Messe Düsseldorf

Aufbruchsstimmung: Medica/Compamed 2018 präsentiert Digitalisierung als Zugpferd für die Medizintechnikbranche

| Autor / Redakteur: Kathrin Schäfer / Peter Reinhardt

Der Countdown läuft. Am Montag beginnt die Medica/Compamed 2018.
Der Countdown läuft. Am Montag beginnt die Medica/Compamed 2018. (Bild: ctillmann / Messe Düsseldorf)

Mit 5.200 Firmen ist die Anzahl der Aussteller auf der Medica 2018 so hoch wie nie zuvor. Und auch die Compamed darf sich über rund 800 ausstellende Unternehmen freuen. „So viele hatten wir noch nie“, verkündet Horst Giesen, Global Portfolio Director Healthcare & Medical Technologies der Messe Düsseldorf, auf der Vorpressekonferenz zur weltgrößten Medizinmesse sowie deren Zuliefermesse.

  • Digitalisierung und Dematerialisierung dominieren das Geschehen
  • In Medizintechnikunternehmen muss Digitalisierung Chefsache werden
  • Neu: Konferenz 3D fab+print Additive Manufacturing Conference

Was die Branche selbst angeht, so sei die Medizintechnikbranche zurzeit „trotz Investitionsstau und Sparzwängen in Aufbruchsstimmung“, so Giesen. Der nach wie vor sehr dynamische Markt kann momentan ein Inlandswachstum von 4 Prozent sowie weltweit von 9 Prozent verzeichnen. Dennoch, Krisenregionen wie der Iran, die Situation in der Türkei sowie die Entwicklungen in den USA machten das internationale Geschäft nicht einfacher, so Giesen.

Zentrale Themen der Medica/Compamed 2018

Zentrale inhaltliche Themen sowohl der Medica als auch der Compamed sind in diesem Jahr die Digitalisierung sowie die Dematerialisierung. „Zwar ist die digitale Transformation auf der Messe nicht neu, doch jetzt nimmt sie so richtig an Fahrt auf“, verdeutlicht Giesen. Während die meisten mit dem Begriff einer digitalisierten Gesundheitswirtschaft etwas anfangen können, ist das Thema Dematerialisierung erklärungsbedürftig. Gemeint ist, dass Medizingeräte immer kleiner, leiser, schneller und einfacher zu bedienen werden. „Dies gilt auch für die in den Geräten verbauten Komponenten, wie beispielsweise Sensoren“, ergänzt Dr. Thomas Dietrich, Geschäftsführer des IVAM Fachverbands für Mikrotechnik, der in Halle 8a den größten Produktmarkt der Compamed organisiert. Mit der ganztägigen englischsprachigen Konferenz 3D fab+print Additive Manufacturing Conference, an der sich Unternehmen wie Trumpf oder Evonik beteiligen, greift die Compamed außerdem das Thema additive Fertigung auf.

Ein Drittel der Umsätze mit digitalen Produkten erwirtschaften

Jörg Mayer, Geschäftsführer des Fachverbands Spectaris, stellt wenige Tage vor Messebeginn die Ergebnisse einer aktuellen Studie zur Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft vor, die der Verband mit der Unternehmensberatung Roland Berger durchgeführt hat. „Wir haben festgestellt, dass die Digitalisierung das Zugpferd für die Medizintechnik sein wird – und damit auch für die gesamte Gesundheitswirtschaft“, fasst er zusammen.

Bereits in zehn Jahren sollen Medizintechnikunternehmen ein Drittel ihrer Umsätze mit digitalen Produkten erwirtschaften, so die Prognose einer aktuellen Studie von Spectaris und der Unternehmensberatung Roland Berger.
Bereits in zehn Jahren sollen Medizintechnikunternehmen ein Drittel ihrer Umsätze mit digitalen Produkten erwirtschaften, so die Prognose einer aktuellen Studie von Spectaris und der Unternehmensberatung Roland Berger. (Bild: Spectaris)

Bereits in zehn Jahren, nämlich 2028, sollen Medizintechnikunternehmen ein Drittel ihrer Umsätze mit digitalen Produkten erwirtschaften, so die Prognose der Studie. Hinzu komme: In der Fertigung können Prozesse dank Digitalisierung effizienter gestaltet werden, was die Entwicklungszeiten für Medizinprodukte verkürzen würde. Damit diese Vision Realität wird, „muss Digitalisierung in Medizintechnikunternehmen Chefsache werden“, so Mayer.

Deutschland braucht ein E-Health-Zielbild

Wie wichtig dieser Effizienzgewinn sein könnte, macht der Redebeitrag von Hans-Peter Bursig deutlich, Geschäftsführer des Fachverbandes Elektromedizinische Technik im Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie ZVEI. Bursig sorgt sich um die Auswirkungen des geplanten Brexit sowie der europäischen Medizinprodukteverordnung. „Die Übergangsfrist für die Medical Device Regulation ist viel zu kurz bemessen. Dies bindet Kapazitäten in den Unternehmen, die bislang für Fertigung und Entwicklung sowie den Vertrieb zur Verfügung standen.“

Zurück zum Zukunftsthema Digitalisierung. In diesem Zusammenhang fordert Bursig: „Deutschland braucht ein E-Health-Zielbild.“ Vollkommen seiner Meinung ist Dr. Thilo Kaltenbach, Senior Partner bei Roland Berger, der von der Politik fordert, „aktiv in eine E-Health-Strategie für Deutschland einzusteigen“. Alle Sprecher auf der Pressekonferenz sind sich einig, dass es dafür in Deutschland eine zentrale Stelle bräuchte, die die elektronische Patientenakte voranbringt und datenrechtliche Standards setzt. Noch scheint es also, als sei die Digitalisierung eine große Summe an Einzelteilen, die nicht zusammen passen. Die notwendige Technik halten Medizintechnikunternehmen sowie deren Zulieferer jedoch bereits vor. Auch wenn zahlreiche Projekte also erst auf dem Weg sind – auf der Compamed und Medica können Besucher zahlreiche technische Lösungen ab Montag in Augenschein nehmen.

Die Medica/Compamed 2018 findet statt vom 12. bis 15. November 2018.

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