Porträt

Das Gesicht der Medtec Europe

| Autor: Kathrin Schäfer

Als Brand Managerin ist Fabienne Valambras verantwortlich für die Fachmesse.
Als Brand Managerin ist Fabienne Valambras verantwortlich für die Fachmesse. (Bild: Schäfer / Devicemed)

Man hat sie schon für eine Rheinländerin gehalten. Und das in Frankreich. Fabienne Valambras, Französin mit doppelter Staatsbürgerschaft, lebt seit gut 30 Jahren in Deutschland.

Einen Großteil davon in der Gegend um Köln. Dennoch – in der eigenen Heimat gefragt zu werden, ob sie aus dem Rheinland komme, das war dann doch etwas zu viel. Das nachgeschobene Kompliment – „Sie sprechen aber gut Französisch“ – tat sein Übriges. Valambras erzählt mir diese Geschichte mit einer Spur von Entrüstung und einem Schmunzeln im Gesicht.

Es ist Ende Februar, der Mittwoch vor Karneval. Ich selbst bin wenig überrascht. Zwar weiß ich um ihren Hintergrund, habe sie schon auf Medizintechnikmessen überall auf der Welt gesprochen – heute allerdings hat sie, das muss ich zugeben, einen rheinländischen Einschlag. Vielleicht liegt es daran, dass ich sie zum ersten Mal in ihrer Wahlheimat treffe. Wir sitzen in einem Café in Siegburg, unweit ihres Büros. Um uns herum schon Fastnachtsschlangen. Noch eine Nacht, bis die Jecken loslegen.

Halb Französin, halb Deutsche – und im Herzen Rheinländerin

In der deutschen Niederlassung des britischen Messeunternehmens UBM arbeitet Valambras als Brand Managerin der Medtec Europe, zusammen mit fünf weiteren Kollegen. Das Team dort ist international aufgestellt, eine Französin, eine Rumänin, ein Italiener, seit Kurzem ist auch ein Ire mit an Bord. Der Titel Brand Manager ist relativ jung und hart erarbeitet: Zehn Jahre ist sie mittlerweile für die Fachmesse tätig, zuletzt als Event Managerin. Messeluft geschnuppert, Blut geleckt für das Messegeschäft hatte sie da bereits. „Ich war vorher im Vertrieb der Lichttechnikmesse Photokina bei der Kölnmesse tätig. Ein ehemaliger Kollege hat mich ins Medtec-Team geholt“, erzählt sie. Und davor? „Davor war ich im Vertrieb bei einem Unternehmen tätig, das auf der Photokina ausgestellt hat. Aber ich wollte irgendwann die andere Seite der Messe kennenlernen. Nicht mehr als Aussteller, sondern als diejenige, die sie mit organisiert.“ Denn: Schon im Unternehmen war sie irgendwie immer für alles zuständig, was mit der Messe zu tun hatte. „Egal ob es um die Anmeldung ging, um die Flyer oder darum, dass auf der Messe noch irgendetwas schnell verschraubt werden musste – alle kamen sie damit zu mir.“ Diese Bereitschaft, bei Bedarf einfach mit anzupacken, hat sie sich bis heute bewahrt: „Wenn ich während der Messe an einem leeren Katalogtisch vorbeikomme, dann hole ich Kataloge und fülle auf. Da rufe ich nicht noch lange jemanden an, der das für mich erledigt.“

Als Brand Managerin ist Valambras für die strategische Planung von Medtec Europe und Medtec Ireland zuständig. Es sind diese beiden Medtec-Messen, die in Europa geblieben sind, nachdem die Medtec-Messen in Großbritannien, Italien und Frankreich 2015 eingestampft wurden. „Das Ende der Medtec France hat mich schon mit Wehmut erfüllt“, gibt Valambras zu. Diese Messe hat sie mit aufgebaut, sie war ihr Baby. Auch, aber nicht nur weil sie in ihrem Heimatland Frankreich stattgefunden hat. Doch nicht immer lässt sich der Erfolg einer Veranstaltung vorhersagen. Und: „Was als Konzept in den USA funktioniert, muss in Europa noch lange nicht zum Erfolg führen.“ Diese Erkenntnis teilt sie mit ihrem Arbeitgeber UBM, der das europäische Messeportfolio sichtlich verschlankt hat. Valambras schaut nach vorne. Medtec Europe und Ireland sind bei UBM jetzt im Umfeld der Pharmamessen angesiedelt. Die Konzentration auf die Hauptmesse Medtec Europe hat auch neue Kooperationen mit sich gebracht. „Die Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Medizintechnik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA beispielsweise, das war meine Idee“, so Valambras. Wo sie ihre Stärken sieht? „Ich bin spontan, aber auch vorausschauend. Wenn ich in einem Projekt Potenzial sehe, dann brauche ich das nicht lange zu analysieren.“ Eine Charaktereigenschaft, die sie von der typisch deutschen Planungsakribie unterscheidet. Und die sie jetzt gut gebrauchen kann: Denn 2017 macht die neue Fachmesse MT- Connect der Medtec Europe Konkurrenz. Da ist Flexibilität gefragt. Noch besser auf die Bedürfnisse ihrer Aussteller zu hören, ist denn auch Valambrasʼ Ziel. Da kann es schon mal passieren, dass sie in den Flieger steigt, um einen Aussteller persönlich zu treffen, sich seine Anliegen anzuhören und darauf einzugehen.

Ihre Bodenständigkeit hat sich die Brand Managerin erhalten

Was ihr am Messegeschäft so gut gefällt, möchte ich wissen. „Es gibt einen Moment, den ich besonders liebe. Das ist frühmorgens am ersten Messetag, noch bevor die Besucher kommen.“ Valambras läuft alleine durch die Hallen. „Das ist schon erstaunlich: Am Abend vorher noch der Aufbau, manchmal totales Chaos, und dann der nächste Morgen, alles ist ordentlich und an seinem Platz. Diesen Moment nehme ich mir, auch wenn ich im Stress bin.“

Dass dies keine Floskeln sind, merkt man, wenn man länger mit ihr über die Messe spricht. Keine einzige Frage für unser Gespräch hatte ich ihr vorher zugeschickt. Und doch gibt es kein Detail, das sie mir nicht spontan beantworten kann. In ihrem Büro in Siegburg hängt die Aufplanung der Medtec Europe groß an der Wand, auch wenn das meiste im Messegeschäft heute digital abläuft. Doch natürlich hilft es, sein Ziel vor Augen zu haben. Apropos Ziele: Geboren und aufgewachsen nahe der Normandie, hat Valambras bereits als junges Mädchen den Wunsch, Deutsch zu studieren. Schon früh hat sie als Austauschschülerin die ersten Erfahrungen mit und im späten Nachkriegsdeutschland gemacht. Sicherlich mit ein Grund, warum die Französin in Deutschland, mit britischem Arbeitgeber und Kollegen aus aller Welt, sich im internationalen Messegeschäft so zu Hause fühlt.

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