Compamed 2016: Der Megatrend Digitalisierung erreicht die Medizintechnik

| Autor / Redakteur: Klaus Jopp / Kathrin Schäfer

Parallel zur weltgrößten Medizinmesse Medica findet vom 14. bis 17. November 2016 die Compamed statt.
Parallel zur weltgrößten Medizinmesse Medica findet vom 14. bis 17. November 2016 die Compamed statt. (Bild: Constanze Tillmann/Messe Düsseldorf)

Die Schlagwörter Digitalisierung, Internet der Dinge oder Industrie 4.0 tauchen immer öfter im Zusammenhang mit Medizintechnik auf. Entsprechend werden Entwicklungen zum „Megatrend“ Digitalisierung auch das Angebot der Compamed 2016 prägen.

Der Bundesverband Medizintechnologie (BV-Med) konstatiert: „In die Gesundheitsversorgung bietet die Digitalisierung große Chancen für eine immer älter werdende Gesellschaft, in der immer mehr Menschen chronisch erkranken. Die Digitalisierung hilft, Krankheiten früher zu erkennen, die Dauer der Klinikaufenthalte zu verkürzen und durch Telemedizin, Apps oder Pflegeroboter länger mobil zu leben.“.

Allerdings – bislang sind Medizintechnik-Firmen in Sachen Digitalisierung noch eher zurückhaltend. Dies liegt vor allem an den speziellen Strukturen in diesem Bereich: „Die Branche ist geprägt von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Und diese haben es schwer, die Potenziale der vernetzten Fabrik für sich zu identifizieren“, erklärt Dr. Jens Nitsche, Direktor Research & Development des Beratungsunternehmens Ingenics.

Highlights der Compamed/Medica 2015

Messe Düsseldorf

Highlights der Compamed/Medica 2015

23.11.15 - Mit Spannung haben Aussteller und Besucher der diesjährigen Compamed entgegengesehen. Und wie immer war die Stimmung gut in Düsseldorf. Bilder von den erstmalig vier Messetagen finden Sie heute in unserer Bildergalerie. lesen

Für die kommende Compamed vollzieht sich aber offenbar eine Wende. Das hat der IVAM Fachverband für Mikrotechnik festgestellt, der gerade kleine und mittelständische Unternehmen vertritt: „Ein Trend, den wir aktuell sehen, ist das Thema ,Digitalisierungʻ. So spielen Mobile Health-Anwendungen, das ,Internet der Dingeʻ, ,Wearablesʻ sowie smarte Implantate und Textilien eine zunehmend wichtige Rolle auf dem IVAM-Produktmarkt.

Interoperable Sensoren und Aktoren für beste Vernetzung

Daher sind Hersteller von miniaturisierten, elektronischen Komponenten, wie Sensoren und Aktoren, auch wieder stark auf dem IVAM-Gemeinschaftsstand vertreten“, betont Mona Okroy-Hellweg, Sprecherin des IVAM, der dieses Jahr wieder rund 50 Unternehmen auf seinem Gemeinschaftsstand in Halle 8a der Compamed zusammenbringt. „Die fortschreitende Digitalisierung im Bereich der Gesundheitsversorgung prägt derzeit maßgeblich auch das Geschehen rund um die medizinische Produktentwicklung“, bestätigt Joachim Schäfer, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf.

Nach Vorstellungen der neu gegründeten ITG-Fachgruppe „Nutzerorientierte, sichere, dynamische Systeme im Gesundheitswesen“ im VDE sollen künftig interoperable Sensoren und Aktoren Daten zu Parametern wie Gewicht, Blutdruck, Temperatur, Aktivität oder EKG am Patienten Gesundheitsdaten aufnehmen und digitalisiert ins Intranet beziehungsweise Internet übertragen. Sie machen es möglich, eine Historie über das Wohlbefinden des Patienten in verschiedenen Umgebungen darzustellen. Aus diesen gespeicherten Gesundheitsdaten lassen sich Dienste generieren, die im Intranet oder Internet zur Anwendung bereitgestellt werden und Handlungsempfehlungen geben, etwa sich zu bewegen oder ein Medikament einzunehmen. Sie registrieren auch, welche Maßnahme zur Verbesserung des Gesundheitszustandes beigetragen hat. „Ein solcher Dienst würde verschiedene herstellerunabhängige Komponenten beziehungsweise Geräte über interoperable Schnittstellen mit smarten mobilen Devices vernetzen. Im nächsten Schritt könnte dann eine Leistungs-Assessment-Software kontinuierlich den Verlauf der Maßnahmen bewerten und die Gesundheitsversorgung verbessern“, skizziert Johannes Dehm, VDE-Standardisierungsexperte im Bereich der Medizintechnik, die mögliche Zukunft. Durch die digitalisierte Transformation unterschiedlicher Daten von unterschiedlichen Sensoren oder Aktoren werden alle Beteiligten nahezu in Echtzeit entlang der Gesundheitsversorgung über wichtige Parameter unter Einhaltung des Datenschutzes informiert. Aus diesem Szenario lassen sich zahlreiche Entwicklungen und Produkte für Unternehmen ableiten, die im Rahmen der Compamed als Aussteller beteiligt sind.

3D-Druck soll auch die Medizintechnik revolutionieren

Ohne Zweifel auf dem Vormarsch sind Mobile Health-Anwendungen, bei denen Gesundheitsleistungen durch mobile Kommunikationsgeräte erbracht werden. Ideal geeignet für mobile Anwendungen insbesondere im Bereich Beatmung ist der kleinste Differenzdrucksensor der Welt, den Sensirion zur Compamed 2016 präsentieren wird. Der digitale Baustein kann aufgrund seiner geringen Größe von nur fünf mal acht mal fünf Millimetern in Geräte eingebaut werden, in denen wegen des geringen Platzes gar keine Sensorik möglich war. Nebst seiner minimalen Abmessungen überzeugt der Differenzdrucksensor SDP3x auch mit Genauigkeit und Langzeitstabilität und ist zudem frei von Nullpunktdrift. Der Sensor ist daher geeignet für die Messung von Massenfluss in einer Bypass-Konfiguration. Vorgesehen ist er für Medizingeräte in der Heimpflege, für portable Medizingeräte und intelligente Inhalatoren.

„Ob in der Forschung, der industriellen Fertigung oder im Krankenhaus: Der 3D-Druck revolutioniert die Medizintechnik“, konstatiert Kathrin Schäfer, Redakteurin der Fachzeitschrift Devicemed, die seit Jahren zusammen mit der Messe Düsseldorf das Compamed Suppliers Forum veranstaltet. Wie richtig diese These ist, beweist das Forschungsprojekt Light-Flex, das das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT mit verschiedenen Industriepartnern durchführt. Ziel des Vorhabens sind medizinische Prothesen, die in Kombination aus 3D-Druck und Faserverbund-Technologie hergestellt werden sollen. Durch den 3D-Druck lassen sich Bauteile nahezu beliebig individualisieren und funktionalisieren, bevor sie mit einem thermoplastischen Faserverbundkunststoff gefügt werden und so die geforderte Belastbarkeit erreichen. Seit 2004 ist der Markt für das Additive Manufacturing jährlich um rund 20 Prozent gewachsen – für die kommenden Jahre kündigt sich weiteres starkes Wachstum an, auch getrieben von Anwendungen in der Medizintechnik.

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25 Jahre Compamed: Entwickler, Produktionsverantwortliche und Einkäufer an einem Tisch

Die „Flüssige Biopsie“ ist aktuell ein vielversprechender Ansatz für die Diagnostik, Überwachung und individualisierte Therapie von Krebspatienten. Dabei können aus einer herkömmlichen Blutprobe Krebs-assoziierte Biomarker nachgewiesen werden. Vor diesem Hintergrund hat das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie Institut für Mikrotechnik Mainz im Rahmen des Ci3 Spitzenclusters das CT-Celect-Gerät zur Extraktion und Ablage einzelner Tumorzellen aus Vollblut in Töpfchen einer Mikrotiterplatte entwickelt. Last but not least bleibt mit Lasertechnologie Licht als Werkzeug ein Dauerthema bei der Compamed.

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