Aesculap

„An eine Aufspaltung in eine digitale und analoge Welt glauben wir nicht“

| Autor: Peter Reinhardt

„Wie in anderen Branchen auch, wird in der Medizintechnik alles, was digitalisierbar ist, auch digitalisiert werden“, Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, Vorstandsvorsitzender der Aesculap AG.
„Wie in anderen Branchen auch, wird in der Medizintechnik alles, was digitalisierbar ist, auch digitalisiert werden“, Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, Vorstandsvorsitzender der Aesculap AG. (Bild: Aesculap)

Telemedizin ist eines der am meisten gebrauchten Schlagworte, wenn es um die Zukunft der Medizintechnik geht. Und keine Frage: Der Nutzen für die Patienten ist enorm, das Potenzial für Hersteller gewaltig. Doch was tun, wenn man eigentlich analoge Produkte herstellt? „Wir arbeiten intensiv an unserem Portfolio“, erklärt Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, Vorstandsvorsitzender des Branchenprimus Aesculap im Interview mit Devicemed.

Herr Knaebel, Aesculap wurde mit chirurgischen Instrumenten groß. Wie positionieren Sie sich zum Thema Telemedizin?

Die Digitalisierung hat die Medizintechnik und somit auch Aesculap voll erfasst. Neben digitalisierten Produkten, die in vernetzten Produktionen entstehen, kommen digitale Servicelösungen und natürlich auch telemedizinische Lösungen hinzu. Auch die Telemedizin ist bereits sehr vielfältig, wobei es in erster Linie darum geht, die frühere, unmittelbare und enge Beziehung zwischen Arzt und Patient etwas zu lockern, um die Expertenmeinung einerseits besser verfügbar zu machen und andererseits insbesondere dem chronisch kranken Patienten mehr Mobilität zu gewährleisten, da der Arzt die Gesundheitsdaten des Patienten über Apps von überall her einsehen und ihn somit auch stets beraten kann.

Gibt es bei Aesculap bereits Produkte beziehungsweise Lösungen für die Telemedizin?

In der Tat liegen bereits einige Lösungen als marktfähige und vermarktete Produkte vor. Etliche andere Produkte sind aktuell in der Entwicklung. Eines der vermarkteten Produkte ist beispielsweise ein Hirndrucksensor, welcher beim internen Wasserkopf den Hirndruck misst und diese Daten automatisch auf eine Smartphone-Applikation aufspielt. Darüber hinaus wird aktuell der Regelkreis geschlossen, dass auf Basis dieser Informationen dann auch eine Steuerung des Hirndruckventils stattfinden kann. Dies ist nur eines von mehreren Beispielen.

Gibt es auch Überlegungen, bisher analoge Produkte wie Gelenkersatz, Knochenschrauben und Containersysteme zu digitalisieren?

Es sind tatsächlich etliche Ansätze vorhanden, bestehende Produkte oder Implantate mit digitaler Technologie auszustatten. Hierbei folgen wir im Wesentlichen zwei Grundüberlegungen:

1. Können wir über entsprechende Sensorik Daten generieren, die sowohl präventiv, wie in der Rehabilitation, relevante Informationen liefern, um erneute Verletzungen zu vermeiden oder die Rehabilitation zu überwachen?

2. Können über Module, Sensorik und Aktorik nicht nur Daten erhoben werden, sondern automatisch Produkte in ihren Einstellungen angepasst werden, um die für den Patienten in den jeweiligen Situationen möglichst optimale Leistung abzuliefern?

Wird sich die Medizintechnik in eine digitale und eine analoge Welt aufspalten?

An eine Aufspaltung in eine digitale und eine analoge Welt glauben wir aktuell nicht. Vielmehr wird zukünftig, wie in anderen Branchen auch, alles, was digitalisierbar ist, auch digitalisiert werden. Beispielsweise wird ein Standardinstrumentarium mit entsprechenden Sensoren ausgestattet sein, um eine automatische Nachverfolgung und Zählung des Instrumentariums durchführen zu können. Die Bandbreite wird hier bis zu volldigitalen und sich selbst anpassenden beziehungsweise verstellbaren Implantaten reichen.

Aesculap will also am Markt für Telemedizin teilhaben.

Wie bereits oben dargestellt, ist es das erklärte Ziel, die Behandlung für den Arzt komfortabel zu gestalten und dem Patienten mehr Mobilität ohne unmittelbaren Arztkontakt zu ermöglichen. Darüber hinaus muss es Ziel sein, die Expertenmeinung zu bestimmten Situationen rasch, unkompliziert und überall verfügbar zu machen. Dies ist unser Verständnis von Telemedizin und weit mehr als der Austausch oder die konsiliarische Hinzuziehung eines Experten über eine größere Distanz hinweg. Unmittelbare Interaktion zwischen Therapeut und Patienten ist das allumfassende Ziel.

Wir sind überzeugt, dass der digitale Wandel die Medizintechnik allumfassend erfasst und es hier keine andere Option gibt, als die Patienten- und Nutzerfreundlichkeit durch digitale Merkmale erheblich zu erhöhen. Unter diesem und anderen Gesichtspunkten arbeiten wir intensiv an unserem Portfolio und sehen uns für die Zukunft gut gerüstet.

Die Fragen stellte Peter Reinhardt.

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