Medizinische Visualisierung

Gaming für Mediziner

| Redakteur: Ira Zahorsky

Benjamin Schulz hat eine App entwickelt, die Medizinern die Arbeit erleichtern soll.
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Benjamin Schulz hat eine App entwickelt, die Medizinern die Arbeit erleichtern soll. (Bild: HS Flensburg)

Auch im Healthcare-Bereich werden zur medizinischen Visualisierung immer mehr Konzepte aus IT-Bereichen eingebunden, die man dort gar nicht vermuten würde: beispielsweise aus dem Gaming-Bereich.

Auf dem weltweit größten Radiologiekongress in Chicago stellten die beiden Flensburger Wissenschaftler Benjamin Schulz und Henner Bendig ihre Entwicklungen vor, die den Klinikalltag erleichtern sollen: Ein Sonografie-Game und eine spezielle App.

„Das Arbeiten mit der Ultraschallsonde, der Umgang mit Schnittbildern wird im Medizinstudium kaum gelehrt“, sagt Henner Bendig, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Information und Kommunikation der Hochschule Flensburg. „In der Praxis wird der Umgang mit dem Ultraschallgerät aber vorausgesetzt.“ Es sei jedoch schwierig, sich auf Basis zweidimensionaler Bilder dreidimensionale Objekte vorzustellen.

Spielerisch Lernen

Henner Bendig hat einem handelsüblichen Gamecontroller das Aussehen einer Ultraschallsonde gegeben. Mit diesem kann man nun in verschiedenen Übungen mit Hilfe einfacher geometrischer Formen am Bildschirm den Umgang mit Schnittbildern lernen. Beispielsweise müssen Nutzer erkennen, welches Objekt sich hinter einem Schnittbild verbirgt oder ein vorgegebenes Schnittbild nachstellen. Gamification lautet das dahinterstehende Konzept: „Man geht davon aus, dass man besser lernt, wenn man spielerisch und mit Spaß lernt. Und daher können beim Sono-Game Punkte gesammelt und neue Level freigeschaltet werden“, erklärt Bendig.

Videospieltechniken sollen Medizin und Physiotherapie fördern

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Ob das Konzept tatsächlich Wirkung entfaltet, müsse man durch Tests im klinischen Alltag herausfinden. Aber nicht nur für die Anwendung im Krankenhaus oder der Medizinerausbildung würde der Einsatz Sinn machen. Immer häufiger werden, so Bendig, mobile Sonografie-Geräte beispielsweise auf Krankenwagen eingesetzt – ohne das Personal in der Anwendung ausreichend zu schulen. Auf dem Kongress in Chicago habe es großes Interesse an Bendigs Live-Exponat gegeben. Und damit auch Chancen, den nächsten Schritt zu gehen – und die Anwendung in der Praxis zu testen.

App für Radiologen

So verhält es sich auch mit der von Benjamin Schulz entwickelten App. Als Lehrkraft für besondere Aufgaben hat er eine Anwendung für mobile Geräte entwickelt, die es Radiologen erlaubt, schneller und ortsunabhängig Befundungen durchzuführen. „Klassische Bedienkonzepte funktionieren in diesem Bereich nicht“, erklärt Schulz. Wische man – ganz klassisch – über den Touchscreen, verursache dies Fingerabrücke. Schmutz und der Finger verdeckten die Stelle, die man eigentlich sehen wolle. Dank der neuen App können Radiologen beispielsweise durch kleine Kippbewegungen des Gerätes CT-Bilder begutachten. Eine schnelle Befundung sei auch in hektischen Notfallsituationen hilfreich. Nach der CT- oder MRT-Untersuchung könne direkt gehandelt werden.

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Hilfreich bei der Etablierung der neuen Interaktions- und Lernkonzepte ist sicher der Umstand, dass junge Ärzte und auch der medizinische Nachwuchs interessiert sind an neuen Technologien, wie Henner Bendig sagt. Der aus dem Alltag gewohnte Umgang mit Smartphones und mobilen Geräten macht die Übertragung auf die Arbeit sicher auch bei älteren Kollegen und Kolleginnen leichter, glaubt Benjamin Schulz.

Prof. Dr. Michael Teistler, an der Hochschule Flensburg für die Bereiche Human-Computer-Interaction und Usability zuständig, freut sich über die Weiterentwicklungen im Bereich der medizinischen Visualisierung, in dem er sich in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Projekten den Ruf eines Experten erarbeitet hat. Unterstützt wird die Arbeit dabei zum Teil durch die Marga und Walter Boll-Stiftung. Die hat 2015 150.000 Euro zur Verfügung gestellt, um neue Interaktionskonzepte für die medizinische Bildgebung zu entwickeln.

Dieser Artikel ist erschienen auf www.egovernment-computing.de.

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