Altran

Technologiekonvergenz – fünf Trends bestimmen die Medizintechnik von Morgen

| Autor / Redakteur: Autor | Ingmar Remus / Kathrin Schäfer

Megatrend Mobile Health: Ärzte können auf die tägliche Visite verzichten – ein Blick auf die per Mobilfunk gesendeten Daten über den Therapieverlauf reicht dem behandelnden Arzt aus.
Megatrend Mobile Health: Ärzte können auf die tägliche Visite verzichten – ein Blick auf die per Mobilfunk gesendeten Daten über den Therapieverlauf reicht dem behandelnden Arzt aus. (Bild: Fotolia/Robert Kneschke)

Kombiprodukte, Mobile Health, neue Materialien, 3D-Druck und personalisierte Medizin – diese fünf Trends könnten die Medizintechnik von morgen bestimmen. Wo sie miteinander verschmelzen, erhöhen sie die Komplexität von Medizinprodukten – leicht bedienbar müssen sie dennoch bleiben.

Medizintechnische Geräte mit Arzneimittelanteil könnten vor einem Boom stehen. Denn die sogenannten Kombinationsprodukte erhöhen die Sicherheit bei der Medikamentendosierung, indem sie menschlich verursachte Fehldosierungen ausschließen. Zum anderen verringern Kombiprodukte meist die Arbeitsbelastung bei Ärzten. Dies spart Kosten.

Auch der Megatrend Mobile Health beziehungsweise Telemedizin eilt kostendruck-geplagten Krankenversicherungen zu Hilfe: Patienten, die sich unter Anleitung eines Arztes mithilfe eines mobilen Geräts Medikamente selbst verabreichen, verursachen keine stationären Kosten im Krankenhaus. Ärzte können auf die tägliche Visite verzichten – ein Blick auf die per Mobilfunk gesendeten Daten über den Therapieverlauf reicht dem behandelnden Arzt aus.

Mobile Health und neue Materialien verschmelzen

Doch damit nicht genug: Glaubt man der Technologie- und Innovationsberatung Altran, wird Mobile Health künftig noch mit anderen Technologietrends verschmelzen. Auf Seiten der Medizintechnikhersteller macht dies allerdings erst einmal Anpassungen notwendig. „Künftig wird es nicht mehr bei der Überwachung von Lebensfunktionen durch Apps oder einer tragbaren künstlichen Bauchspeicheldrüse bleiben“, sagte Oliver Peters, Life-Sciences-Spezialist von Altran, am Rande des Pharma- und Biotechnologiekongresses A3P.

Insbesondere bei Materialien, die eher Technologie denn Material sind, gab es zuletzt eine sprunghafte Entwicklung: Eine große Rolle werden dabei biokompatible und resorbierbare Polymere spielen, die ihre Form langfristig an der je individuellen Bewegung des Patienten ausrichten. Ebenso gilt es, die Innovationen bei Nanopartikeln für die eigenen Kombiprodukte im Auge zu behalten. Bestimmte Nanopartikel haben eine aseptische Wirkung, verlängern die Haltbarkeit des Produkts oder überwinden die Blut-Hirn-Schranke.

Chancen, das eigene medizintechnische Produktportfolio insbesondere bei Kombinationsprodukten auszuweiten, bestehen auch im Hinblick auf künstlich hergestelltes Gewebe wie künstliche Haut. Bereits in einer fortgeschrittenen Entwicklungsphase sind zudem Materialien, mit denen sich individuell Knochen oder Knorpel modellieren lassen.

Hightech-Materialien 3D-drucken

Diese Hightech-Materialien bekommen mit der zunehmenden Verbreitung von 3D-Druckern noch einmal eine neue Dimension: Aseptische Implantate werden individuell auf die Anforderungen des Patienten hin „gedruckt“ werden können.

Nach Verbrennungen wird die entsprechende Hautpartie womöglich kurzfristig ausgedruckt und eingesetzt werden können – ohne dass das menschliche Auge einen Unterschied zu natürlich gewachsener Haut erkennen könnte. Hersteller, die den 3D-Druck frühzeitig in ihre F&E-Abteilungen integrieren, könnten sich diese Technologiekonvergenz zu Nutze machen. „3D-Druck wird im Entwicklungs-Zyklus bereits heute verwendet, um Prototypen herzustellen“, erklärt Benjamin Kraus, Compliance-Experte bei Altran. Sollten diese Geräte dann noch die Budgets von Kliniken und Krankenkassen schonen, dürfte einem Markterfolg nichts mehr im Weg stehen.

Personalisierte Medizin auf Basis von Genom-Analyse

Ein weiterer wichtiger Technologietrend liegt in der personalisierten Medizin auf Basis einer vorherigen Analyse des Genoms des Patienten. Doch ob Prävention oder Heilung – wenn medizinische Versorgung auf der Grundlage messbarer Daten erfolgen soll, werden Geräte benötigt, die enorme Mengen an Daten verarbeiten können. Nach der Untersuchung können dann Risikoprofile der Patienten für bestimmte Krankheiten erstellt werden. Gleichzeitig können sich Ärzte und Patienten mit den Gen-Informationen des Patienten Therapien sparen, die nach statistischer Wahrscheinlichkeit bei dieser Personengruppe sowieso nicht angeschlagen hätten. Stattdessen könnte die Software des Geräts bereits online die statistisch wirksamste Therapie oder beispielsweise Arznei-Dosierung für den untersuchten Patienten suchen, um daraufhin eine Empfehlung anzuzeigen.

Deutsche Firmen dürfen Megatrends nicht verschlafen

Mit der Konvergenz der genannten Technologien werden viele medizintechnische Geräte auch komplexer. Dennoch müssen sie intuitiv und einfach bedienbar bleiben. Schließlich ist niemandem geholfen, wenn neue Geräte Geld sparen, jedoch nur von zusätzlichem Personal bedient werden können. Gefragt sind intuitive Benutzeroberflächen.

Die Technologietrends offenbaren auch, dass Hersteller immer öfter zusätzliche Hard- und Software sowie die Möglichkeit zur Vernetzung in Geräte integrieren müssen. Zwar zeigt die Vergangenheit: Nicht jeder Trend setzt sich langfristig durch – und die mittelständisch geprägte deutsche Medizintechnik kann trotz relativ hoher F&E-Budgets nicht auf alle Pferde gleichzeitig setzen. Andererseits finden Unternehmen, die Megatrends verschlafen – Nokia, Quelle und diverse französische Autobauer belegen dies –, meist nicht mehr zu alter Stärke zurück. Innovationsmanagement wird also in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen.

Der Autor: Ingmar Remus ist Consultant für Wirtschaftskommunikation.

Diesen Artikel kommentieren

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 42854951 / Management)