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EPHJ-EPMT-SMT Die erste Adresse für Medtech-Know-how aus der Schweiz

| Autor: Kathrin Schäfer

285 Medizintechnikzulieferer haben 2016 auf der EPHJ-EPMT-SMT in Genf ausgestellt. Damit ist sie die drittstärkste Fachmesse für Medizintechnik in Europa – gleich nach der Compamed und der Medtec Europe. Mit anderen Worten: Wer für sein Medizinprodukt Schweizer Know-how sucht, kommt an dieser Messe nicht mehr vorbei.

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Drei gutgelaunte Messeveranstalter freuen sich über eine gelungene EPHJ-EPMT-SMT 2016 (v.l.n.r.): Barthélemy Martin von der Palexpo Genf sowie die Messegründer Oliver Saenger und André Colard.
Drei gutgelaunte Messeveranstalter freuen sich über eine gelungene EPHJ-EPMT-SMT 2016 (v.l.n.r.): Barthélemy Martin von der Palexpo Genf sowie die Messegründer Oliver Saenger und André Colard.
(Bild: Schäfer / Devicemed)

Olivier Saenger muss nicht lange überlegen: Im Jahr 2002 hat sie zum ersten Mal stattgefunden, die Messe, die er zusammen mit seinem Geschäftspartner André Colard gegründet hat. Ursprünglich eine Veranstaltung nur für die Uhrenindustrie, hat sich die EPHJ-EPMT-SMT über die Jahre zu einer polytechnischen Fachmesse gemausert. Mittlerweile sind die Mikrotechnik und die Medizintechnik als Zielbranchen hinzugekommen.

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92 Aussteller waren es damals, im ersten Messejahr, fast zehnmal so viele, nämlich 881, sind es heute, zum 15-jährigen Jubiläum. Es ist die wichtigste Fachmesse der Schweiz, sagen die Veranstalter Oliver Saenger, André Colard und Barthélemy Martin. Mit der Verlegung der Messe von Lausanne nach Genf ist Martin 2012 als Projektleiter der Messegesellschaft Palexpo Genf dazugestoßen. Die Freude über den Erfolg sieht man den dreien an, obwohl sie während der Messe alle Hände voll zu tun haben. Denn sie alle sieht man in regelmäßigen Abständen auf den Fluren, mal entspannt im Gespräch, mal eilig, immer jedoch mit einem Telefon bewaffnet, um sich um der anfallenden Anliegen von Ausstellern anzunehmen.

Und so fing alles an ...

Doch wie fing es 2002 eigentlich an, möchte ich wissen. Oliver Saenger und Barthélemy Martin haben am ersten Messetag tatsächlich noch Zeit für ein Hintergrundgespräch gefunden. Die ursprüngliche Idee, eine eigene Messe zu gründen, stammte von André Colard, verrät Saenger, und zwar lange, bevor die erste EPHJ tatsächlich ihre Tore geöffnet hat. In den 80er Jahren, um genau zu sein, als Colard noch ein Zulieferunternehmen für die Uhrenindustrie leitete, kam er auf Saenger zu. Knapp 20 Jahre allerdings brauchte es, bis die Idee, bis der Plan reif war, bis Colard seine eigene Firma verkaufte und in Beaulieu, Lausanne, eine neue, eigene Messe auf die Beine stellte. 2001 schließlich fiel die Entscheidung, und auf einmal ging alles ganz schnell. Nur ein Jahr blieb für die Vorbereitung, um „diese Lücke in der schweizerischen Messelandschaft“ zu schließen, wie Saenger es formuliert. Dass dieser Schritt richtig war, zeigt die Bilanz der letzten 15 Jahre: 2007 wurden die Mikrotechnologien thematisch in die Messe aufgenommen, 2012 die Medizintechnik mit der SMT, eine Abkürzung, die für Swiss Medical Technologies steht.

Uhrenindustrie und Präzisionstechnik befruchten die Medizintechnik

Der Umzug 2012 auf das Messegelände am Genfer Flughafen brachte nicht nur die Medizintechnik mit an Bord, er legte auch den Grundstein für weiteres Wachstum. Warum es gerade diese Zielbranchen, diese Technologien sind? „Wir wollten, dass man die Synergien zwischen den drei Technologiebereichen versteht und auch nutzt“, erklärt Martin. Und in der Tat, auf der Messe findet sich eine Vielzahl an Firmen, die in der Medizintechnik tätig sind, auch wenn sie nicht auf der für sie ausgeflaggten Fläche, der SMT, präsent sind. Da sind beispielsweise Antriebsspezialisten wie Maxon Motor oder Dr. Fritz Faulhaber zu nennen; der Messtechnikanbieter Keyence, Trumpf mit seinen Lasermarkiersystemen, Stäubli mit Roboterlösungen, Chiron und Kern Microtechnik mit Maschinen zur Metallbearbeitung. Medipack oder Multivac als Vertreter der Verpackungsindustrie – und viele mehr.

Ein Rehabilitationsroboter trifft auf großes Besucherinteresse

Auf der SMT vertreten sind größtenteils Firmen beziehungsweise Divisionen aus Frankreich und der Schweiz. Darunter das Start-up Femtoprint, das für seine 3D-Drucklösung den Ausstellerpreis 2015 gewonnen hat, sowie Lambda Health System; letzteres ebenfalls ein Start-up, das 2016 für den Ausstellerpreis nominiert wurde, es aber leider nicht aufs Siegertreppchen geschafft hat.

Unabhängig davon ist die Technologie dieses Spin-offs aus dem Universitätsspital Lausanne (CHUV) eine vielversprechende Innovation, die sich aktuell in der Phase klinischer Bewertung befindet: Der Rehabilitationsroboter Lambda unterstützt Patienten beim Training der Beine. Seine Besonderheit besteht darin, dass er dazu nicht programmiert werden muss, vielmehr erlernt die Software die Bewegungen beim Training durch den Therapeuten. Letztere, das heißt Therapeuten in der Neurorehabilitation, der Geriatrie und der Orthopädie, soll er dennoch nicht ersetzen, sondern unterstützen, denn seine Arbeit beginnt dann, wenn der Therapeut die Übungen angeleitet hat. Im Gegensatz zum menschlichen Trainer wird der Roboter nicht müde – und kann unendlich viele Trainingseinheiten mit dem Patienten absolvieren. Als Trainingsplattform ist er sowohl einfach zu handhaben als auch robust in der Ausführung. Schließt man zusätzlich noch einen Bildschirm an, können Spiele beziehungsweise virtuelle Welten das Training zusätzlich unterstützen. Auf dem Markt gebracht werden soll der Lambda 2018, und zwar zunächst in der Schweiz, in Frankreich und in Deutschland. Bereits jetzt arbeiten die Erfinder an der Industrialisierung und der CE-Kennzeichnung.

Der Flughafen Genf garantiert ein internationales Publikum

Lamdba Health System ist 2016 einer von in diesem Jahr 285 Ausstellern, die für die oder in der Medizintechnik tätig sind – 30 Aussteller oder 11 Prozent mehr als im letzten Jahr. Die Sichtbarkeit speziell dieser Firmen auf der Messe zu erhöhen, dies ist laut Saenger ein Ziel, das sich die Veranstalter auf die Fahnen geschrieben haben. Der Standort Genf kommt ihnen dabei zugute: In der umliegenden, französischsprachigen Schweiz sind viele Medtech-Zulieferer ansässig. Die unmittelbare Nähe zum Genfer Flughafen – das Messegelände ist zu Fuß in nur zehn Minuten erreichbar – fördert außerdem die Internationalität der Besucher, während 80 Prozent der 881Aussteller aus der Schweiz stammen. Mehr als 20.000 Fachbesucher hat die EPHJ-EPMT-SMT 2016 gezählt.

Podiumsdiskussionen greifen die großen Themen der Medizintechnik auf

Ergänzt wird die Ausstellung durch Konferenzen, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Podiumsdiskussionen im Rahmen sogenannter Runder Tische greifen Trendthemen wie den 3D-Druck in der Medizintechnik oder die Situation des Medtech-Marktes auf. Alles in allem also eine runde, gelungene Veranstaltung. Medizintechnikfirmen, die Zulieferer, Ausrüster oder Dienstleister aus der Schweiz suchen, sollten sich das nicht entgehen lassen – und sich den 20. bis 23. Juni 2017 schon einmal im Kalender notieren. Denn dann findet in Genf die nächste EPHJ-EPMT-SMT statt.

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