Technische Universität Wien

Erzeugung ultrakurzer Terahertzpulse gelungen

| Redakteur: Kathrin Schäfer

Juraj Darmo, Dominic Bachmann und Karl Unterrainer (v.l.n.r) im Laserlabor des Photonik Instituts.
Juraj Darmo, Dominic Bachmann und Karl Unterrainer (v.l.n.r) im Laserlabor des Photonik Instituts. (Bild: TU Wien)

Gute Nachrichten für die nicht-invasive medizinische Bildgebung: Forscher der TU Wien und der ETH Zürich können jetzt ultrakurze Terahertz-Lichtpulse erzeugen.

Diese nur wenige Pikosekunden langen Pulse sind hervorragend für spektroskopische Anwendungen geeignet und ermöglichen ultragenaue Frequenzmessungen, heißt es in einer heute veröffentlichten Pressemeldung der Technischen Universität Wien. Die einzigartigen Eigenschaften von Terahertzstrahlung machen sie sehr interessant für Anwendungen wie zum Beispiel die nicht-invasive Bildgebung in der Medizin.

Terahertzwellen sind ungefährlich für biologisches Gewebe

Terahertzwellen durchdringen viele Materialien, die für sichtbares Licht undurchsichtig sind. Im Vergleich zu Röntgenstrahlung sind sie auch ungefährlich für biologisches Gewebe. Außerdem besitzen viele Substanzen einen molekularen Fingerabdruck im Terahertzbereich, wodurch sie mittels spektroskopischer Verfahren aufgespürt werden können. Eine effiziente Möglichkeit solche Terahertzwellen zu erzeugen sind sogenannte Quantenkaskadenlaser, welche in der Arbeitsgruppe von Prof. Karl Unterrainer am Institut für Photonik der TU Wien hergestellt und erforscht werden. Quantenkaskadenlaser bestehen aus einer genau definierten Abfolge von mehreren hundert, nur wenige Nanometer dicken, Halbleiterschichten.

Dieser besondere Aufbau ermöglicht es, die Energieniveaus, in denen sich die Elektronen in der Halbleiterstruktur aufhalten, frei zu wählen. Somit kann die Frequenz des ausgestrahlten Laserlichts angepasst und auf die gewünschte Anwendung zugeschnitten werden.

Der erste breitbandige halbleiterbasierte Terahertz-Frequenzkamm

Ein breitbandiges „Laser-Sandwich“ generiert einen Licht-Kamm. Diese Besonderheit, dass die Laserwellenlänge selbst bestimmt werden kann, erlaubt es, mehrere Quantenkaskadenstrukturen mit unterschiedlichen Emissionsfrequenzen aufeinanderzustapeln, mit dem Ziel, breitbandige Terahertzstrahlung zu erzeugen. „Solche heterogene Aktive Zonen sind optimal geeignet, um breitbandige Terahertzverstärker zu realisieren und um ultrakurze Terahertzpulse zu erzeugen“, erklärt Dominic Bachmann vom Institut für Photonik. Gelingt es zusätzlich, die diskreten Laserlinien miteinander zu koppeln, das heißt eine feste Phasenbeziehung zwischen den Lasermoden herzustellen, entsteht ein sogenannter Frequenzkamm. Mit einem Frequenzkamm kann die Absolutfrequenz des verwendeten Lichts sehr genau gemessen werden – essentiell für unzählige Anwendungen. Die Erfindung des Frequenzkamms hat die optische Metrologie geradezu revolutioniert und wurde 2005 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

In den letzten vier Jahren wurde im EU-Projekt Teracomb intensiv an einem auf Quantenkaskadenlaser basierenden Terahertz-Frequenzkamm geforscht. Unter der Leitung von Dr. Juraj Darmo vom Institut für Photonik gelang es dem Team aus internationalen Forschungsgruppen, den ersten breitbandigen halbleiterbasierten Terahertz-Frequenzkamm zu realisieren.

Den Laser bei der Arbeit beobachten

Eine in der Gruppe von Prof. Unterrainer entwickelte Methode erlaubt es, interne Parameter von Quantenkaskadenlasern während des Laserbetriebs zu untersuchen. Die Technik beruht auf der zeitaufgelösten Spektroskopie, in der breitbandige Terahertzpulse die zu messende Probe durchdringen. Diese auf Femtosekunden-Laser basierte Technik ermöglicht es, den vollständigen Informationsgehalt des Zeit- und Frequenz-Bereichs in einer einzigen Messung zu erfassen. Dadurch gelang es den Forschern des Instituts für Photonik, den optischen Gewinnkoeffizienten und die optische Dispersion in breitbandigen Terahertz-Quantenkaskadenlasern quantitativ zu bestimmen sowie die komplexen Dynamiken besser zu verstehen. „Diese Erkenntnisse erlauben es, die Bandbreite der Laser weiter zu erhöhen und die Leistungsfähigkeit der Frequenzkämme zu verbessern“, erläutert Juraj Darmo.

Maßgeschneiderte Verluste

Ein bisher ungelöstes Problem bei Terahertz-Quantenkaskadenlasern war die Existenz von Laserlinien mit unterschiedlichen Ausbreitungsgeschwindigkeiten. Das Vorhandensein von Lasermoden mit höherer lateraler Ordnung führt dazu, dass die Intensität sehr inhomogen zwischen den Laserlinien verteilt wird, reduziert die nutzbare Bandbreite und verhindert die Entstehung eines Frequenzkamms. Um zu verhindern, dass diese Moden anschwingen können, müssen die Verluste so stark erhöht werden, dass sie die Laserschwelle nicht erreichen. Durch das Hinzufügen eines maßgeschneiderten Seitenabsorbers an den Kanten des Laserresonators gelang es den Forschern, die höheren lateralen Moden vollständig zu unterdrücken, ohne die fundamentalen Moden relevant zu beeinflussen. Dies führte zu einer Emissionsbandbreite, die sich über eine volle Oktave erstreckt, zu einer sehr homogenen Modenverteilung in den zentralen 700 GHz und einem Frequenzkamm mit einer Bandbreite von 440 GHz.

Außerdem ermöglichen die Seitenabsorber die Erzeugung von ultrakurzen Terahertzpulsen mit Pulsbreiten von weniger als 3 ps. „Es war wirklich erstaunlich zu sehen, wie eine relativ kleine Anpassung des Wellenleiters eine derart immense Verbesserung bewirkt“, erzählt Dominic Bachmann, der gerade seine Dissertation über breitbandige Quantenkaskadenlaser abgeschlossen hat.

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