Ipsihand

Gedankensteuerung soll Schlaganfallpatienten Beweglichkeit neu antrainieren

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Diagramm der sogenannten "Ipsihand" im Einsatz: Das Gerät spürt Impulse im unbeschädigten Bereich des Schlaganfallpatienten (grün dargestellt), was dazu führt, dass sich die Plastikschiene an der Hand entsprechend öffnet und schließt. Durch stetige Wiederholung hilft die Ipsihand die heilen Gehirnbereiche zu trainieren und nach und nach Funktionen zu übernehmen, die zuvor von den durch den Schlaganfall beschädigten Hirnzellen durchgeführt wurden.
Diagramm der sogenannten "Ipsihand" im Einsatz: Das Gerät spürt Impulse im unbeschädigten Bereich des Schlaganfallpatienten (grün dargestellt), was dazu führt, dass sich die Plastikschiene an der Hand entsprechend öffnet und schließt. Durch stetige Wiederholung hilft die Ipsihand die heilen Gehirnbereiche zu trainieren und nach und nach Funktionen zu übernehmen, die zuvor von den durch den Schlaganfall beschädigten Hirnzellen durchgeführt wurden. (Bild: Matthew Holt / Sara Moser / Washington University School of Medicine)

Konditionierung des Gehirns: Forscher der Washington University School of Medicine in St. Louis haben mit der Ipsihand ein Gerät entwickelt, das verspricht, teilgelähmten Schlaganfallpatienten wieder die Kontrolle über ihre Gliedmaßen zurückzugeben.

Mit etwa 270.000 gemeldeten Vorfällen im Jahr zählen Schlaganfälle zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland. Etwa die Hälfte der betroffenen Patienten bleibt etwa ein Jahr nach dem Schlaganfall mit einer dauerhaften Behinderung zurück. Eines der heftigsten und schwerwiegendsten Symptome sind Lähmungserscheinungen in Arm, Bein, Gesicht oder sogar einer ganzen Körperhälte. Ursache hierfür ist, dass durch einen Hirninfarkt oder Blutgerinnsel die Bereiche im Gehirn absterben, die zuvor für die Kontrolle der entsprechenden Körperbereiche zuständig waren.

In einigen Fällen kann Physiotherapie dabei helfen, die verlorenen motorischen Fähigkeiten wenigstens teilweise wieder zurückzuerlangen. Wiederholtes körperliches Training hilft den Patienten, Gehirn und Körper entsprechend zu trainieren, so dass gesunde Hirnbereiche den Teil der Körperkontrolle übernehmen können, der durch das Absterben der betroffenen Segmente verloren gegangen ist.

Forscher der Washington University School of Medicine in St. Louis haben in Studien ein Gerät erfolgreich getestet, dass diesen Vorgang gezielt unterstützt. Die sogenannte Ipsihand besteht aus einer Handschiene und einer mit Elektroden und Sensoren ausgestatteten Haube, welche die Hirnströme ihres Trägers misst.

Das Gerät empfängt Gedankenimpulse in den gesunden Bereichen des Gehirns, die das Öffnen und Schließen an der gelähmten Hand auslösen soll. Diese Impulse werden an die Armschiene übertragen. Diese öffnet und schließt die Hand des Patienten entsprechend. Wie die Studie zeigt, ist es auf diese Weise schneller und effizienter als bisher möglich, die Gehirnbereiche zum Übernehmen der verlorenen Körperfunktionen zu trainieren als mit klassischen Reha-Maßnahmen.

In der Regel befinden sich die Gehirnbereiche, die tatsächlich die Kontrolle ausüben, auf der entgegengesetzten Körperseite als die entsprechenden Gliedmaßen. Die Neurochirurgen Eric Leuthardt und David Bundy, zwei der Autoren der jüngst im Fachmagazin Stroke veröffentlichten Studie, entdeckten aber vor einigen Jahren eine Eigenart in der Art und Weise, in der das Gehirn die Kontrolle über die Gliedmaßen des Körpers ausübt: Um beispielsweise die linke Hand zu bewegen, treten zuerst in der linken Gehirnhälfte elektrische Signale auf, die gewissermaßen den Plan, die Bewegung auszulösen, signalisieren. Millisekunden später wird dann der Bereich in der rechten Gehirnhälfte aktiv, der die eigentliche Handlung auslöst.

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