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Plexus Aftermarket Services: EMS bewahrt Lieferfähigkeit bei Nachfragespitzen

| Autor / Redakteur: Robert Frodl* / Peter Reinhardt

Kommt es bei der Herstellung von Medizinelektronik zu Auftragsspitzen, sind die Fertigungskapazitäten von OEMs schnell erschöpft. So geschehen bei einem Hersteller von Molekulardiagnostik, der beim EMS-Dienstleister Plexus kurzfristig Hilfe für seine Aftermarket Services fand.

Als Experte in den Bereichen Healthcare und Life Science kann Plexus umfassende und integrierte Engineering-Kompetenzen einbringen.
Als Experte in den Bereichen Healthcare und Life Science kann Plexus umfassende und integrierte Engineering-Kompetenzen einbringen.
(Bild: Plexus)
  • Spannungsfeld aus Low Volume und High Mix
  • 250 zusätzliche waren zu viel für den Diagnostiksysteme-Hersteller
  • Gemeinsame Arbeitskultur etablieren

Hersteller von medizinischen Geräten und Systemen agieren auf Grund der steigenden Produktkomplexität und -vielfalt in der Regel unter Fertigungsbedingungen, die geprägt sind vom Spannungsfeld aus Low Volume und High Mix. Kommt es hier durch unvorhersehbare Marktentwicklungen zu Spitzenbedarf, wird diese Ausrichtung auf kleine Stückzahlen schnell zu einer Herausforderung, wie das Beispiel eines europäischen Herstellers im Bereich Molekulardiagnostik zeigt. Der plötzliche Ausbruch einer viralen Infektionskrankheit ließ die Nachfrage nach geeigneten Systemen zur Diagnose sprunghaft in die Höhe schießen. Innerhalb von nur acht Wochen sollten insgesamt 250 Systeme gefertigt und an die Kunden ausgeliefert werden – ein Auftragshoch, das die firmeninterne Fertigungskapazität bei Weitem übertraf.

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Das Unternehmen wandte sich daher an den EMS-Dienstleister Plexus, um sowohl die komplette Fertigung als auch die Aftermarktet Services der Diagnosesysteme langfristig auszulagern. Als Experte in den Bereichen Healthcare und Life Science konnte Plexus seine umfassenden und integrierten Engineering-Kompetenzen einbringen und so den bisherigen Anbieter ablösen. Die langjährigen Erfahrungen in der komplexen Endfertigung von medizinischen Geräten stellten zudem die Zertifizierung der Produkte gemäß FDA Class III sicher.

Die Herstellbarkeit sicherstellen

Um Produktions- und Kosteneffizienz zu erreichen, musste zunächst das ursprüngliche Produktdesign für die Fertigung optimiert werden. Plexus ging dabei in drei Schritten vor:

  • Design for Manufacturing: Auf Basis einer Design-for-Manufacturing-Analyse wurde das Layout von drei Boards angepasst und so das Produktdesign hinsichtlich seiner Fertigungsgerechtigkeit verbessert.
  • RoHS und Obsoleszenz: Eine Überprüfung des Designs unter Berücksichtigung von RoHS und Obsoleszenz führte zum Re-Design von fünf Boards, um die Ergebnisse der Analyse zu implementieren. Neben einer robusten Bauweise und RoHS-Konformität konnte Plexus so auch einen längeren Produktlebenszyklus gewährleisten. Veraltete und damit obsolet gewordene Teile wurden identifiziert und ausgetauscht. Um die Dokumentation zu vervollständigen, übernahm Plexus darüber hinaus die Abwicklung aller Konformitätszertifikate und konnte so dem Entwicklungsteam des Kunden wertvolle Zeit einsparen.
  • Testlösungen: Gemeinsam mit dem Kunden wurde eine umfassende Teststrategie entwickelt, wobei Plexus mithilfe genauer Analysen die Testsequenz optimierte und die Fertigungsprüfung für jede Leiterplatte festlegte.

Täglicher Austausch fördert enge Zusammenarbeit

Damit das Molekulardiagnostik-System die regulatorischen Anforderungen der Medizintechnikindustrie erfüllen konnte, war es notwendig die validierten Prozesse vom Kunden nahtlos auf den Standort von Plexus zu übertragen. Ein Austausch auf beiden Seiten war dafür entscheidend: Zum einen erhielten eigens für den Kunden ausgewählte Plexus-Experten als sogenanntes Customer Focus Team am Standort des OEMs entsprechende Schulungen. Zum anderen begleiteten verantwortliche Mitarbeiter aus der Fertigung und dem Qualitätsmanagement die Arbeit des EMS-Dienstleisters am Standort von Plexus. Dort wurden die Prozesse für die ersten Entwicklungsstufen validiert, um die hohen Qualitätsstandards zu erfüllen.

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Strategischer Ausweg: Electronic Manufacturing Services

Der Innovationsdruck auf OEMs innerhalb der Medizintechnik ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Treiber dessen sind nicht nur die Alterung Bevölkerung und der Kostendruck im Gesundheitswesen, sondern auch technologische Entwicklung rund um das Internet of Things (IoT), E-Health und Smart Devices. Mehr als je zuvor konzentrieren sich die Geschäftsmodelle auf Produktinnovation und Entwicklung, um in einem sich stetig verändernden Marktumfeld nicht an Wettbewerbsfähigkeit einzubüßen.

In diesem Umfeld des schnellen Wandels bietet Outsourcing den OEMs einen strategischen Ausweg, um Zeit und Ressourcen freizusetzen und sich auf das Kerngeschäft zu fokussieren. Dabei lohnt es sich oft nicht nur die Fertigung auszulagern, sondern auch andere Bereiche wie Aftermarket Services in die erfahrenen Hände von EMS-Dienstleistern (Electronic Manufacturing Services) zu geben. Diese sind darauf spezialisiert, Hersteller bei komplexen Produkten zu unterstützen und bieten Zugang zu einem breiten Spektrum an wichtigen Ressourcen, die für die Erfüllung der Kundenanforderungen entscheidend sind. Eigens dafür zuständige Qualitätsingenieure können fortwährend die Einhaltung der regulatorischen Standards überwachen und frühzeitig entsprechend gegensteuern. Hardware- und Softwareingenieure wiederum bringen das nötige Know-how über neue – und möglicherweise für den OEM branchenfremde – Technologien ein, während Industrie-Designer einen Schwerpunkt auf Ergonomie beziehungsweise Human Factor Engineering setzen. Die damit verbundenen Vorteile liegen klar auf der Hand: Hersteller können die gebündelten Ressourcen und Erfahrungen eines EMS für sich nutzen, um qualitativ hochwertige und normgerechte Produkte schneller und kosteneffizienter auf den Markt zu bringen.

Die enge Zusammenarbeit auf täglicher Basis erlaubte es beiden Unternehmen, eine gemeinsame Arbeitskultur zu etablieren, die im weiteren Verlauf auf die Fertigung des Produkts, die fristgerechte Auslieferung sowie der die einzahlte. Die Fertigungsleistungen umfassten die gesamte Leiterplattenbestückung sowie die übergeordnete Bestückung des molekulardiagnostischen Systems. Im Bereich Aftermarket Services bietet der EMS-Dienstleister sowohl Reparaturen für bereits eingesetzte Produkte als auch laufende Dienstleistungen für alle von Plexus hergestellten Produkte an.

Transitionmanagement – Verlagerung in fünf Monaten

Dank eines strukturierten Übergangsmanagements konnte die komplette Fertigung risikofrei und in nur fünf Monaten verlagert werden. Für den nahtlosen Übergang setzte Plexus ein eigenes Transition-Management-Team ein, das alle Prozesse überwachte. Ein Transition Manager – unterstützt von Teams des Kunden und des EMS-Experten – stellte zudem eine reibungslose Kommunikation sicher, trieb die proaktive Planung voran und prüfte bei beiden Teams die Einhaltung von Fristen. Das gab dem Kunden die nötige Sicherheit und ermöglichte das Erstellen eines vollständigen und detaillierten Übergangsplans einschließlich einer Roadmap zur Senkung von Materialkosten sowie der notwendigen Fertigungskapazitäten und Ressourcen während der Entwicklung.

Ein derartiger Projektmanager nimmt eine zentrale Rolle ein. Er steht mit allen Beteiligten im engen Kontakt und stellt damit die entscheidende Verbindung zwischen der Entwicklung und der Fertigung her. So lassen sich Fragen schneller klären und ein optimaler Pfad festlegen, der sicherstellt, dass auch alle Ziele der vordefinierten Übergangsstrategie erfüllt werden. Idealerweise ist er der zentrale Ansprechpartner, vermittelt bei technischen Problemen und behält Kosten, Terminplanung sowie Qualitätsanforderungen im Blick.

Aftermarket Services outsourcen

Neben der Fertigung birgt auch das Outsourcing der Aftermarket Services zusätzliche Vorteile. OEMs können stark steigende Servicekosten besser im Griff behalten und ihre Ressourcen erneut auf ihr Kerngeschäft richten. Unternehmen, die neue Märkte erobern möchten, sollten daher einen Partner wählen, der in der Lage ist, sie über den kompletten Value-Stream hinweg zu unterstützen, und Services weltweit sicherstellen kann. Nur so können Produkte gemäß den jeweiligen regionalen Anforderungen gewartet und gepflegt werden, um ihre Lebensdauer effektiv zu verlängern. Gleichzeitig sind Experten in der Fertigung und Entwicklung gefragt, die Produkte nachhaltig und vor dem Hintergrund neuer Technologien anpassen und verbessern können.

Grundsätzlich gilt dabei, einen Partner zu wählen, der die passende Unterstützung und Infrastruktur in die Zusammenarbeit einbringen kann und sowohl über Fachkenntnisse im jeweiligen Markt verfügt als auch branchenübergreifendes Know-how zu bieten hat. Nur so können die Unternehmen in jeder Stufe der Produktrealisierung – angefangen bei Design und Entwicklung über die Fertigung bis zu Aftermarket Services – vom Outsourcing an einen EMS-Dienstleister profitieren.

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* Robert Frodl, Director – D/A/CH-Region Customer Development for Engineering Solutions, Plexus

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