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Gesundheitswesen muss digitale Angebote ausbauen

| Autor: Ira Zahorsky

Fitness-Tracker und Gesundheits-Apps werden von den Bundesbürgern gerne genutzt
Fitness-Tracker und Gesundheits-Apps werden von den Bundesbürgern gerne genutzt (Bild: Andrey Popov/ Fotolia.com)

Der Digitalverband Bitkom hat zusammen mit der Bayerischen TelemedAllianz (BTA) eine Umfrage durchgeführt, derzufolge die Bundesbürger die digitalen Angebote des Gesundheitswesens wie Fitness-Tracker, Online-Sprechstunde oder elektronische Patientenakte gerne in Anspruch nehmen.

Gesundheits-Apps, die Fitness- und Körperdaten aufzeichnen, werden bereits von 45 Prozent der Smartphone-Besitzer genutzt, weitere 45 Prozent könnten sich das vorstellen. Ziel ist es, damit die eigene Gesundheit zu verbessern.

Digitalisierte Patientendaten, beispielsweise MRT-Befunde auf CD, hat rund einem Drittel der Befragten schon einmal vom Arzt bekommen. Zusätzliche 43 Prozent würden die Resultate künftig ebenfalls gerne in digitaler Form erhalten. „Die digitale Übertragung von Unterlagen erleichtert die Kommunikation zwischen Versicherten, Hausarzt, Facharzt und Krankenhaus und erspart Patienten viele Wege“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Die Digitalisierung des Gesundheitswesens birgt ein riesiges Potenzial für eine bessere und effizientere Versorgung. Eine leistungsfähige Patientenversorgung funktioniert künftig nur noch mit digitaler Unterstützung.“

Digitale Services

„Viele Patienten würden gerne digitale Gesundheitsangebote in Anspruch nehmen. Gleichzeitig ist das Gesundheitswesen bisher eher wenig digitalisiert. Oftmals scheitert es daher noch am Angebot“, so Rohleder. So haben bisher lediglich 18 Prozent online einen Arzttermin vereinbart, jedoch 40 Prozent können sich dies künftig vorstellen. Nur 14 Prozent werden bereits per SMS oder Mail an Arzt-Termine erinnert, 45 Prozent wünschen sich diesen zusätzlichen Service für die Zukunft.

Durch die vielen Beteiligten – Hersteller und Entwickler neuer Technologien, Leistungserbringer, Krankenkassen und Patienten – wird das Gesundheitssystem sehr komplex. „Mit dem eHealth-Gesetz wurde ein wichtiger Grundstein gelegt, jetzt muss die Digitalisierung im Gesundheitswesen endlich Fahrt aufnehmen. Krankenkassen, Ärzte und Kliniken müssen sich schneller bewegen und den Herausforderungen stellen“, so Prof. Dr. Siegfried Jedamzik, Geschäftsführer der Bayerischen TelemedAllianz.

Die Bundesbürger sind der Digitalisierung des Gesundheitswesens grundsätzlich positiv gegenüber eingestellt. Häufig mangelt es jedoch noch an Angeboten
Die Bundesbürger sind der Digitalisierung des Gesundheitswesens grundsätzlich positiv gegenüber eingestellt. Häufig mangelt es jedoch noch an Angeboten (Bild: Bitkom)

Telemedizin und ePatientenakte

Knapp die Hälfte der Befragten (48 Prozent) hält die Unterstützung durch Spezialisten aus der Ferne bei Operationen für sinnvoll. Die Konsultation von Ärzten und Spezialisten im Ausland, etwa um eine Zweitmeinung einzuholen, kommt für rund 45 Prozent in Frage.

Vor allem wegen Datenschutz-Bedenken würde nur jeder Dritte der telemedizinischen Überwachung des eigenen Gesundheitszustands zustimmen. „Patienten muss die Skepsis, ob die Speicherung von digitalen Patientendaten datenschutzrechtlich überhaupt sicher möglich ist, genommen werden. Um die sichere Nutzung von Gesundheitsdaten zu gewährleisten und auszubauen, müssen schnell einheitliche Rahmenbedingungen geschaffen werden“, forderte Jedamzik.

Auch dem Ärzte- und Pflegemangel insbesondere in ländlichen Regionen könnte durch die Telemedizin entgegen gewirkt werden. Positiv kann dazu die digitale Patientenakte beitragen. In ihr sollen Daten, die in Arztpraxen, Kliniken oder anderen Gesundheitseinrichtungen anfallen, zukünftig elektronisch gespeichert werden. Vorhandene Daten können so verstärkt – auch mobil – genutzt werden. Wichtig ist den Patienten auch hierbei der Datenschutz. Drei Viertel möchte selbst darüber bestimmen, welche Ärzte Zugriff auf die digitalen Daten in ihrer eAkte haben. 60 Prozent wären damit einverstanden, dass behandelnde Ärzte die Daten einsehen und an einen anderen behandelnden Arzt weitergeben. 32 Prozent würden diese Entscheidung auch an Familienangehörige übertragen. Ein Viertel wäre sogar damit einverstanden, dass die Krankenkasse die Gesundheitsdaten kontrolliert.

Um die Patienten von der Digitalisierung profitieren zu lassen, müsse daher schnellstmöglich ein verbindlicher Zeitplan zur Umsetzung der elektronischen Patientenakte aufgestellt werden, so Jedamzik.

Informationen aus dem Internet

Zu Gesundheitsthemen informiert sich mehr als die Hälfte (55 Prozent) im Internet. Regelmäßig, das heißt mindestens einmal im Monat, macht das jeder Fünfte. Allgemeine Gesundheitsportale, aber auch Webseiten von Krankenhäusern (31 Prozent) oder von Ärzten (26 Prozent) werden dabei gerne genutzt. Die Gesundheitsrecherche im Netz bringt für die Patienten folgende Vorteile:

  • Zwei Drittel der Befragten (61 Prozent) sagen, dass sie durch die Internetrecherche zu Gesundheitsthemen wertvolle Tipps erhalten.
  • Knapp jeder Zweite (48 Prozent) meint, dass das Internet dabei hilft, souveräner gegenüber dem Arzt aufzutreten.
  • Jeder Dritte (32 Prozent) versteht dadurch seinen Arzt besser.

Bei einigen Befragten hatte die Online-Recherche sogar schon einmal Auswirkungen auf die Behandlung. Ein Fünftel gab an, dass der Arzt schon ein Medikament oder eine Therapie verschrieben habe, weil sie nach einer Internetrecherche darum gebeten hatten. Zwölf Prozent haben sich anschließend gegen die Einnahme eines Medikaments entschieden oder die Dosierung verändert (10 Prozent).

„Der Patient geht durch die Internetrecherche aufgeklärter in das Arztgespräch. Das finden manche Ärzte gut, anderen ist es erst einmal unangenehm“, so Rohleder.

Dieser Artikel ist erschienen auf www.egovernment-computing.de.

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