Diagnostik, Therapie, Forschung

Augenklinik der Uni Bonn nutzt optischen Kohärenztomographen

| Redakteur: Ira Zahorsky

Optischer Kohärenztomograph (OCT) neuester Generation
Optischer Kohärenztomograph (OCT) neuester Generation (Bild: Rolf Müller / UK Bonn)

In der Augenklinik des Universitätsklinikums Bonn steht seit kurzem ein Optischer Kohärenztomograph (OCT) neuester Generation, der eine verbesserte Netzhaut-Diagnostik ermöglichen soll.

Mit dem neuen Gerät sollen sich die vielfältigen Netzhaut- sowie Makulaerkrankungen schon in einem frühesten Stadium exakt diagnostizieren und unterscheiden lassen. Bonn ist deutschlandweit das erste Zentrum in dem das Gerät sowohl in der Krankenversorgung als auch für Forschungszwecke angewandt wird.

In Sekunden ein realer Eindruck der Netzhaut

Vorsichtig tastet das Laserlicht die Netzhaut berührungsfrei im Auge ab, während der Patient bequem auf einem Behandlungsstuhl sitzt. Dabei werden die Reflexionen der Lichtsignale an den verschiedenen Strukturen der Netzhaut Schicht für Schicht erfasst. Das neue Gerät mit „swept source“-OCT-Technologie hat dabei eine Geschwindigkeit von 100.000 Scans pro Sekunde. Die dabei erreichte räumliche Auflösung von etwa sechs Mikrometern, als kleinster Abstand für zwei gerade noch als getrennt wahrnehmbare Strukturen, ist etwa 100fach höher als bei der Kernspin- oder der Computertomographie. Das Ergebnis sind Bilder der Netzhaut, die aufgrund der hohen Messgenauigkeit noch feinere Details im Vergleich zu den Vorgänger-OCT-Instrumenten liefern.

Die hohen Scanraten des neuen Geräts gehen darüber hinaus mit einer nur sehr kurzen Untersuchungszeit und damit sehr geringen Belastungen für den Patienten einher. Ein Vorteil der mit der neuen Technologie durchführbaren OCT-basierten Angiographie ist, dass auch kleinste Gefäße der Netz- und Aderhaut ohne Injektion von Fluoreszenzfarbstoffen sichtbar werden. So ist die Untersuchung für die Patienten wesentlich angenehmer.

Früherkennung und exakte Diagnostik

„Diese innovative Form der Bildgebung gestattet nicht nur eine frühere Erkennung von Krankheiten der Makula oder der Netzhaut, sie ist auch für die exakte diagnostische Einordnung und die Beurteilung von Therapieeffekten und damit der Vermeidung irreversibler Seheinschränkungen hilfreich“, sagt Prof. Dr. Frank Holz, Direktor der Augenklinik am Universitätsklinikum Bonn. Denn die unterschiedlichen Netzhautschichten weisen durch Augenerkrankungen vielfältigste Veränderungen auf.

Neben der Früherkennung und der exakten Diagnosestellung spielt die neue Technologie auch eine zentrale Rolle bei Monitoring unter Therapie.

Einsatz in der Forschung

Die „swept source“-OCT-Technologie steht bislang nur an wenigen medizinischen Einrichtungen weltweit zur Verfügung. Die Bonner Universitäts-Augenklinik, die Mitglied in einem internationalen Forschungsverbund (ARI – Advanced Retinal Imaging Network) ist und sowohl mit Entwicklern der Firma Zeiss als auch mit internationalen Netzhautforschungszentren zusammenarbeitet, setzt das neue Gerät auch zu Forschungszwecken ein. Von besonderem Interesse sind beispielsweise neue Biomarker für neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Alzheimer oder Multiple Sklerose. Erste Untersuchungen weisen darauf hin, dass diese Erkrankungen auch mit Veränderungen der Netzhaut einhergehen. Dabei ist dieses Verfahren weitaus weniger aufwändig, belastend oder kostenintensiv im Vergleich zur Kernspintomographie oder PET-Untersuchung.

Dieser Artikel ist erschienen auf www.egovernment-computing.de.

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