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Deutsche Unternehmen sind nicht mehr Vorreiter in der Additiven Fertigung

| Redakteur: Julia Engelke

Laut einer aktuellen Studie von Ernst & Young sind deutsche Unternehmen nicht mehr die Vorreiter für additive Technologien, die sie einst waren. Vor allem die asiatischen Industrieländer haben Deutschland überholt.

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Laut einer aktuellen Studie sind Deutsche Unternehmen nicht mehr Spitze in der Anwendung additiver Technologien.
Laut einer aktuellen Studie sind Deutsche Unternehmen nicht mehr Spitze in der Anwendung additiver Technologien.
(Bild: unsplash)
  • 63 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen additive Technologien
  • Förderung in China und Skepsis in Deutschland
  • Vorteil: bessere, auf die Kundenanforderungen abgestimmte Produkte, Nachteil: zu hohe Materialkosten

Beim 3D-Druck haben deutsche Unternehmen ihre Vorreiterrolle wohl vorerst eingebüßt. Obwohl bereits 63 Prozent der Unternehmen hierzulande additive Technologien nutzen – eine deutliche Steigerung zur vorherigen Befragung im Jahr 2016, bei der nur 37 Prozent diese nutzten. Allerdings reichte dieser Anteil 2016 noch aus, um unter den Industrienationen eine führende Rolle einzunehmen – damals setzten im Schnitt nur 24 Prozent den 3D-Druck ein.

Förderung in China und Skepsis in Deutschland

Heute sieht das anders aus: Viele, vor allem asiatische, Industrienationen haben Deutschland mittlerweile überholt. Heute wenden im Durchschnitt bereits 65 Prozent der Unternehmen weltweit additive Technologien an. Die asiatischen Länder Südkorea (81 Prozent) und China (78 Prozent) sind führend. Aber auch kanadische Unternehmen sind mit 77 Prozent schon deutlich weiter.

Also nehmen zunehmend andere Nationen am weltweiten Gesamtmarkt teil, welcher in den vergangenen Jahren stetig gewachsen ist – allein von 2016 auf 2018 um etwa 58 Prozent auf 9 Mrd. US-Dollar. Für das Jahr 2019 wird mit einem Anstieg um 24 Prozent und damit auf 11,2 Mrd. US-Dollar gerechnet.

Aktuell weisen 63 Prozent der deutschen Unternehmen Erfahrung mit 3D-Druck auf, 2016 waren es nur 37 Prozent.
Aktuell weisen 63 Prozent der deutschen Unternehmen Erfahrung mit 3D-Druck auf, 2016 waren es nur 37 Prozent.
(Bild: VCG)

Gerade in China wird Additive Fertigung als eine der klaren Prioritäten in der wirtschaftspolitischen Strategie auf Landesebene festgelegt. Die Priorisierung in China führt zu einer umfassenden finanziellen Förderung von 3D-Druck, welche es hierzulande nicht gibt. Vom 3D-Boom in Fernost profitieren allerdings auch deutsche Druckerhersteller, weil sie ihren Absatz in China deutlich steigern können. In Deutschland wird noch viel getestet – verglichen mit anderen Nationen sind die die hiesigen Unternehmen noch nicht so stark in die Anwendung für Endprodukte eingestiegen. Dies liegt wohl zumindest teilweise auch an einer generellen Skepsis und Zurückhaltung in Deutschland gegenüber neuen Technologien.

Welche Vorteile sehen die Unternehmen?

Als erstes nennen die befragten Unternehmen bessere, auf die Kundenanforderungen abgestimmte Produkte (43 Prozent), effizientere Forschung und Entwicklung (38 Prozent) sowie eine effizientere Ersatzteilbeschaffung (33 Prozent) als Vorteile der Additiven Fertigung.

In den Bereichen Logistik und Produktentwicklung sehen die Unternehmen die größten Entwicklungen. Während aktuell nur 26 Prozent der Unternehmen Vorteile bei der Reduzierung von Transport und Lagerbeständen sehen, glauben 56 Prozent, dass sie in diesen Bereichen von der Additiven Fertigung profitieren werden. Die Mehrzahl der Unternehmen geht also davon aus, dass sie durch AM ihren Logistikaufwand senken werden. Aktuell geben 17 Prozent der Unternehmen an, von niedrigeren Produktionskosten zu profitieren, weil sie 3D-Druck einsetzen. Jedoch vermuten 53 Prozent aller Befragten, dass sie ihre Produktionskosten in den nächsten 3 Jahren mit der neuen Technologie senken werden.

Woran scheitert die Einführung von Additiver Fertigung?

Trotz der genannten Vorteile scheitert die Einführung der Additiven Fertigung häufig noch am Geld. Tatsächlich geben 90 Prozent der Unternehmen an, dass die Materialkosten eine zu hohe Belastung darstellen. Außerdem nennen 87 Prozent die Anschaffungskosten der Drucksysteme als K.O.-Kriterium. Aber auch mangelnde Fachkenntnisse (50 Prozent) im eigenen Unternehmen verhindern nicht selten die Umsetzung von AM.

Life Science und Chemie setzen auf 3D

Bei der Herstellung von Fertigbauteilen ist die Anwendung des 3D-Drucks seit 2016 stark gestiegen: Vor drei Jahren gaben nur 5 Prozent an, ihre Endprodukte mithilfe additiver Technologie herzustellen. Im Jahr 2019 fertigen bereits 18 Prozent ihre Endprodukte additiv. Besonders weit sind die Life-Science- und die Chemiebranche (jeweils 22 Prozent) sowie die Luftfahrtbranche (18 Prozent). Bis 2022 wollen sogar 46 Prozent Additive Fertigung in der Endproduktion einsetzen.

Große Schritte - keine Revolution

Die aktuelle Erkenntnisse von Ernst & Young machen wieder einmal deutlich, dass die Additive Fertigung in der Realität angekommen ist. Knapp zwei Drittel der Unternehmen in führenden Industrieländern haben bereits Erfahrungen mit der Technologie gesammelt. Außerdem wird klar, dass 3D-Druck seine Kinderschuhe abgestreift hat und zunehmend in die Endproduktion drängt. Immerhin 18 Prozent stellen bereits Endprodukte mit additiver Technologie her. Aber die große additive Revolution kann noch nicht ausgerufen werden. Gemessen am Welthandelsvolumen (19.476 Mrd. Dollar in 2018) ist das Volumen der additiven Branche (9 Mrd. Dollar in 2018) immer noch verschwindend gering. In vielen Branchen verdrängt AM auch nicht die herkömmlichen Verfahren, sondern ergänzt diese - bisher.

Zum Global 3D Printing Report: Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) befragte für den Report insgesamt 900 Unternehmen in ausgewählten Ländern, davon 222 in Deutschland.

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Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf unserem Schwesterportal Mission Additive.

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