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Lage der Medtech-Branche

Deutsche Medizintechnik lässt sich nicht ausbremsen

| Autor/ Redakteur: Autorin | Kathrin Schäfer / Kathrin Schäfer

Die Medizintechnikbranche in Deutschland erwartet für 2013 ein Umsatzwachstum von gerade einmal 2,6 Prozent. Das globale historische Wachstum ist von jährlich 7 auf 4 Prozent zurückgegangen. Worauf lässt sich dies zurückführen? Werden deutsche Hersteller ausgebremst? Und was können Medizintechnik-Unternehmen tun, um ihre Lage zu verbessern?

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Stichwort Telemedizin: Branchen-Experten sehen hier für Medizintechnik-Unternehmen einen Wachstumsmarkt. Sollten sie Recht behalten, könnte das für strahlende Gesichter nicht nur bei Patienten sorgen.
Stichwort Telemedizin: Branchen-Experten sehen hier für Medizintechnik-Unternehmen einen Wachstumsmarkt. Sollten sie Recht behalten, könnte das für strahlende Gesichter nicht nur bei Patienten sorgen.
(Bild: BVMed-Bilderpool)

Nicht nur die Wirtschaftszahlen könnten besser sein: Nimmt man die mediale Berichterstattung als Maßstab, so war 2013 kein gutes Jahr für die Medtech-Industrie: Der Brustimplantate-Skandal, durch kriminelle Machenschaften verursacht, hat stark dazu beigetragen, dass Medizinprodukte in der Öffentlichkeit eher als risikobehaftet denn als hochwertige Innovationen mit neuen Heilungschancen wahrgenommen werden. Branchen-Insider reagieren verärgert, wenn sie in Sendungen wie der ARD-Reihe Plus-Minus hören, ein Haarfön werde intensiver getestet und geprüft als ein Medizinprodukt.

Und auch das politische Umfeld kann man zurzeit nicht als ideal bezeichnen: Die geplante EU-Medizinprodukte-Verordnung sorgt bei vielen Unternehmen für Verunsicherung, wenn nicht gar für Unmut. Dies belegt beispielsweise das Positionspapier von zirka 350 Medizintechnik-Unternehmen aus Südwestdeutschland. Zusammen mit der Clusterorganisation Medical Mountains und der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg haben sie Abgeordnete des Europaparlaments auf Mängel in der geplanten Verordnung hingewiesen. Da überrascht es kaum, wenn der BVMed-Vorstandsvorsitzende Dr. Meinrad Lugan zu dem Schluss kommt: „Die Medizintechnik-Branche in Deutschland hat eigentlich beste Startbedingungen, wird aber derzeit durch immer mehr äußere Faktoren ausgebremst.“ Was meint er damit?

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Schlechte Bedingungen ...

In Deutschland seien nicht nur die Forschungsbedingungen gut, sagt Lugan, es gebe auch sehr gut ausgebildete Ärzte und Ingenieure, die eng zusammenarbeiteten. Die mittelständisch geprägte Branche investiere viel in Forschung und Entwicklung, und die Medizintechnik liege bei Patentanmeldungen auf Platz 1 aller Rankings – nicht nur, was die Anmeldung, sondern auch was die Umsetzung von Patenten angeht. Auch wenn er in der Politik durchaus den guten Willen sehe, die mittelständische Branche zu fördern und die Einführung von Innovationen zu beschleunigen, sagt Lugan: „Die Rahmenbedingungen für die Medizinprodukte-Unternehmen haben sich in Europa und speziell in Deutschland in der letzten Zeit zunehmen verschlechtert.“

... und mögliche Ursachen

Diese Einschätzung untermauern die Ergebnisse der BVMed-Herbstumfrage, an der sich 111 Mitgliedsunternehmen des Verbands beteiligt haben. Nach Informationen von BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt ist die Gewinnentwicklung der Medtech-Unternehmen weiter rückläufig. Nur noch ein Viertel der Unternehmen erwartet in diesem Jahr in Deutschland ein besseres Gewinnergebnis. Über ein Drittel erwarten zurückgehende Gewinne. Hemmnisse sehen die Unternehmen vor allem im Erstattungsbereich. 64 Prozent beklagen den zunehmenden Preisdruck durch Einkaufsgemeinschaften. 44 Prozent der Unternehmen kritisieren die innovationsfeindliche Politik der Krankenkassen, 38 Prozent das insgesamt zu niedrige Erstattungsniveau in Deutschland. Kritisiert wird auch, dass die Patienten durch die negative öffentliche Diskussion über Medizinprodukte zunehmend verunsichert sind. Soweit die Situation in Deutschland.

Besser entwickelt sich laut BVMed mit rund 4,4 Prozent die weltweite Umsatzentwicklung. Auch Tobias Weiler, Geschäftsführer des Industrieverbands Spectaris, konstatiert anlässlich der Fachmessen Compamed und Medica: „Wachstumsimpulse erwarten wir wieder durch das Auslandsgeschäft. Angesichts der grundsätzlich positiven Konjunkturaussichten für 2014 und der nach wie vor anhaltend hohen Nachfrage nach Medizintechnik aus den Schwellenländern wird ein Exportzuwachs um rund vier Prozent erwartet.“

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