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Industrieforschungsgemeinschaft Konrad Zuse

Bündnis externer Forschungspartner für den Medtech-Mittelstand

| Redakteur: Peter Reinhardt

Nachweisverfahren für hochinfektiöse Erkrankungen, antibakteriell wirkende Heilmittel oder künstlicher Organersatz: Die Institute der Deutschen Industrieforschungsgemeinschaft Konrad Zuse liefern entscheidende Impulse für neue medizintechnische Lösungen und Produkte. Speziell mittelständische Branchenunternehmen können damit ihr Überleben sichern.

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Glücksmoment bei 35 °C im Sicherheitslabor in Guinea: Der erste positive Ebola-Schnelltest liegt vor.
Glücksmoment bei 35 °C im Sicherheitslabor in Guinea: Der erste positive Ebola-Schnelltest liegt vor.
( Bild: FZMB )

Geräte und Materialien mit präventiv, diagnostisch oder therapeutisch nutzbaren neuen Eigenschaften werden in Krankenhäusern, Praxen und Reha-Einrichtungen in wachsender Zahl benötigt – den Herstellern eröffnen sie vielfältige Marktchancen. Die 68 Gründungsinstitute der Zuse-Gemeinschaft, darunter mehrere mit interdisziplinärer Medizintechnkkompetenz, schaffen als Forschungspartner des Mittelstandes einen Teil des notwendigen technologischen Vorlaufs. Unter dem Dach des Wissenschaftsverbandes arbeiten derzeit in zwölf Bundesländern über 5.000 Wissenschaftler an einer Vielzahl zeitnah industriell umsetzbarer Entwicklungsprojekte.

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Erfolg im Kampf gegen die Ebola-Seuche

Besonders spektakulär ist das erfolgreiche Projekt eines Mitgliedsinstituts an der Ebola-Seuche in Westafrika vergangenen Jahres: Wissenschaftler des Forschungszentrums für Medizintechnik und Biotechnologie FZMB in Bad Langensalza entwickelten ein Testverfahren, mit dem sich eine Infektion binnen Minuten gesichert feststellen lässt: „Nach erfolgreicher Validierung vor Ort ist der auch kostenseitig alternativlose Ebola-Test nun weltweit verfügbar“, informiert Dr. Peter Miethe. Derzeit forschen die Mitarbeiter daran, die Sensitivität weiter zu erhöhen, um eine gesicherte Aussagen bereits nach zwei statt bisher vier Tagen ab Krankheitsausbruch beim Patienten zu ermöglichen. Perspektivisch könnten neben Blut auch andere Körperflüssigkeiten einen Nachweis erlauben, zeigt sich der FZMB-Chef zuversichtlich.

Weniger Tote durch multiresistente Keime

Nicht weniger schlagzeilenträchtig dürfte das folgende Forschungsprojekt im Falle einer erfolgreichen Umsetzung sein: Ein Beschichtungsverfahren zur nachträglichen antibakteriellen Ausstattung von Medizinprodukten soll die Zahl der Todesfälle durch multiresistente Keime und infizierte Wunden verringern: „Mit unserer Atmosphärendruck-Plasmabestrahlung lassen sich Pflaster, Wundauflagen oder Kompressionsverbände in der Produktion und auch nachträglich mit einer nur 30 bis 50 nm starken antibakteriellen Schicht versehen“, erläutert Sebastian Spange vom Technologieentwickler Innovent in Jena. Geringster Materialbedarf beim Wirkstoff verbinde sich mit einer besseren Freisetzungskontrolle über den gezielten Schichtaufbau. Die Herstellungskosten könnten dabei geringer als jene vergleichbarer klassischer Wundauflagen ausfallen.

Medizin-textile Forschungsschwerpunkte

In der Laser- und Medizintechnik GmbH, Berlin, wird derzeit der Prototyp eines optischen Sensors zur nicht invasiven Bestimmung des Hämoglobin-Gehalts von Blutkonserven getestet. Ein Sensor zur Prüfung der Alterung von Blut vor Transfusionen geht demnächst bereits in Serie. Zuse-Institute wie das ITV Denkendorf mit medizin-textilen Forschungsschwerpunkten beschäftigen sich in diesem Zusammenhang unter anderem mit faserbasierten Implantaten oder, wie das DTNW Krefeld, in einem Projekt mit Gewebeersatz für die Augenmedizin. Am Sächsischen Textilforschungsinstitut Chemnitz wird an neuartigen Werkstoffen für Krankenhaus-Wäsche geforscht. Hier geht es um Themen wie Antidekubitus-Bekleidung oder Smart-Textile-Bettwäsche.

Zuse als dritte deutsche Wissenschaftssäule

Besondere Industrienähe, schneller Ergebnistransfer und gute regionale Vernetzung: Die zur dritten Säule des Wissenschaftssystems vereinten gemeinnützigen Zuse-Institute, derer es bundesweit rund 130 gibt, konzentrieren sich inhaltlich vor allem auf Forschungsfelder, die sich mit der Hightech-Strategie der Bundesregierung, einschließlich dem „Strategieprozess Innovationen in der Medizintechnik“, decken.

Jedoch wird das Potenzial der flexiblen F&E-Dienstleister überregional bislang kaum wahrgenommen. Das soll sich ändern: „Unter dem Zuse-Dach bündeln wir Kompetenzen und schaffen Synergien; zugleich hat der Mittelstand erstmals direkten Zugriff auf ein abrufbares, riesiges Forschungspotenzial zur Lösung drängender betrieblicher Herausforderungen“, erläutert Dr. Bernd Grünler, Innovent-Chef und Vizepräsident der Gemeinschaft. Er hält die Verzahnung zwischen Industrie und marktnaher Forschung für „überlebenswichtig für den innovationsorientierten deutschen Mittelstand“.

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