ZVEI

„2017 ist ein Jahr wichtiger Weichenstellungen“

| Redakteur: Peter Reinhardt

Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der Geschäftsführung des ZVEI: „Der ZVEI wie die Industrie insgesamt setzen auf die Europäische Union. Deren Prinzipien wie die Freiheit der Dienstleistungen sowie die Freizügigkeit von Kapital und Waren dürfen nicht aufgeweicht werden.“
Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der Geschäftsführung des ZVEI: „Der ZVEI wie die Industrie insgesamt setzen auf die Europäische Union. Deren Prinzipien wie die Freiheit der Dienstleistungen sowie die Freizügigkeit von Kapital und Waren dürfen nicht aufgeweicht werden.“ (Bild: Reinhardt / Devicemed)

Der Brexit und die Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten werden nicht ohne Auswirkungen auf die Elektroindustrie und damit auch die Hersteller elektromedizinischer Technik bleiben. Auf seiner Jahresauftakt-Pressekonferenz zeigt sich der ZVEI alarmiert, aber nicht beunruhigt.

„2017 ist ein Jahr wichtiger Weichenstellungen“, erklärt Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, bei der Jahresauftakt-Pressekonferenz des Verbands am Dienstag dieser Woche. „In Phasen von großer Verunsicherung ist es wichtig, sich zu besinnen, dass offene Märkte und technologischer Fortschritt elementare Treiber von Wachstum und Wohlstand sind.“ Mehr denn je gehe es darum, die Errungenschaften des Freihandels und des europäischen Binnenmarkts zu sichern.

Trotz Brexit- und Trump-Effekten optimistisch

Für 2017 ist der ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie allen Brexit- und Trump-Effekten zum Trotz optimistisch. Erwartet wird, dass die preisbereinigte Produktion der Branche um 1,5 Prozent wächst. „Der Rekord-Branchenumsatz von 182 Milliarden Euro von 2008 sollte Ende dieses Jahres endlich wieder erreicht sein“, erwartet Mittelbach.

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28.06.16 - Medizintechnik im Wert von 1,13 Mrd. Euro wurde 2015 von Deutschland nach Großbritannien exportiert. Branchenriesen wie Dräger, Siemens und Fresenius, aber auch Fachverbände hat Devicemed zu den Folgen des Brexit befragt. Von Unsicherheit, einer Abwertung des britischen Pfunds, veränderten Handelsbeziehungen sowie der Frage nach der Gültigkeit der neuen EU-Medizinprodukteverordnung ist jetzt die Rede. lesen

Trotz eines politisch turbulenten Jahres mit überraschenden Wahlausgängen wie Brexit-Votum und US-Wahl sowie zahlreichen geopolitischen Krisen wuchs die Produktion der Elektroindustrie von Januar bis November 2016 um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im gesamten vergangenen Jahr sollte sich der aggregierte Branchenumsatz auf 179 Mrd. Euro belaufen. Zum Höchstwert aus dem Jahr 2008 fehlen damit „nur“ noch 3 Mrd. Euro.

Medizintechnikindustrie profitiert vom Exportgeschäft

Das größte Plus von 5,5 Prozent auf 10,4 Mrd. Euro fuhr die Medizintechnik ein. Dazu Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer des Fachverbandes Elektromedizinische Technik im ZVEI: „Diese Entwicklung ist vor allem dem Exportgeschäft zuzuschreiben. Über 50 Prozent der Umsätze werden außerhalb der EU erzielt. Hier macht sich der schwache Wechselkurs des Euro positiv bemerkbar. Hinzu kommt, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung in vielen Regionen der Welt im letzten Jahr wieder stabilisiert hat.“ Für das gerade begonnene Jahr seien die Erwartungen für die deutsche elektromedizinische Technik wie für die Elektroindustrie insgesamt leicht positiv – trotz einer Reihe von Unsicherheiten im internationalen Umfeld.

Unsicherheiten im internationalen Umfeld

Diese kommen vor allem aus dem angelsächsischen Sprachraum. So hat die neue US-amerikanische Regierung entschieden, dass sich die USA nicht am TPP-Handelsabkommen für die Länder des Pazifikraumes beteiligen werden. „Was das für die Gespräche zwischen der EU und den USA über das TTIP-Abkommen bedeutet, kann heute noch nicht gesagt werden“, schätzt Bursig. Für die Medizintechnik würde TTIP aber im Wesentlichen bürokratische Verfahrensvereinfachungen bringen, zum Beispiel die Reduzierung der Anzahl von Doppelprüfungen. Wesentliche Auswirkungen auf den Umfang des Handels mit Medizinprodukten zwischen der EU und den USA erwartet Bursig dennoch zunächst nicht.

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23.02.16 - In dieser Woche treffen die Verhandlungsführer der EU und der USA in Brüssel zusammen, um sich über die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) zu beraten. Es handelt sich dabei bereits um die 12. Verhandlungsrunde. lesen

Auch die Folgen des Brexit lassen sich für die elektromedizinische Industrie noch nicht verlässlich bewerten. „Wesentlich wird sein, wie der Warenverkehr zwischen der EU und Großbritannien nach dem Austritt aus der EU geregelt wird und ob Großbritannien die europäische CE-Kennzeichnung für den Zugang zum britischen Markt akzeptieren wird“, so Bursig.

Die USA sind Exportland Nummer 1

Zurück zu den Wirtschaftszahlen der gesamten Elektroindustrie: Stark zeigte sich hier erneut der Export. Von Januar bis November 2016 nahmen die gesamten Branchenausfuhren, einschließlich Re-Exporten, gegenüber dem Vorjahr um 4,0 Prozent auf 166,5 Mrd. Euro zu. Damit steht die Elektroindustrie weiterhin für ein Siebtel aller deutschen Ausfuhren. Die meisten Exporte gingen wie auch 2015 in die USA, dicht gefolgt von China auf dem zweiten Platz. Während die Ausfuhren in die USA um moderate 1,6 Prozent auf 14,8 Mrd. Euro stiegen, legten sie nach China mit plus 7,9 Prozent auf 14,7 Mrd. Euro deutlicher zu. Mit 103,3 Mrd. Euro (plus 5 Prozent) wurden immer noch zwei Drittel aller Branchenausfuhren in Europa abgesetzt.

Mit Steuergutschrift Forschung und Entwicklung fördern

Fürs Wahljahr stellt der ZVEI erneut seine Wahlprüfsteine zur Diskussion. „Stärker als bisher müssen Politik und Wirtschaft die Gestaltung des digitalen Wandels vorantreiben“, so der Vorsitzende der ZVEI-Geschäftsführung weiter. Der Elektroindustrie komme dabei eine besondere Rolle zu. „Keine andere Branche treibt Innovationen so stark voran und leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland.“ Aber auch der Staat trage Verantwortung. Damit Forschung und Entwicklung auch künftig die zentrale Stellschraube für die Innovationsfähigkeit Deutschlands bleiben könne, brauche es dringend einen steuerlichen Rechtsrahmenn, der Neues ermögliche. Mittelbach: „Die Digitalisierung kennt keinen Masterplan.“ Gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert der ZVEI deshalb eine steuerliche Forschungsförderung von mindestens zehn Prozent der Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen.

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