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Portrait Angetrieben durch Perfektion und Präzision

Redakteur: Kristin Breunig

Seit 75 Jahren ist Heine Optotechnik ein inhabergeführtes Familienunternehmen. Mittlerweile beschäftigt der Hersteller von Primärdiagnostik-Instrumenten über 500 Mitarbeiter. Die vier Prinzipien, nach denen Helmut A. Heine 1946 das Unternehmen gründete, gelten noch heute.

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Heine Optotechnik feirt 75. Jubiläum. Auch nach einem Dreivierteljahrhundert setzt der Hersteller von Primärdiagnostik-Instrumenten auf das Gütesiegel „Made in Germany“.
Heine Optotechnik feirt 75. Jubiläum. Auch nach einem Dreivierteljahrhundert setzt der Hersteller von Primärdiagnostik-Instrumenten auf das Gütesiegel „Made in Germany“.
(Bild: Heine Optotechnik)

Helmut A. Heine gründet 1946 die Heine & Co. Medizinisch-Physikalische Werkstätten GmbH. Vier Prinzipien legt er seiner Firma zugrunde: Erstens – etwas Bedeutendes machen und so gemeinsam einen relevanten Beitrag für die Gesellschaft leisten. Zweitens – immer das beste Produkt entwickeln und fertigen. Drittens – relevante Komponenten selbst produzieren, um Innovation und beste Qualität sicherzustellen. Viertens – unabhängig bleiben, um immer die richtigen langfristigen Entscheidungen im Sinne der Patienten, Anwender und Mitarbeiter treffen zu können. In Herrsching fertigt der Firmeninhaber zunächst Otoskope und direkte Ophthalmoskope. Im damals noch im Wiederaufbau begriffenen Deutschland sind viele Materialien und Rohstoffe knapp. In der Not recycelt Heine leere Patronenhülsen und fertigt so das erste Diagnostikbesteck.

Das junge Unternehmen beginnt immer mehr Bauteile für die Heine-Instrumente selbst herzustellen und die dazu benötigten Maschinen anzuschaffen. Als die Entwickler 1954 feststellten, dass es Linsen nicht in der Präzision zu kaufen gibt, die benötigt wird, richtet das Unternehmen entsprechend seinen Prinzipien eine optische Werkstatt mit Maschinen für die Linsenproduktion ein. Dort beginnen die Mitarbeiter hochwertige optische Linsen selbst zu schleifen. Heute werden die Heine-Linsen unter Einsatz moderner CNC-gesteuerter Maschinen mit einer Genauigkeit von ± 0,0001 mm hergestellt. Das ist 20-Mal weniger als der Durchmesser eines menschlichen Haares.

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Zukäufe fördern erhöhte Präzision

1971 erwirbt Heine das Unternehmen Zorn. Dieses fertigt bereits Miniatur-Präzisionsglühlampen und LED-Lampen für die Heine-Diagnostikinstrumente, aber auch für weitere Hersteller von Geräten zur Spektralanalyse in Medizin und Technik. Auch benötigte Kunststoffteile kauft das Unternehmen vorerst zu. Doch die auf dem Markt verfügbaren Teile sind Heine nicht präzise genug. Deshalb folgt 1973 der Kauf des auf Formenbau spezialisierten Werkzeug- und Formenbauers Klatt. Durch die Integration in die bestehende Kunststoffspritzerei baut Heine die Kompetenz im Bereich thermoplastische Werkzeuge weiter aus.

1983 entwickelt der Hersteller das erste kopfgetragene indirekte binokulare Ophthalmoskop. Das Omega 100 wiegt 450 g und ist somit das leichteste seiner Art. 1989 ist der Firmengründer nach einem Hautarztbesuch mit der Genauigkeit der Diagnose nicht zufrieden. In Zusammenarbeit mit der Universität München findet Heine heraus, dass unter der Epidermis mehr Informationen lagern. So entwickelt er zusammen mit der Dermatologischen Klinik der Universität München, Professor Dr. Otto Braun-Falco und Professor Dr. Wilhelm Stolz das erste Dermatoskop namens Delta 10. Hiermit lässt sich die Genauigkeit der Diagnose von vormals etwa 55 auf 90 Prozent erhöhen.

Expansion und Generationenwechsel

Bereits im November 1982 expandiert das Unternehmen und gründet in Kitchener/Kanada die Tochterfirma Heine Kanada. Drei Jahre später, 1985, geht die Expansion in Australien weiter. Mit dem Kauf der Firma Caminer Brothers, die bereits seit mehreren Jahren Heine-Instrumente importiert, wird eine Vertriebstochtergesellschaft in Down Under gegründet. 1991 erfolgt die Umfirmierung in Heine Australia PTY. Limited. 1986 bekommt die Geschäftsführung in Deutschland Familienzuwachs. Helmut M. Heine tritt in die Führung der Heine Optotechnik ein. Er baut die Weltmarktführerschaft der Produkte und den internationalen Vertrieb weiter aus. Zwei Niederlassungen im Ausland folgen – 1987 im schweizerischen Neuhausen am Rheinfall und 1990 in den USA. Auch in Amerika wirkt die Familie. Oliver Heine, der Enkel des Firmengründers Helmut A. Heine, wird Area Sales Manager und ist Gründungsmitglied der Heine USA Ltd.

2003 tritt Oliver Heine in die Geschäftsführung der Heine Optotechnik ein und übernimmt die Verantwortung für Vertrieb, Marketing und die Tochtergesellschaften Heine (Schweiz) AG, Heine USA Ltd., Heine Instruments Canada Limited, Heine Australia PTY. Limited, Heine Scandinavia, Cornelius Glas GmbH und Zorn GmbH & Co. KG. 2006 übernimmt er das operative Geschäft der gesamten Gruppe. Seit 2015 ist er alleiniger Geschäftsführer und Firmeninhaber in dritter Generation.

Umzug vor die Tore von München

2020 zieht die Firma vom ehemaligen Stammsitz in Herrsching in eine neu gebaute Unternehmenszentrale in Gilching vor die Tore Münchens. Alle Unternehmensbereiche wie Entwicklung, Werkzeugbau, Optik, Galvanik und andere Fertigungsbereiche sowie die Verwaltung befinden sich hier unter einem Dach. Und das bietet Vorteile. „Wir haben dieses Jahr ein neues kopfgetragenes indirektes Ophthalmoskop auf den Markt gebracht. Ohne die enge interne Verzahnung aller Bereiche von der Entwicklung über den Werkzeugbau bis hin zur Produktion und dem Produktmanagement und Marketing hätten wir das nicht in Rekordzeit schaffen können“, erläutert Oliver Heine. Bereits 2020 kamen mit dem Delta 30 und dem Delta one zwei neue handgehaltene Dermatoskope zum Produktportfolio hinzu.

Prinzipientreue über all die Jahre

Dem Prinzip, möglichst viele Bauteile für Instrumente selbst herzustellen, ist das Unternehmen über all die Jahre treu geblieben. Oliver Heine ist stolz darauf, dass noch immer über 80 Prozent der Einzelteile der Instrumente im Unternehmen gefertigt werden. Viele weitere stammen von Partnerfirmen aus der Region. „Die relative Unabhängigkeit von Zulieferern erlaubt es uns, die Kapazitäten zur Produktion von Bauteilen flexibel und zeitnah nach Bedarf auszubauen“, erläutert er, „auch in der derzeitigen Pandemie-Situation.“ Denn durch die Eigenproduktion ist es möglich, sehr strenge Qualitätsvorgaben einzuhalten sowie neue Produkte schnell auf den Markt zu bringen.

Heine will auch zukünftig Instrumente in den Produktionseinrichtungen am Standort Deutschland entwickeln und fertigen. Dort, wo jahrzehntelange Erfahrung und Handwerkskunst mit modernen Fertigungstechnologien vereint werden. Das Unternehmen ist in über 120 Ländern weltweit vertreten – mit Niederlassungen in Australien, den USA und der Schweiz sowie rund 3.000 Repräsentanten, Importeuren und spezialisierten Fachhändlern.

Weitere Artikel über OEM-Komponenten und Werkstoffe finden Sie in unserem Themenkanal Konstruktion.

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