65,6 Milliarden US-Dollar (2004/abgeschlossen)
  • 8. Pfizer übernimmt Pharmacia für 60,7 Milliarden US-Dollar (2002/abgeschlossen)
  • 9. Abbvie übernimmt Shire für 54,7 Milliarden US-Dollar (2014/abgeschlossen)
  • 10. Valeant bietet für Allergan 49 Milliarden US-Dollar (2014/Ausgang offen)

Als Nummer 11 ganz knapp gescheitert ist die Übernahme der amerikanischen Biotech-Firma Genentech durch das Schweizer Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche. Der Deal ging 2008 über die Bühne und kostet Roche 46,7 Milliarden US-Dollar.

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