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Medtec Europe 2017 mit einem starken zweiten Messetag

| Autor: Kathrin Schäfer

Am zweiten Messetag strömen zahlreiche Besucher in Halle 1 der Landesmesse Stuttgart.
Am zweiten Messetag strömen zahlreiche Besucher in Halle 1 der Landesmesse Stuttgart. (Bild: Schäfer / Devicemed)

601 Firmen haben auf der Medtec Europe 2017 ausgestellt. 6.815 Besucher haben den Weg nach Stuttgart gefunden. Bei der Fachpressekonferenz drehte sich alles um Digitalisierung.

  • Digitalisierung: das Smartphone als Medizinprodukt?
  • Medizinprodukte müssen besser und kleiner werden
  • Acquandas ist Sieger der Start-up Academy 2017

Gutes Wetter ist für Fachmessen nicht unbedingt von Vorteil. Erfahrungsgemäß halten sich Besucher dann lieber draußen auf und ziehen den Geruch von Bratwurstständen der trockenen Luft in den Messehallen vor.

Die Medtec Europe 2017 lief bei sonnigem Wetter eher schleppend an. Nicht nur über den Tag, auch am Ausstellerabend äußerten sich viele mit der Besucherzahl an ihren Ständen unzufrieden. Eine Antwort auf die Frage, warum das so war, hatte allerdings niemand parat. Der Veranstalter hatte im Vorfeld mit zahlreichen Mailings auf den Branchenevent aufmerksam gemacht. Und auch die Tatsache, dass es sich um eine reine Fachmesse handelt, auf der man kein Laufpublikum findet, mag eine Rolle gespielt haben. Mit der Qualität der Kontakte waren denn wieder viele Firmen zufrieden, und bereits am zweiten Messetag sahen die Messehallen um einiges besser aus. Nach Messeende meldete der Veranstalter UBM schließlich 6.815 Besucher, eine Zahl, die nahezu identisch ist mit der vom Vorjahr (6.813 Besucher im Jahr 2016).

Digitalisierung: das Smartphone als Medizinprodukt?

Was die Themen der Messe betrifft, so hatte der Veranstalter das Thema Digitalisierung in den Vordergrund der Fachpressekonferenz gestellt. Vier Teilnehmer, die mit diesem Thema alle irgendwie zu tun haben, waren also am ersten Messetag zu einer Podiumsdiskussion geladen. Einer von ihnen war David Kleidermacher, CSO von Blackberry. Vielen noch als Anbieter von Business Mobiltelefonen bekannt, hat Blackberry die Produktion von Hardware mittlerweile gänzlich eingestellt. Softwareapplikationen gehören heute zum Kerngeschäft des Unternehmens. Blackberry und Medizintechnik? Wie man medizinische Daten in einem datensicheren Bereich auf dem eigenen Smartphone speichern kann, ist eine der Fragen, die Kleidermacher beschäftigen. „Das Smartphone als Medizinprodukt – wie kann das funktionieren?“, fragte er während der Podiumsdiskussion in Stuttgart. Blackberry hat Tools für Cybersicherheit im Portfolio.

Podiumsteilnehmer Nummer zwei war Dr. Ed Cartwright. Er ist als Arzt, Wissenschaftler und Unternehmer in der Medizintechnik unterwegs. Sein Anliegen: Patienten mehr in medizinische Prozesse einbeziehen. Großes Potenzial sieht er hierbei in künstlicher Intelligenz, die es ermöglicht, Daten in vernetzten Medizingeräten zu interpretieren.

Medizinprodukte müssen besser und kleiner werden

Als Vertreter eines ausstellenden Zulieferunternehmens saß außerdem Jens Troetzschel, Vice President Advanced Technologies bei Heraeus Medical Components, auf dem Podium. Sein Steckenpferd lautet Miniaturisierung. „Je kleiner Medizinprodukte sind, umso weniger Fremdmaterial befindet sich im Körper, umso weniger Abstoßungsreaktionen finden statt“, erklärte er. Medizinprodukte müssten in Zukunft immer mehr Funktionen übernehmen und dennoch kleiner werden. Die Technik stehe heute an einem Punkt, an dem Produktionstechnologien mit Elektronik, Software, Biotechnologie sowie Big Data Hand in Hand gehen. Sensortechnologie spiele hierbei eine besondere Rolle, liefere sie doch Daten über einen sonst „für den Arzt dunklen Körperraum“.

Als Vertreter der Ärzteschaft war Professor Alexander Seifalien, Director of Nanotechnology & Regenerative Medicine Commercialisation Center Ltd. geladen. Seifaliens Anliegen ist es, Start-ups aus dem Bereich regenerative Medizin mit Pharmafirmen in Kontakt zu bringen, um ihre Innovationen in Produkte umzusetzen. Dies gestalte sich leider oft schwierig. Doch große Pharmaunternehmen seien in der Regel die einzigen, um innovative Ideen zu marktreifen Produkten zu führen.

Acquandas ist Sieger der Start-up Academy 2017

Apropos Start-ups: Auch in diesem Jahr haben die Veranstalter der Medtec Europe Start-up-Firmen wieder kostenlose Ausstellungsfläche zur Verfügung gestellt. An dieser sogenannten Start-up Academy haben rund 15 Firmen teilgenommen. Mit ihrem Messeauftritt haben sie sich einem Besuchervotum gestellt, das Gründer in ein einjähriges Mentoring-Programm wählen konnte. Die meisten Stimmen hat 2017 das Start-up Acquandas für sich gewinnen können: Das auf Sputtertechnik spezialisierte Unternehmen hat auf der Medtec Muster minimal-invasiver Implantate für Bioelectronics, Electroceuticals und Elektroden, dazu Federn und Aktoren aus ultra-reinem Nitinol für Präzisionsmechaniken, gezeigt.

Erstmals wurden Prototypen dieser Technologie-Plattform mit verschiedenen werkstofftechnischen Funktionalisierungen – sputter-technisch hergestellte Nitinol-Strukturen mit Mikro-Elektroden Arrays und miniaturisierte Funktionssysteme mit erhöhter Röntgensichtbarkeit – vorgestellt. Der Anbieter ist globaler Zulieferer und Partner bei der Entwicklung und zur Fertigung der smarten Komponenten.

Die Medtec Europe 2018 findet vom 17. bis 19. April auf dem Gelände der Landesmesse Stuttgart statt.

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