B. Braun / Aesculap

Was sind die Hintergründe für den Knaebel-Rücktritt als Aesculap-Vorstand?

| Autor: Peter Reinhardt

Vorstandsfoto aus vergangenen Tagen: Dr. Joachim Schulz (li.) soll die Lücke schließen, die Prof. Dr. Hanns-Peter-Knaebel als Vorstandsvorsitzender hinterlassen hat. Rechts im Bild: Aesculap-Vorstand Dr. Jens Lackum.
Vorstandsfoto aus vergangenen Tagen: Dr. Joachim Schulz (li.) soll die Lücke schließen, die Prof. Dr. Hanns-Peter-Knaebel als Vorstandsvorsitzender hinterlassen hat. Rechts im Bild: Aesculap-Vorstand Dr. Jens Lackum. (Bild: Aesculap)

Gut eine Woche ist es her, dass Aesculap-Vorstand Prof. Knaebel seinen Rücktritt erklärt hat. Haben tatsächlich alleine persönliche Gründe zu dieser Entscheidung geführt oder waren vielmehr vorstands-interne Reibereien der Anlass?

  • Persönliche Gründe, Karrieresprung oder Vorstandsreibereien?
  • Knaebels Linie zu progressiv für B. Braun?
  • Knaebel-Vorgänger Prof. Ungethüm. „Er hat mich nie enttäuscht“,

Der Rücktritt von Prof. Dr. Hanns-Peter-Knaebel als Vorstandsvorsitzender der Aesculap AG und Vorstand der B. Braun Melsungen AG am 11. April erfolgte aus persönlichen Gründen, so der Wortlaut in der Pressemeldung zum Rücktritt des Aesculap-Vorstands vergangene Woche. „Der Aufsichtsrat bedauert diese Entscheidung sehr und dankt Prof. Dr. Knaebel für seine achtjährige Vorstandtätigkeit und die von ihm wesentlich mitverantwortete erfolgreiche Weiterentwicklung des Konzerns.“ An dieser Sprachregelung hält das Unternehmen auch auf Nachfragen fest. Jedoch mehren sich die Anzeichen, dass vielleicht doch auch Reibereien mit dem Konzern-Vorstand die Ursache für Knaebels Rücktritt sein könnten.

Ära Knaebel als Aesculap-Vorstand überraschend beendet

B. Braun Melsungen AG / Aesculap AG

Ära Knaebel als Aesculap-Vorstand überraschend beendet

12.04.17 - Prof. Dr. Hanns-Peter-Knaebel hat am gestrigen Tag seine Ämter als Vorstand der B. Braun Melsungen AG und Vorstandsvorsitzender der Aesculap AG aus persönlichen Gründen niedergelegt. Was ist da los in Tuttlingen? lesen

Schwäbische Zeitung vermutet Karrieresprung

Die Schwäbische Zeitung als Presseorgan vor Ort spekuliert in einem Kommentar indes gar mit einem gezielt geplanten Karrieresprung: „So wie die Mitteilung verfasst worden ist, kann man davon ausgehen, dass Knaebel umsattelt und den nächsten Karrieresprung wagt. Mit 48 Jahren hat er dazu genau das richtige Alter. Und er kann mit Zahlen aufwarten, die ihn in eine starke Verhandlungsposition für spannende Unternehmen bringen. Vielleicht ist Aesculap für einen so fähigen und charismatischen Mann dann doch zu klein und der Weg bei B. Braun durch den Vorstandsvorsitzenden Heinz-Walter Große, der noch bis Ende 2018 Vertrag hat, zu sehr verbaut“, schreibt Christian Gerards.

Die Rolle von Otto Philipp Braun und Heinz-Walter Große

Überhaupt verdichten sich die Anzeichen, dass Knaebel sich zuletzt verstärkt mit dem Management der Konzernmutter B. Braun gerieben hatte. Insbesondere mit Otto Philipp Braun, dem ältesten Sohn von Aufsichtsratschef Ludwig Georg Braun, ist Knaebel nach Recherchen des Südkurriers öfter aneinandergeraten. „Zwar trat der 39-jährige Braun im Februar im Streit aus dem B. Braun-Vorstand zurück. Doch auch um das Verhältnis zwischen Knaebel und dem Vorstandsvorsitzenden von B. Braun, Heinz-Walter Große, soll es nicht gut bestellt gewesen sein“, heißt es unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise. Die ständigen Streitereien hätten die Atmosphäre vergiftet. Und auch eine Rückkehr von Otto Philipp Braun sei nicht ausgeschlossen gewesen.

Ähnliche Mutmaßungen stellt das Mittelstandsportal Econo an. So habe Knaebels Linie in Melsungen als zu progressiv gegolten. „Daneben gab es ein Gerangel um die mögliche Nachfolge des Vorstandsvorsitzenden Heinz-Walter Große, hier wurden Knaebel Ambitionen nachgesagt – allerdings hatten wohl die anderen fünf Vorstandskollegen ebenfalls sehr gute Chancen“, schreibt das Magazin.

Prof. Ungethüm stellt Knaebel ein gutes Zeugnis aus

Konsens herrscht hingegen, dass Knaebel einen guten Job gemacht hat. „Er hat exzellent gearbeitet, er war gradlinig und schnell. Er hat mich nie enttäuscht“, zitiert stellvertretend die Schäbische Zeitung Prof. Michael Ungethüm, der als Vorgänger von Knaebel rund 30 Jahre Vorstandsvorsitzender des Tuttlinger Medizintechnik-Unternehmens Aesculap war. Knaebel, der sich vor zehn Jahren als Chirurg schnell in die Materie eingearbeitet und vor acht Jahren den Vorstandsposten übernommen hatte, habe Ungethüm am Montagabend über seinen bevorstehenden Rückzug informiert.

Wie geht es weiter bei Aesculap?

Dieser Rückzug kann natürlich, so wie es in der Pressemitteilung heißt, auch schlicht und ergreifend persönliche Gründe haben. Das darf nicht vergessen werden. Das aufzuklären – oder auch nicht – obliegt Knaebel selbst, der als promovierter Mediziner weiterhin eine Professur an der Universität Heidelberg innehat. Derweil wird mit Spannung erwartet, welche Linie der neue Vorstandsvorsitzende Dr. Joachim Schulz gemeinsam mit seinem Kollegen im Aesculap-Vorstand Dr. Jens Lackum einschlägt. Schulz ist alles andere als ein Unbekannter. Schon seit Ende der 80er Jahre arbeitet der studierte Maschinenbauingenieur in Tuttlingen und wurde im März 2008 zum Mitglied des Vorstand der Aesculap AG bestellt, verantwortlich für die Bereiche Produktion, strategischer Einkauf und Logistik. „Das Aesculap-Urgestein, das sich im Unternehmen ein hohes Ansehen erworben hat, soll nach dem überraschenden Rückzug von Knaebel offenbar Ruhe ins Unternehmen bringen“, vermutet der Südkurier. Aufgrund urlaubsbedingter Abwesenheiten rund um die Osterfeiertage ist derweil erst im Laufe der nächsten Woche mit einer Erklärung des neuen Aesculap-Vorstands zu rechnen.

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