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Wachstumsmarkt Bis 2020 vier Billionen US-Dollar Umsatzplus im Gesundheitsmarkt

Redakteur: Kathrin Schäfer

Der technische Fortschritt, die alternde Gesellschaft und der steigende Wohlstand in den Schwellenländern lassen die Umsätze im Gesundheitsmarkt bis 2020 um vier Billionen US-Dollar auf insgesamt zehn Billionen US-Dollar steigen. Dies ist das Ergebnis einer Langfristprognose der Managementberatung Bain & Company.

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„Es geht in Zukunft nicht mehr um die bestmögliche Behandlung, sondern um die bestmögliche Behandlung zu den bestmöglichen Kosten“, Norbert Hültenschmidt von Bain & Company über die Zukunft des Gesundheitsmarktes
„Es geht in Zukunft nicht mehr um die bestmögliche Behandlung, sondern um die bestmögliche Behandlung zu den bestmöglichen Kosten“, Norbert Hültenschmidt von Bain & Company über die Zukunft des Gesundheitsmarktes
(Bild: Bain)

Demnach ist die steigende Nachfrage nach Therapien, Therapeutika und anderen Gesundheitsdiensten einer von acht strukturellen Trends, die bis zum Jahr 2020 zu einem Anstieg des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 40 Prozent auf 90 Billionen US-Dollar führen werden.

Das weltweite Wachstum hält an

Die öffentlichen Kassen sind leer, die Beiträge zur Krankenversicherung hoch und die Aussichten auf neue Blockbustermedikamente gering. Dennoch hält das Wachstum im weltweiten Gesundheitsmarkt an. Bis 2020 werden die Umsätze um 66 Prozent oder vier Billionen US-Dollar auf zehn Billionen US-Dollar steigen. Dieses Wachstum entfällt je zur Hälfte auf die Industrie- sowie auf die Schwellen- und Entwicklungsländer.

Mit durchschnittlichen Steigerungsraten von bis zu 15 Prozent pro Jahr entwickeln sich die Märkte in Asien, Afrika und Lateinamerika zwar dynamischer, doch ändert das nichts an der Dominanz des Westens. So werden die Gesundheitsausgaben in den USA pro Kopf von 8.400 US-Dollar im Jahr 2010 auf 12.300 US-Dollar 2020 zulegen. In den BRIC-Staaten steigen sie im gleichen Zeitraum von 200 auf 500 US-Dollar, und in den Entwicklungsländern von 100 auf 400 US-Dollar.

Dieser Unterschied lässt sich nur zum Teil auf das bestehende Wohlstandsgefälle zurückführen. „In Märkten wie China kann das Gesundheitsangebot noch nicht mit der explodierenden Nachfrage Schritt halten“, sagt Dr. Norbert Hültenschmidt, Partner bei Bain & Company und Leiter der weltweiten Healthcare-Praxisgruppe.

Wachsende Ausgaben in den Industriestaaten

Ein weiterer zentraler Faktor für den weltweiten Aufschwung im Gesundheitsmarkt sind die unverändert wachsenden Ausgaben in den Industriestaaten – trotz leerer Staatskassen. Die Bain-Studie nennt drei Gründe dafür: Erstens geht die anhaltende Alterung der westlichen Gesellschaft und die Ausbreitung von Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und Fettleibigkeit mit steigenden Behandlungs- und Arzneimittelkosten einher.

Zweitens verbessert der technische Fortschritt die Möglichkeiten, einst unheilbare Krankheiten wie Krebs zu therapieren. Und drittens fördert das höhere Gesundheitsbewusstsein der Menschen ihre Bereitschaft, Annehmlichkeiten wie Massagen oder Vitaminpräparate aus eigener Tasche zu zahlen.

Mehr Veränderungen als in den letzten 50 Jahren

Angesichts der Finanznot der öffentlichen Hand wird es in den kommenden Jahren zu weitreichenden Anpassungen im Gesundheitssektor der Industriestaaten kommen. „In den nächsten Jahren werden wir mehr Veränderungen im Gesundheitswesen sehen als jemals zuvor“, ist Bain-Experte Hültenschmidt überzeugt.

So werden die ständig aktuelle, persönliche Patientenakte und integrierte Behandlungssysteme kostspielige Doppeluntersuchungen vermeiden und die Effizienz des gesamten Systems dramatisch verbessern. Zudem hält ein striktes Kosten-Nutzen-Denken in Kliniken, Arztpraxen und bei Versicherern Einzug. „Es geht in Zukunft nicht mehr um die bestmögliche Behandlung, sondern um die bestmögliche Behandlung zu den bestmöglichen Kosten“, sagt Norbert Hültenschmidt.

Darauf werden schon die Patienten achten, die einen immer höheren Teil der Kosten selber tragen müssen. „Die Marktmacht der Patienten wächst und verändert die Spielregeln im gesamten Gesundheitssektor“, so Hültenschmidt. „Egal ob Versicherer, Pharmahersteller oder Arzt, sie alle müssen sich wesentlich stärker an den Bedürfnissen ihrer Kunden, den Patienten, ausrichten.“

Die größere Marktmacht der Patienten in den Industriestaaten und das wachsende Kostenbewusstsein ändern jedoch nichts an der Tatsache, dass der Gesundheitsmarkt weiterhin schneller wachsen wird als die Gesamtwirtschaft. Zu groß ist der Bedarf einer alternden Gesellschaft und zu rasant der technische Fortschritt. In diesem Markt bildet sich aber eine „völlig neue Gesundheitsarchitektur“, wie Hültenschmidt sie nennt, „mit neuen Strukturen, neuen Technologien und neuen Geschäftsmodellen“ heraus.

Kontakt:

Bain & Company Germany

D-80335 München

www.bain.de

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