Bionisches Auge

Mit der Netzhautprothese lassen sich Silhouetten von Personen erkennen

| Redakteur: Hendrik Härter

Die Grafik zeigt die implantierte Elektronik in das Auge.
Die Grafik zeigt die implantierte Elektronik in das Auge. (Second Sight)

Ein 80-jähriger Patient kann mit Hilfe eines bionischen Auges wieder Umrisse von Personen und Objekten wahrnehmen. Dabei werden elektrische Impulse kabellos auf die Netzhautoberfläche übertragen.

Mit einem bionischen Auge gaben Mediziner einem 80-jährigen Patienten ohne zentrales Sehvermögen die Möglichkeit, Silhouetten von Personen zu erkennen. Die dabei verwendete Retinaprothese Argus II reizt auf elektrischem Wege die Netzhaut, um eine optische Wahrnehmung bei hochgradigem Sehverlust anzuregen. Der Patient leidet unter der trockenen altersbedingten Makuladegeneration (AMD).

Bei eingeschaltetem Argus-II-System kann der Patient die Umrisse von Personen und Objekten wahrnehmen. Selbst bei geschlossenem Auge ist das möglich was zeigt, dass er für das Erkennen von Formen und Umrissen nicht sein verbliebenes natürliches peripheres Sehvermögen nutzt.

So funktioniert Argus II

Bei verschiedenen Tests musste der Patient unterschiedlich verlaufende schwarze und weiße Muster erkennen. Dabei konnte der Patient die Ausrichtung der Linien und den Unterschied zwischen den diagonalen und horizontalen Linien erkennen. Das zeigt, dass Argus II ein funktionales zentrales Sehvermögen ermöglicht, wie es vor der Implantation nicht möglich war.

Das Argus-System wandelt Videoaufnahmen einer Minikamera in Serien kleiner elektrischer Impulse um, die kabellos auf Elektroden auf der Netzhautoberfläche übertragen werden. Die Minikamera ist dabei an der Brille des Patienten eingebaut.

Die Impulse stimulieren die noch vorhandenen Netzhautzellen und bewirken, dass das Gehirn Lichtmuster wahrnimmt. Indem der Patient lernt, die Muster von Seheindrücken zu interpretieren, lassen sich gewissen Funktionen wieder erlangen.

Argus II ist die erste künstliche Retina, die in vielen Ländern zugelassen ist. Die Behandlung wird derzeit in Zentren in Deutschland, Kanada, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Saudi-Arabien, Spanien, der Schweiz, der Türkei, Großbritannien und den USA angeboten. Hinter dem bionischen Auge steht Second Sight, das im Jahr 2011 die europäische Zulassung (CE-Kennzeichnung) für das Argus-II-System und 2013 die Zulassung durch die Food and Drug Administration (FDA) in den USA erhielt. Das System ist die weltweit erste zugelassene Netzhautprothese und wurde bislang mehr als 130 Patienten implantiert.

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Dieser Beitrag wurde veröffentlicht im Themenkanal Medizintechnik der Zeitschrift Elektronikpraxis.

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