Amerikanische Pharmaindustrie

Was Donald Trumps Politik für die Pharmaindustrie bedeutet

| Redakteur: Tobias Hüser

Die möglichen Auswirkungen von Donald Trumps Politik auf die Pharmaindustrie sind dem US-Präsidenten bislang wohl kaum bewusst.
Die möglichen Auswirkungen von Donald Trumps Politik auf die Pharmaindustrie sind dem US-Präsidenten bislang wohl kaum bewusst. (Bild: Gage Skidmore)

„America first!“ – US-Präsident Donald Trump bleibt sich treu: Nachdem er US-amerikanische Autobauer unter Androhung von Strafzöllen aufgefordert hatte, die Fertigung ihrer Fahrzeuge in den USA zu steigern und Arbeitsplätze zu schaffen, hat er nun die Pharmaindustrie im Fokus. Wie sich Trumps Forderungen an den Industriesektor auswirken können, lesen Sie hier.

Frankfurt – „Die Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump zeugen von seiner Unkenntnis über die Pharmaindustrie“, sagt Mark Seidler, Partner der Unternehmensberatung Strategic Decision Group (SDG) und Leiter der globalen Life Science-Practice. So gab Trump zu Protokoll, dass Produktion, Forschung und Entwicklung in den Vereinigten Staaten stattfinden müsse. Zudem forderte er niedrigere Arzneimittelpreise und die Beteiligung anderer Staaten an den Entwicklungskosten für neue Medikamente in den USA. Zudem will der US-Präsident strengere Zulassungsverfahren für Arzneien im US-amerikanischen Markt durchsetzen und steuerliche Anreize sowie Deregulierungen schaffen, um Innovationen in den USA zu stimulieren.

Seidler schätzt die Folgen von Donald Trumps Protektionismus sowie den konkret geäußerten Veränderungen auf die deutsche Pharmaindustrie wie folgt ein: „Die Verlagerung der Produktion in die USA bewirkt bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze relativ wenig, da der Großteil der Arbeitsplätze in Pharmaunternehmen in den Bereichen Forschung & Entwicklung sowie Marketing & Sales liegen – insbesondere letztere sind lokal gebunden und alle internationalen Pharmakonzerne haben bereits etablierte Teams in den USA.“

Wie sehr Trump mit niedrigeren Medikamentenpreisen seiner Bevölkerung schaden würde, zeigt ein Blick auf den Arbeitsmarkt. „Eine drastische Begrenzung dieser Preise würde erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklungsfähigkeit neuer Produkte haben – und zahlreiche Arbeitsplätze in der pharmazeutischen Industrie gefährden“, so Seidler. Steuerliche Anreize für Forschungsaktivitäten in den USA würden zwar US-Pharmaunternehmen zugutekommen. Allerdings ist zu bezweifeln, ob es dadurch zu mehr Innovation kommt. „In den USA fließt schon jetzt ein weltweit einzigartig hoher Anteil des Bruttosozialprodukts in das Health Care-System. Dass die Innovationsquote bisher so gering war, liegt nicht an fehlenden Anreizen, sondern an der Ineffizienz im Gesundheitssystem der USA“, sagt Seidler.

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