Steinbach

Keramik aus dem 3D-Drucker: „Technisch ist so gut wie alles möglich“

| Autor / Redakteur: / Kathrin Schäfer

„In aller Bescheidenheit, aber bisher ist uns kein weiteres Unternehmen in Deutschland bekannt, das auftragsbezogen keramische Bauteile mit dem LCM-Verfahren herstellt“, Michael Steinbach, Prokurist und Geschäftsbereichsleiter Technical Ceramics „Form Ceram“
„In aller Bescheidenheit, aber bisher ist uns kein weiteres Unternehmen in Deutschland bekannt, das auftragsbezogen keramische Bauteile mit dem LCM-Verfahren herstellt“, Michael Steinbach, Prokurist und Geschäftsbereichsleiter Technical Ceramics „Form Ceram“ (Bild: Steinbach)

Form Ceram heißt das Geschäftsfeld Technical Ceramics bei der Firma Steinbach. Mit dessen Leiter, Michael Steinbach, hat Devicemed über die additive Fertigung von Keramik gesprochen.

Herr Steinbach, was produziert der neue Geschäftsbereich, den Sie jetzt leiten?

Form Ceram bietet die derzeit führende Lösung im Bereich des keramischen 3D-Drucks. Nach der additiven Fertigungsmethode LCM (Lithography-­based Ceramic Manufacturing) werden Kleinstbauteile in höchster Präzision hergestellt. Ein Hochleistungsdrucker baut dafür aus einer Keramik- pulver-Monomer-Suspension anhand der CAD-Daten einen sogenannten Grünkörper Schicht für Schicht auf. Anschließend wird der Grünkörper einer thermischen Behandlung bis 1.600 °C unterzogen. Das Ergebnis sind Produkte, die durch glatte und glänzende Oberflächen, Säure- und Hitzebeständigkeit, Lebensmittel-Echtheit und Biokompatibilität überzeugen.

Für welche Branchen arbeiten Sie im Geschäftsfeld Form Ceram zurzeit hauptsächlich?

Wir sind erst seit Anfang 2016 auf dem Markt. Seit Beginn an sind wir vom Maschinen- und Anlagenbau stark nachgefragt worden. Wir sind mit der Entwicklung nach einem guten Jahr sehr zufrieden. Andere Branchen werden aber sicher schon bald nachziehen.

Aus welchen Regionen und Branchen erhalten Sie aktuell die meisten Anfragen?

Wir erhalten täglich Anfragen aus der ganzen Welt, aus verschiedensten Branchen. Verstärkt messen wir Nachfragen aus den USA und dem europäischen Raum. Die Elektronikindustrie sowie die chemische Industrie sind auf uns aufmerksam geworden. Nach wie vor steigen auch die Anfragen aus dem Maschinen- und Anlagenbau.

Wie unterscheidet sich Form Ceram von seinen Mitbewerbern?

In aller Bescheidenheit, aber bisher ist uns kein anderes Unternehmen in Deutschland bekannt, welches auftragsbezogen keramische Bauteile mit dem LCM-Verfahren herstellt.

Mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich konfrontiert?

Da technisch so gut wie alles möglich ist, liegt die Herausforderung auf der kommunikativen Ebene. Die additive Fertigung von keramischen Bauteilen bietet vielen Branchen neue Möglichkeiten – nur sind diese vielen noch nicht bekannt.

Die 3D-Drucker werden immer leistungsfähiger. Wie wichtig sind vor diesem Hintergrund Know-how und Ausbildung des Ingenieurs? Schafft er sich irgendwann selbst ab?

Die Drucker werden zwar immer leistungsfähiger, aber ohne das Know-how eines erfahrenen Keramik-Ingenieurs entsteht keine Hochleistungskeramik. Es beginnt schon bei der Konstruktion der Bauteile im CAD. Viele denken, man kann kons­truieren, wie man will, aber auch im 3D-Druck gibt es Regeln. Nachdem die Teile gedruckt sind, beginnt erst der hochkomplexe Vorgang der Entbinderung mit dem anschließenden Sintern. Ohne unsere Spezialisten könnten wir unsere Produkte nicht in der Qualität anbieten.

Können Sie Beispiele nennen, wie sich das Produktdesign durch die neuen Fertigungsverfahren verändern wird?

Wir können durch Hohlstrukturen Bauteile leichter machen. Wir können bei Bauteilen, die starken thermischen Belastungen ausgesetzt sind, Kanäle in die Bauteile eindrucken, wodurch eine Kühlung oder Erwärmung durch externe Aufbauten entfallen würde. Im Vergleich zu etablierten Verfahren steht die Technik noch ganz am Anfang. Es muss nur ein Umdenken stattfinden, dann verändern sich die Bauteile von ganz alleine.

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